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Stilvoll Radeln: Zweiräder für Großstädter

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Flitzer, Cruiser oder Retro? Mann um die 40 sucht ... ein Fahrrad

Fahrräder sollte man im Winter kaufen, dann lässt sich viel Geld sparen. Doch welches Modell eignet sich für den Stadtverkehr? Tipps für Radler, die stilvoll, entspannt und dennoch sportlich unterwegs sein wollen.

In meiner perfekten Welt spielt das Fahrrad eine große Rolle. Ich radle gemütlich in aufrechter Position durch die Gegend, genieße dabei das schöne Wetter und grüße entgegenkommende Radler mit Hutabnehmen und leichtem Kopfnicken. Diese entgegnen den Gruß selbstverständlich, irgendwann komme ich ohne Zeitdruck entspannt und ohne Schweißverlust an meinem Ziel an und denke: Mensch, ich freue mich schon auf den Rückweg.

Doch meine perfekte Welt ist eine Illusion, das verträumte Radeln ohne Zeitdruck dem Nachwuchs vorbehalten und Grüße zwischen Radfahrern gibt es auch nicht mehr. Als Mann um die 40 heißt es: Fixie oder Fitnessrad? Retro-Rennrad oder Gravel Racer (Querfeldein-Rennräder)? Cityrad oder Mountainbike? Aber vor allem bitte: kein entspanntes Fahren! Gemütlichkeit ist etwas für die Couch. Stattdessen lieber eine nach vorne gebeugte Haltung und einen Gesichtsausdruck an den Tag legen, als sei man Erik Zabel und würde gerade auf die Zielgerade einer Tour-de-France-Etappe abbiegen.

Ich muss zugeben, ich habe mich ein wenig anstecken lassen von dem modernen Fahrradkult. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mein letztes Rad vor fünf Jahren in Besitz hatte und aufgeben musste, weil das Lenkerrohr durchgerostet und abgebrochen war - zum Glück an der Ampel. Weil auch fast alles andere verrostet und unbrauchbar war, ließ ich es einfach an meiner alten Wohnung stehen. Seitdem liebäugle ich jeden Winter wieder mit einer Neuanschaffung, weil mein Kumpel und Fahrradfan Hans mir geraten hat: "Antizyklisch kaufen!" Doch die Qual der Wahl macht mich radlos.

"Schaltung funktioniert nicht, Bremsen sind alt, Sattel auch, ansonsten Top-Zustand!"

Meine Augen wandern also alle paar Tage auf die lokalen Anzeigenportale, wo ich nach Retro-Rennrädern suche. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das auch für 40-jährige Kerle noch die lässigsten Räder sind - und man auch ohne Vollbart nicht doof darauf aussieht. Man kann damit entspannt durch die Stadt cruisen und jederzeit einen kleinen Zwischenspurt hinlegen, um sich nochmal so jung zu fühlen, wie man vor 20 Jahren war.

Das Dumme ist nur: Die Nachfrage scheint groß zu sein, und auch für abgehalfterte Koga-Miyata- oder Peugeot-Tourmalet-Modelle werden astronomische Preise aufgerufen - meistens mit dem Hinweis: "Die Schaltung funktioniert nur noch auf dem äußeren Zahnkranz, die Bremsen müssten neu gemacht werden, der Sattel auch, aber ansonsten Top-Zustand!" Also vielleicht doch weiterschauen?

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Stilvoll Radeln: Zweiräder für Großstädter

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Dann sind da natürlich noch die Fixies oder Singlespeed-Räder. Ein Gang, puristisches und oft tolles Design, ohne technischen Schnickschnack, manchmal sogar ohne Vorderbremse. Wer halbwegs cool durch die Stadt radeln will, kommt daran kaum vorbei. "Hier geht der Trend schon zum Custom-Bike", sagt Hans, also kein Kauf mehr von der Stange, sondern sich die einzelnen Komponenten zu seinem Wunschfahrrad zusammenstellen. Rahmen, Lenker, Antrieb, Räder, Sattel - alles frei wählbar. Einziger Nachteil ist das Image des Fixie-Fahrers als "Rüpel der Innenstadt". Aber man muss auch auf den Dingern nicht ständig durch die Gegend heizen.

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Wer weder cool noch retro sein will, für den bietet sich auch ein klassisches Cityrad oder Trekkingbike an, da sind die Übergänge fließend. Die Modelle zwingen schon zum gemütlichen Fahren, was zwischen all den Autos, anderen Radlern und Fußgängern ein großer Vorteil ist. Schutzbleche und eine verkehrssichere Ausstattung in Sachen Beleuchtung und Bremsen sind ebenfalls Standard.

Auch das Design muss sich nicht verstecken, wenn man sich Räder wie das "Horizon N8" von Bergamont oder das "Elegance Lite" von Stevens anschaut. Fast noch vergessen, weil uncool, aber superpraktisch, gerade für Großstädter: der Gepäckträger. Gehört natürlich auch dazu. Ein Rad, das ich sicherlich mal in Erwägung ziehe, wenn ich die 50 überschritten habe…

Vielleicht soll ich doch noch mal dem Sportler in mir eine Chance geben? Das kleine, fast unmerkliche, aber hartnäckige Röllchen am Bauch schreit förmlich danach. Ein tolles neues Rennrad? Für Ausfahrten jenseits der Stadt sicherlich am besten geeignet, aber wer einmal quer von Südwest nach Nordost in der "fahrradfreundlichen" (!) Stadt Hamburg geradelt ist, der weiß: Das möchte man einem solchen edlen Renner nicht antun.

Das E-Bike boomt

Dann stattdessen auf einen "Gravel Racer" setzen, ein Rennrad fürs Gelände mit breiteren Reifen? Da fehlt dann irgendwie die Eleganz und Leichtigkeit. Bleibt noch die Möglichkeit der gemäßigteren Variante, dem Fitnessbike. Deutlich stadttauglicher, ebenfalls sehr schick und es gibt auch Exemplare aus italienischer Produktion wie das "Bianchi C-Sport 3". Das muss dann allerdings auch mal auf längeren Touren bewegt werden.

Apropos Bewegen: Selbst Fahrradfahrer machen das nicht mehr so gerne, wenn man den Verkaufszahlen von E-Bikes glaubt. 2015 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband ZIV 535.000 E-Bikes in Deutschland verkauft, so viele wie nie zuvor. Jedes dritte E-Bike in Europa geht in Deutschland über den Ladentisch. Kein Wunder, dass uns im Radsport alle anderen Nationen vor der Nase wegfahren. Wer kann sich nur einen Hilfsmotor gönnen, wenn er noch ein bisschen Ehre in sich hat? Eben. Schlimmer sind in Sachen Stil nur noch - und das muss ich hier mal loswerden - Liegerad- und Klappradfahrer. E-Bike-Klappradfahrer würde ich nie grüßen.

Bevor ich so etwas fahre, gehe ich lieber weiter zu Fuß.

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