Der SPIEGEL

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09. April 2016, 00:00 Uhr

Mode für Kleinwüchsige

Schluss mit dem Kinderkram

Kleinwüchsige werden von der Modewelt bisher ignoriert. Meist bleibt ihnen nur die Kinderabteilung. Eine Berliner Studentin ändert das jetzt.

Designer, so hört man häufig, benötigten Musen, um ihre Kollektionen entwickeln zu können. Karl Lagerfeld pflegte ein inniges Verhältnis zu Claudia Schiffer und lässt sich neuerdings von Will Smiths Tochter Willow kreativ befruchten, Miuccia Prada holt sich bei Schauspielerin Chloë Sevigny den nötigen Input.

Auch die Berliner Studentin Sema Gedik hat eine Inspirationsquelle: Funda. Die junge Frau ist Semas Cousine, lebt in der Türkei - und ist kleinwüchsig. Immer wieder beschwerte sich die 26-Jährige, die nur 1,28 Meter misst, dass sie all ihre Klamotten in der Kinderabteilung kaufen oder eigens anfertigen lassen müsse.

So entdeckte Sema, die an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft Modedesign studiert, das Thema ihrer Bachelorarbeit: Mode für Kleinwüchsige. "Ich wollte Kleidung für eine Gruppe Menschen kreieren, die die Modewelt bisher komplett vernachlässigt hat", sagt die 26-Jährige.

Endlich Kleidung von der Stange

Dabei leben allein in Deutschland mehr als 100.000 Männer und Frauen, die kleiner als 1,50 Meter sind. Die Idee kam an bei Semas Professoren. So durfte sie die ersten Entwürfe bereits auf der Berliner Fashion Week präsentieren - ein Ritterschlag für eine so junge Designerin. Die ersten Stücke ihres Labels "Auf Augenhöhe" gibt es bereits im Netz zu kaufen. Spätestens in zwei Jahren soll es dann einen umfangreichen Onlineshop geben - mit Kleidern, T-Shirts, Hosen, Schuhen und Handschuhen.

Damit andere Modemacher ihrem Beispiel folgen können, entwickelt Sema gerade die weltweit erste Konfektionstabelle für kleinwüchsige Menschen. Dafür vermisst sie rund tausend Kleinwüchsige, um deren Proportionen miteinander vergleichen zu können. "Funda soll endlich Kleidung von der Stange kaufen können", wünscht sich Sema.

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