Nervennahrung Am Wochenende gibt es Bulgogi
Trick or Treat? Da ist kein Gespensterheulen dieses Jahr, nur Grabesstille in den Straßen. Und um die Seele legt sich kalter Hauch. Etwas Unsichtbares, etwas Gespenstisches treibt sich draußen herum, überall ist es zugange, in jeder Stadt, in jedem Land.
Eigentlich bräuchte es in diesem Jahr kein Halloween, einzelne Städte in Deutschland, darunter meine Heimatstadt Augsburg, befinden sich bereits im Teil-Shutdown, die Lage ist angespannt, die Nerven sind dünn. Deswegen gibt es an diesem Wochenende kein Halloween-Rezept wie Suppe aus dem Fleisch des ausgehöhlten Kürbis, der draußen vor der Tür böse grinst. Dabei täte ein Lächeln in diesen Zeiten viel eher Not.
An diesem Wochenende gibt es Essen für die Seele: Es gibt Bulgogi, das herrliche koreanische Comfort-Food, köstlich mariniertes feingeschnittenes Rindfleisch, in ein Salatblatt eingerollt, das mit Reis und scharfem Kimchi schon beim ersten Bissen Geborgenheit und Seelenfrieden schenkt.
"Ein gutes Bulgogi", sagt der preisgekrönte koreanischstämmige US-Koch Peter Serpico, "ist die Art, mit der man in Korea Fürsorge zeigt. Und Liebe."
Ich habe Bulgogi kennengelernt, als ich vor Jahren für eine Stelle nach Shanghai gegangen bin und in den ersten Wochen schrecklich allein war. Ich weiß noch, es war Anfang November, es war kalt, weil es in den Häusern und Wohnungen keine Heizung gab. Es war klamm, als ich abends am Bund, der Shanghaier Uferpromenade, entlangspazierte. Aus dem dunklen Huangpu-Fluss stiegen Nebelschwaden auf, ich dachte an die Hungry Ghosts aus den ostasiatischen Mythen, Hungergeister, verstorbene Verwandte, Gespenster mit viel Appetit, die aus dem Jenseits auftauchen und nach einer Mahlzeit hungern.
Und genau da begegnete ich einer Kollegin aus Korea, sie war auf dem Weg zu Freunden, um Bulgogi zu essen. Ob ich mitkommen wolle? Natürlich wollte ich, auch wenn mir Bulgogi gar nichts sagte. Und dann kamen wir nach einer kurzen Busfahrt bei diesem Koreanischen Restaurant an.
Es war herrlich warm, heimelig schummerig, es roch nach Grillfleisch, Ingwer, Grünem Tee. Stimmen murmelten, Fleisch zischte und brutzelte. An jedem Tisch waren kleine Grillplatten eingelassen, auf denen die hauchdünnen, marinierten Rindschfleischstreifen über glimmenden Kohlen brieten. Das Fleisch war mit Birne mariniert, deren Enzym die Rinderstreifen zart macht. Die Sauce war so mild und gleichzeitig so sesambittersüß, ingwerwürzig und frühlingszwiebelscharf. Es gab frische Salatblätter, in die jeder Esser sein Fleisch mit den Finger wie zu einem kleinen Geschenkpäckchen einwickelte, um dann abzubeißen. Dazu Reis und buttrige Omelettes und Kimchi, den fermentierten Kohl. Ich fühlte mich wie von einem Kokon aus Herzlichkeit und Wärme umgeben.
In den kann ich mich auch heute noch immer wieder ein wenig einspinnen, wenn ich daheim Bulgogi zubereite, ohne Grill und Kohle, ganz einfach in der Pfanne, bei aufgedrehter Heizung, gedimmtem Licht und heißem, starken Tee genossen. Wärmendes Essen für lange dunkle Novemberabende, das nicht nur Hungergeister, sondern auch die Seele nährt.
Einfach kochen - aber trotzdem raffiniert: Jedes Wochenende haben wir hier für Sie ein besonderes Rezept unserer Köchin. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.
Rezept für Bulgogi
(Für 4 Personen)
400 g Rindersteak
6 EL Sojasauce
4 EL (brauner, wenn Sie haben) Zucker
1 Birne
3 Knoblauchzehen
1 daumengroßes Stück Ingwer
4 EL Sesamöl
2 EL Sesamsamen
½ Bund Frühlingszwiebeln
1 EL schwarze Pfefferkörner
Salz
3 EL Sonnenblumenöl
1 Kopf Römersalat
Fleisch als Ganzes im Gefrierfach für drei oder vier Stunden hart werden lassen, dann lässt es sich besser dünn schneiden.
Die Birne schälen und entkernen, Knoblauch und Ingwer schälen, in grobe Stücke hacken. Alles zusammen mit der Sojasoße und dem Sesamöl mit dem Stabmixer fein pürieren.
Sesamsamen in einer Pfanne leicht anrösten, mit dem Zucker zur Marinade geben, verrühren.
Pfefferkörner grob mit dem Messer zerdrücken, Frühlingszwiebel in feine Ringe schneiden, beides zur Marinade geben, Marinade probieren, eventuell nachsalzen.
Ca. 4-5 EL von der Marinade abnehmen, als Soße für später beiseitestellen.
Fleisch aus dem Gefrierfach nehmen, in sehr feine Streifen schneiden, in die Marinade geben, mindestens zwei, besser vier Stunden darin marinieren lassen.
In einer Pfanne - wer hat, in einer Grillpfanne - das Fleisch mit dem Sonnenblumenöl nicht zu stark anbraten.
Zum Essen die Fleischstreifen in das Salatblatt zu einem Paket einrollen, in die Soße dippen. Dazu passen weißer Reis, Kimchi (aus dem Asialaden), Chiliringe, frische Radieschen und eventuell Omelettes, in die man Frühlingszwiebeln einbackt.
Lassen Sie es sich schmecken!