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Porträtfotos von Lindbergh: Sieh! Mich! An!

Foto: Peter Lindbergh

Fotograf Peter Lindbergh Sieh. Mich. An.

Jede Pore ist zu sehen, jedes Fältchen um die Augen und auch kleine Härchen um die Lippen: Peter Lindbergh fotografiert schöne Frauen in kraftvoller, wahrhaftiger Pose. Stil-Klassiker

"Die Fotos liefern keine kühlen Objekte, sondern selbstbewusste, kampfbereite Menschen, die auch dem geringsten Blick Widerstand leisten. (...) Im Unterschied zu Kollegen, die sich auf die perfekte Rasur im Schritt kaprizieren und Brüste und Hintern wie in einer Monstranz zur Schau stellen, zeigt Lindbergh, dass zwischen Stirn, Augen und Mund unendliches, eine Unendlichkeit liegt."

So beschreibt der Kunsthistoriker Werner Spies die Arbeiten des weltbekannten Fotografen Peter Lindbergh, der 2014 seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Aus diesem Anlass ist ein neuer Bildband mit mehr als 150 Fotografien Lindberghs erschienen, "Images of Women II 2005-2014" lautet der Titel der Werkschau.

Kate Moss ist darin zu sehen, die US-Schauspielerin Uma Thurman ("Kill Bill") und andere Schönheiten. Lindbergh schrieb 1989 Fotografiegeschichte, als er Tatjana Patitz, Linda Evangelista, Christy Turlington, Naomi Campbell und Cindy Crawford zusammen aufnahm. Er gilt seitdem als Erfinder der Supermodels. Seine Bilder jedoch zeigen oft eine ganz andere Form von Schönheit als jene, die man gemeinhin in Modezeitschriften sieht.

Lindbergh zeigt jede Unebenheit, jede Falte und jede Sommersprosse. Kaum eines der Models lächelt, vielmehr fixieren sie ihr Gegenüber - also den Fotografen und hinterher den Betrachter - geradezu herausfordernd. In einem SPIEGEL-Interview von 2010 sagt Lindbergh: "Ich arbeite nicht mit Frauen, die happy sind, weil sie dazugehören, und am Ende sind alle happy, keiner weiß, warum, alle lächeln, und die Fotos sehen belanglos aus."

Filmemacher Wim Wenders ("Das Salz der Erde") beschreibt in seinen einleitenden Worten zu dem Bildband den Effekt, den er selbst bei der Betrachtung eines der früheren Kate-Moss-Bilder von Lindbergh erlebt hat. "Ich ging nahe an das Bild heran, sodass ich jede Pore und jedes Haar sehen konnte. Ich ging ein paar Schritte zurück, sodass ich das ganze Gesicht erfassen konnte. Und ungläubig trat ich wieder näher…" Ein starker Eindruck habe ihn regelrecht angesprungen: "Und dafür habe ich nur dieses Wort: 'Wahrhaftigkeit'".


Peter Lindbergh: "Images of Women II 2005-2014", 296 Seiten, 166 Abbildungen, Schirmer/Mosel

vks
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