New York Fashion Week Schwarz-weiße Vielfalt

Teure Streetwear, Schlagzeilen-Kleider und Modenschauen in einer alten Drogenhöhle: Das Angebot der New Yorker Modewoche war bunt. Nur bei den Farben dominiert Schwarz-Weiß. Welcher Look ist Ihr Favorit? Stimmen Sie ab!

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Modedesigner brauchen viel Fantasie. Der Mailänder Streetwear-Macher Francesco Ragazzi hat offenbar jede Menge davon. "Ich betrachte meine Sachen nicht als Luxus", sagte der 39-Jährige nach seiner Palm-Angels-Modenschau. Er versuche zwar, seine Produkte teuer aussehen zu lassen, doch mit Luxus hätten sie nichts zu tun. Tatsächlich ist es andersrum: Ragazzis Entwürfe sehen nicht teuer aus, sind aber kostspieliger Überfluss. Oder wie würden Sie Plastik-Badelatschen bezeichnen, die 220 US-Dollar kosten - im Sale, 50 Prozent reduziert.

Palm Angels
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Palm Angels

Vermutlich dürften auch einige der soeben in New York gezeigten Ragazzi-Stücke in sechs Monaten schlussverkauft werden. Denn einfallsreich war das nicht, was inmitten italienischer Statuen - darunter ein Michelangelo-David - und Stroboskopblitzen präsentiert wurde: Turnschuhe, Hoodies mit Logo-Print und Trainingshosen. Am interessantesten waren da noch die Jacketts mit großen aufgesetzten Taschen und Reißverschlüssen - Mailänder Börsenjungs beim Angelausflug.

Jeremy Scott war nicht am Fluss, sondern am Zeitungsstand. Der Moschino-Designer zeigte während der Modewoche seine eigene Marke. Die Herbstkollektion ist komplett schwarz-weiß, was ungewöhnlich ist für den Mann mit einer Vorliebe für Comics und grelle Farben. Stattdessen wird gemustert mit Schlagzeilen aus New Yorker Boulevardzeitungen. Definitiv keine Fake News. Er habe sich echte Schlagzeilen aus den vergangenen Jahren rausgesucht, sagte Scott backstage.

Jeremy Scott
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Jeremy Scott

"Market drops 190 in worst bloodbath since Black Monday" zum Beispiel, wie es auf einem Gürtel steht, oder "Chaos" auf einem Top und "Panic" auf einem Mantel. Das funktioniert nicht in jedem Fall, wirkt aber auf transparenten Trenchcoats, zierlichen Chiffonkleidern und Springerstiefeln. Besonders, wenn dazu noch eine Kopfbedeckung im selben Farbcode - passenderweise Ballonmützen - und eine entsprechende Haarfärbung kommen.

Longchamp
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Longchamp

Schwarz-Weiß war auch eines der Hauptthemen bei Longchamp. Oder um es mit den Worten von Markenbotschafterin Kendall Jenner zu sagen: "Es ist wirklich eine Mischung aus Pariser Attitüde, Leichtigkeit, Natürlichkeit, sehr eleganter Frau mit jeder Menge Katzenhaftigkeit und Schwarz-Weiß mit viel Mustern, und New-York-Spirit, und auch sehr bunt." Soll heißen: kurze Lederkleider, schwarz-weiß gemusterte Jacken und Leopardenmuster. Außerdem von den Siebzigern inspirierte Stricktops, weite Kleider und geraffte Röcke zu Reitblusen, kurze Westen über zackigen Mustern. Und natürlich der Verkaufsschlager: Handtaschen.

Die neue Kollektion von Brandon Maxwell war da entschiedener, bis auf fünf Looks war alles schwarz-weiß, nur schwarz oder rein weiß. Kleidertechnisch reichte das Angebot diesmal von Blazern mit fallenden Ausschnitten und Schulterüberwurf über Hosenanzüge und weite Maxiröcke mit enger Taille bis zu einem vorne ausgeschnittenem Sport-BH unter einem Smoking mit Schalkragen. Was von Weitem aussah wie Leopardenmuster (der Raubkatzentrend ist noch nicht vorüber), waren in Wirklichkeit kleine "B" auf Ballonhosen, Blousons und Blusen.

Brandon Maxwell
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Brandon Maxwell

Brandon Maxwells Ready-to-wear-Label gibt es erst seit 2015. Doch obwohl er noch relativ neu ist im Geschäft, läuft es gut für ihn. Kein Wunder bei dieser schlichten Eleganz. Zu seinen berühmtesten Kundinnen gehören Lady Gaga, die Herzogin von Sussex, Meghan Markle und Michelle Obama. Kommentar des Designers: "Jedes Mal, wenn ich so eine Frau einkleiden und Teil ihres Tages sein darf, ist es ein gesegneter Tag für mich." Amen!

Cecilia Bonstrom, die schwedische Designerin des Labels Zadig & Voltaire, hatte nicht die Oberschicht im Sinn, sondern den Underground. Sie zeigte im ehemaligen "Tunnel". Ein ehemaliger Lagerhallen-Klub, in dem während der Achtziger und Neunziger die cool Kids und Hip-Hop-Stars abfeierten, bis der damalige Bürgermeister und heutige Trump-Verteidiger Rudy Giuliani den Laden 2001 dichtmachen ließ wegen zu vieler Betäubungsmittelverstöße. Das Setting war also düster.

Zadig & Voltaire
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Zadig & Voltaire

Dazu passen schwarzer Samt und Leder, zerrissene Jeans, Trainingshosen und Bomberjacken. Bauchfreie Tops, weiße Cowboystiefel, silberne Paillettenkleider, Teddyjacken und Leoprints (auch hier wieder) kleiden Discogänger ebenfalls gut und sind deshalb ebenfalls Teil der Kollektion. Genauso wie oversized geschnittene karierte Anzüge (über Netzhemden) oder Jeanshemden (im hippen Mehrlagen-Look über einem Rollkragenpullover).


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insgesamt 4 Beiträge
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ArnoNyhm1984 14.02.2019
1. Wie meinte Oscar Wilde mal so passend..
"Die Mode ist etwas so hässliches, dass man sie alle sechs Monate ändern muss." -Bei all den vorgestellten Kleidern fällt gerade im voting auf, dass sie entweder zeitlos sind. Oder eben derart, dass man zwangsläufig an Oscar Wilde denken muss..
Papazaca 14.02.2019
2. Wieder kaum was für uns Männer
Wir dürfen weiter in langweiligen Anzügen rumlaufen Oder werden von dem inzwischen schlanken Karl Otto Lagerfeld wegen unserer Jogginghosen in die Hölle verbannt. Jogginghosen tragen wir ja noch nicht mal freiwillig, sondern nur, weil sie so bequem ein paar Kilos zu viel verbergen. Und die hier vorgestellte Mode? Brandon Maxwell ist natürlich sehr elegant und tragbar. Aber Longchamp und Tom Ford sind sicher viel interessanter. Aber selbst Frauen sind nicht immer mutig.
dasfred 14.02.2019
3. Zu Nr.2 Papazaca
Wir Männer bekommen, was übrig bleibt. Die Zeiten, in denen der Mann sich rausputzen konnte, das jeder Pfau vor Neid erblassen würde, sind leider vorbei. Während das Biedermeier uns noch bunte Farben zugestanden hat, wurde es um 1900 nur noch schwarzweiß. Heute dürfen die jungen, dünnen und hippen Jungs noch in Form, Material und Farbe schwelgen, aber ab einem gewissen Alter und Status wird die Bandbreite der Möglichkeiten immer enger, wenn man sich nicht dem Gerede aussetzen will. Da bei mir mittlerweile der Lack ab ist, zählt zuerst die Passform, dann das Material und zuletzt die Außenwirkung. Für bestimmte Anlässe habe ich zwar noch so einige Outfits, die einen gewissen Stil repräsentieren, aber im Alltag hat das keine Bedeutung mehr. Heute bin ich naturschön.
Papazaca 14.02.2019
4. Ja, die alten weißen Männer? Naturschön ist auch schön!
@ dasfred Ja, schon der Begriff alte weiße Männer ist sowas wie eine nachträgliche Verurteilung für alles, inclusive der bösen Taten unserer Vorfahren, bis Adam + Eva. Und ansonsten? Sehen wir uns schöne Bilder an, erinnern uns an unsere Modesünden von vor 100 Jahren und planen die Flucht. Das gute an Afrika ist: Macht alles nichts, der Regenwald ist tolerant. Und die Affen und Krokodile hinter meinem Haus sind nicht so modebewußt. Ich weiß, warum da lebe. Nur am Wochenende in der Allen-Beach in Takoradi erwartet man von einem Obruni ein Minimum an Geschmack. Und es gibt tolle afrikanische Stoffe für Hemden. Dann fehlt nur noch 'ne Hose und Sandalen. Alles machbar. Und alle Zurückgebliebenen, die in Hamburg und der Lüneburger Heide glücklich werden wollen? ich meine modemäßig? Hmm, nicht leicht. Läuft fast alles immer auf Jeans, Sweatshirt, Hemd und vielleicht Lederjacke raus. Oder Dienstuniform. Ja, gibt es Hoffnung? Nur, wenn man grundlos gute Laune hat .....
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