Naomi Campbell über Rassismus in der Modebranche "Es ist wirklich besser geworden"

Naomi Campbell war die erste Schwarze auf dem Cover der französischen "Vogue". Im Laufe ihrer Karriere hat sie immer wieder Rassismus in der Modewelt angeprangert. Mittlerweile sieht sie die Branche aber auf einem guten Weg.

"Es ist nicht nur ein Trend", sagt Naomi Campbell über ethnische Vielfalt in der Mode
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"Es ist nicht nur ein Trend", sagt Naomi Campbell über ethnische Vielfalt in der Mode


Die Titelseiten der Hochglanzmagazine und die Laufstege der Welt waren lange Zeit eine weiße Welt. Modekonzerne, Designer und Werbekunden buchten vor allem Models mit heller Haut. Dann kam Mitte der Achtziger Naomi Campbell. Sie schaffte es als erste Schwarze auf das Cover der französischen "Vogue" und das wichtige Septemberheft der US-Ausgabe der Modezeitschrift. Sie war auch das erste schwarze Model auf dem "Time"-Umschlag. Doch Campbell musste auch lange dafür kämpfen, das gleiche Gehalt zu bekommen wie ihre Kolleginnen, und sie war lange das einzige schwarze Topmodel (neben Iman und Tyra Banks vielleicht).

Mittlerweile ist Campbell seit 33 Jahren im Geschäft, aus der Riege der ehemaligen Supermodels aus den Neunzigern ist nur sie noch immer auf den wichtigen Laufstegen zu sehen. Allerdings sucht sie sich inzwischen ganz genau aus, für wen sie läuft. Meist sind es Designer, denen sie mit ihren Auftritten Bekanntheit verschaffen will oder mit denen sie befreundet ist. Um Geld geht es hier höchstens noch am Rande.

Auch sonst hat sich einiges geändert in Naomi Campbells Arbeitsumfeld. Bei den Herbstschauen 2019 etwa waren fast 40 Prozent der Models in Paris, Mailand und New York keine Weißen. Für Naomi Campbell ein Zeichen, dass sich die Verhältnisse endlich gebessert haben. "Die ethnische Vielfalt in der Mode ist größer geworden in den vergangenen Jahren", sagte Campbell am Montagabend in London am Rande einer Veranstaltung des British Fashion Councils. (Der Modeverband wird sie im Dezember mit dem "Fashion Icon Award" auszeichnen.)

Nach ihrer Sicht auf die Branche gefragt, antwortete die 49-Jährige, es habe sich einiges zum Positiven gewendet. Am bedeutendsten sei aber die gewachsene Diversität. Die Modeindustrie habe in den vergangenen Jahren die menschliche Vielfalt sehr viel treffender abgebildet, so Campbell. "Es ist wirklich besser geworden. Ich kann nichts anderes behaupten." Das sei auch kein saisonales Phänomen oder eine Modeerscheinung. "Es ist endlich verstanden worden", glaubt Campbell, die seit Kurzem Gucci in derlei Dingen berät, seitdem das Modelabel Anfang des Jahres wegen eines Pullovers Blackfacing-Vorwürfe ausgelöst hatte.

Noch nicht am Ziel

Verbesserungsbedarf sieht das Model aktuell vor allem bei der Bezahlung. "Hier ist noch einiges zu tun", sagte Campbell mit Blick auf Lohnunterschiede, gegen die sie bereits in den Neunzigern auf die Barrikaden ging. "Ich musste dafür kämpfen, dass ich das gleiche Honorar bekam wie meine Kolleginnen, die den gleichen Job machten", erinnerte sich die 49-Jährige kürzlich in der "Vogue". Auch was die Wahrnehmung und Anerkennung afrikanischer Modeschöpfer angeht, sei man noch lange nicht am Ziel: "Wir sind auf dem Weg, wir sind noch nicht am Ziel, aber sie bekommen die Plattform, die sie verdienen."

Campbell wurde im Alter von 15 Jahren von einem Modelscout beim Einkaufen entdeckt und bald darauf von allen wichtigen Modeschöpfern verpflichtet. Teilweise erst, nachdem ihre Kolleginnen Linda Evangelista und Christy Turlington darauf bestanden hatten, Campbell ebenfalls zu buchen. Inzwischen ist die 49-Jährige auch als Unternehmerin erfolgreich. Mit ihrer Wohltätigkeitsorganisation Charity for Relief sammelt sie seit 2005 Geld für Hilfsprojekte. Im April gehörte sie zu den Mitorganisatoren der Arise Fashion Show im nigerianischen Lagos.

löw / Reuters

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