Verena Lugerts Erbsen-Minz-Suppe
Verena Lugerts Erbsen-Minz-Suppe
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Helga Lugert

Nervennahrung Heute gibt es Erbsen-Minz-Suppe

Der klassische Erbsensuppentag ist Donnerstag. Warum das so ist, erklärt Ihnen unsere Köchin Verena Lugert. Ihre Suppe schmeckt aber zum Glück auch an jedem anderen Tag der Woche. Give Peas a Chance!
Von Verena Lugert

Von wegen weich und saftig-süß: Erbsen waren früher hart wie Kieselsteine. Und als solche, so weiß es der nordische Mythenschatz, vom Donnergott Thor  als passend empfunden, die Menschheit abzustrafen, die ihm dreist ihre Hochachtung versagte. Thor pfiff ein Regiment von Flugdrachen herbei und ließ sie ihre Mäuler mit Erbsen füllen. Die Drachen spien dann den Menschen ihre Brunnen mit den Erbsen voll, um sie zu verstopfen. Weil bei dieser Strafaktion auch Erbsen auf die Äcker fielen und zu Erbsenpflänzchen wuchsen, lag in der Strafe auch ein großes Heil: Nachdem die Menschen ihre Brunnen wieder freigeräumt hatten, waren sie froh über die Hülsenfrucht, die ihnen bald nährstoffreich den Magen füllte.

Um ihre Dankbarkeit auszudrücken, so heißt es, aßen die Nordmänner von nun an Thor zu Ehren Erbsensuppe, an jedem Donnerstag (auch im Deutschen nach dem Donnergott benannt, im Schwedischen heißt er entsprechend "Torsdag", Tag des Thor). In einigen Gegenden von Deutschland isst man am Donnerstag noch immer Erbsensuppe, im Schwäbischen zum Beispiel. Aber auch in Schweden oder Finnland.

Auch in England aß man immer schon viel Erbsensuppe. Im Mittelalter ließ man sie lange köcheln, Erbsen aß man damals nicht frisch, sondern lagerte sie getrocknet. Sie waren nach wie vor hart und unzugänglich und noch viele, viele Kreuzungs- und Züchtungsgenerationen entfernt von dem fruchtig-süßen, quietschgrünen Gute-Laune-Gemüse, das wir heute kennen. Ins Suppenwasser gab man damals Schinkenspeck – und eine große Handvoll frische, grüne Minze, deren ätherische Öle und kampferige Schärfe den dumpfen Erbsgeschmack vertrieben. Grüne Minze gilt als typisch britisch, ist aber ein Kraut, das damals in jedem europäischen Klostergarten wuchs.

Apropos Klostergarten: In einem solchen führte viele Jahre später der Mönch und Priester Gregor Mendel  seine berühmten Versuche an der Erbsenpflanze durch, die den Weg für das systematische Kreuzen und Züchten freimachen sollten. Die Erbsen wurden so im Lauf der Jahre immer saftiger und süßer, sodass man eigentlich bald keine Minze zu den Erbsen brauchte, sie verschwand dann auch als Erbsen-Zutat in Europa.

In ganz Europa? Nein. Weil die Engländer Traditionalisten sind, lebt die Erbs-Minz-Kombination auf der Insel ungebrochen fort. Und das ist wunderbar! Warum, erlebt man, wenn man den ersten Löffel dieser raffinierten und trotzdem supereinfachen Erbsen-Minz-Suppe isst: Der heiße, samtig-süße Suppenschaum in Kermitgrün, in den sich die mit Schinkenwürfeln aromatisierte Sahne rauchig mischt… Der Biss auf ein paar Erbsen, die so saftig platzen. Und dann – durch das Menthol so kühl und frisch wie Gletschereis – das dunkelgrüne Minz-Olivenöl! Es macht diese Kindersuppe herrlich erwachsen.

Essen Sie Erbsensuppe! Give Peas a Chance! Erweisen Sie Thor, dem Donnergott, die Ehre. Bevor der Ehrerweisungs-Erbsenzähler sich zu einer weiteren Strafe anschickt und seine Zwerge sendet, die nachts die Erbsenfelder leeren, wie es die nordische Sage weiß…

Nervennahrung

Eigentlich präsentieren wir immer zum Wochenende ein Rezept unserer Köchin. Aber besondere Zeiten, besondere Maßnahmen: Während des Shutdowns versorgt uns Verena Lugert zu Wochenbeginn und -ende mit Ideen. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Erbsen-Minz-Suppe

Für 4 Personen

  • 1 Schalotte oder kleine Zwiebel

  • 1 Knoblauchzehe

  • 1 EL Butter

  • 1–2 Kartoffeln, je nach Größe

  • 600 ml Gemüsebrühe

  • 500 g Erbsen (TK)

  • 150 ml Schlagsahne

  • 150 g Schinkenwürfel

  • 1 Biozitrone

  • 4 Stiele Minze

  • 4 EL Olivenöl

  • 1 Spritzer Tabasco

  • weißer Pfeffer, gemahlen

  • Salz

  1. Sahne und 100 g der Schinkenwürfel in einen kleinen Topf geben, abdecken, bei sehr sanfter Hitze ganz langsam erwärmen, auf keinen Fall sieden oder sogar kochen lassen, alles auf kleinster Stufe warmhalten. Die restlichen 50 g Schinkenwürfel kross braten, auf Küchenkrepp entfetten, beiseitestellen.

  2. Schalotte und Knoblauch schälen, beide würfeln, in einem großen Topf in der Butter sanft andünsten

  3. Kartoffel schälen, in Würfel schneiden, zu Schalotten- und Knoblauchwürfeln  geben, anschwitzen lassen. Dann Brühe angießen, zum Kochen bringen, 10 Minuten köcheln, bis die Kartoffeln weich sind.

  4. Inzwischen von der (etwa halben) Zitrone die Schale fein abreiben, eine Hälfte der Zitrone auspressen. Minze waschen, trockenschütteln und die Blätter abzupfen, ein paar Blätter für die Deko zur Seite legen. Übrige Minzblätter gemeinsam mit dem Olivenöl und dem Zitronenabrieb mit dem Stabmixer fein pürieren. Minzöl mit Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft und einem Schuss Tabasco abschmecken.

  5. Gefrorene Erbsen zu den Kartoffeln geben, aufkochen, 3–5 Minuten köcheln lassen. 3–4 EL der gekochten Erbsen für die Deko aus der Suppe nehmen, dann Erbsensuppe im Standmixer oder mit dem Pürierstab sehr fein pürieren. Wer die Suppe besonders samtig will, passiert sie danach durch ein Sieb. Erbsensuppe mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken.

  6. Zum Anrichten die Suppe in Schalen füllen, mit der Schinkensahne toppen. Minzöl auf der Suppe in Sprenkeln verteilen. Mit den angebratenen Schinkenwürfeln, ein paar Erbsen und Minzblättern dekorieren. Lassen Sie es sich schmecken!