BBQ-Grillrezepte Spieß doch auch mal rum, ey!

Es ist so weit: Die Grillsaison hat begonnen! Um sich gut vorbereitet an den Rost zu stellen, lohnt sich ein Blick in die aktuelle BBQ-Fachliteratur. Passend dazu gibt es heute Hühnchenspieße mit scharfer Erdnusssoße.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Momentan der letzte Schrei unter Grillfans: das Ei. Überall, wo der Gastgeber nicht nur Spaß haben, sondern auch seinen Status bezeugen will, sieht man mehr und mehr halbrunde Keramik-Systeme, nach ihrer asiatischen Herkunft "Kamado" genannt - oder eben "Ei".

Richtig neu ist diese Idee nicht. Schon in der Bronzezeit benutzte man in Indien runde Tongefäße als Gehäuse für Holzfeuer. Dieser Vorläufer des Familiengrills Tandur, von den britischen Kolonialherren als "Tandoori" bezeichnet, spielt auch in chinesischen wie japanischen Küchen eine große Rolle.

Schon seit über tausend Jahren gibt es den Oki-Kamado ("Kamado" bedeutet "Ofen") mit Reisaufsatz. Heutzutage haben Kamados einen Deckel mit Scharnier, regulierbare Luftklappen und eine hitzebeständige Außenwand aus gebrannter Keramik. Nur die Innenwände sind noch immer aus Ton.

Kamados funktionieren wie eine Mischung aus Holzkohlegrill und Römertopf. Sie erlauben sowohl Grillen bei brutaler Hitze als auch echte "Long Jobs" über viele Stunden, für die man sonst ein Smoker-System bräuchte - ideal zum Smoken ganzer Fische, Hähnchen oder großer Fleischstücke wie Brisket oder Pulled Pork.

Der heißeste Rost-Traum der Saison

Diese kulinarischen Möglichkeiten sind die einzigen, die in dem Spezialbuch für diese BBQ-Geräteklasse fehlen: Jeroen Hazebroek und Leonard Elenbaas konzentrieren sich in "Der Keramikgrill: Technik und Rezepte"* auf das direkte Grillen.

Dafür wird man aber gründlich mit der tückischen Konstruktion der Keramik-Eier vertraut gemacht. Wer dieses Buch durch hat, wird an seinem teuren Kamado so schnell keinen Fehler machen. Und wer das Buch im Liegestuhl vor seinem Gasgrill liest, wird rasch das Sparschwein checken - denn Kamados sind in Sachen Flexibilität bei vergleichbar geringem Platzbedarf der wohl heißeste Rost-Traum der Saison.

Für Veganer sind dagegen die meisten Grilleinladungen mit ihren zünftigen Schweinenackenbergen ein Albtraum. Dank "Vegan BBQ - Das vegane Grillbuch"* von Anna Walz können sich Veganer jetzt zumindest halbwegs vernünftiges Grillgut mitbringen - mehr als nur Grillgemüse, Tofuspieße oder BBQ-Kartoffeln: Neben leckeren Beilagen kommt bei Walz auch Überraschendes wie Pizza oder Romana-Salat auf den Rost. Und die veganen Burger-Patties fallen, obwohl sie auf Ei verzichten, nicht über der Glut auseinander.

Wer will schon im Regen nachfeuern?

Haute Cuisine ist das alles natürlich nicht. Für ausgefeilte Kulinarik am Rost sind andere zuständig: Johann Lafer zum Beispiel. Der ist zwar überall dabei, wo es ausreichend Werbegeld gibt, das Grillen ist ihm aber eine Herzensangelegenheit. So kann sein Buch "Meine besten Grillrezepte"* mit mehr als 80 größtenteils leckeren Rezepten auch Menschen mit einem höheren Genussanspruch zufriedenstellen - bis hin zu Desserts wie Ziegenkäse-Pfirsichen und Kaiserschmarrn oder großen Stücken mit langen Garzeiten vom Grill.

Doch solange der noch nicht angekommene Sommer eine hohe Grillfest-Verregnungswahrscheinlichkeit aufweist, ist es angebrachter, nicht zu aufwendige Long Jobs zu planen. Wer will schon mit Schirm den Smoker im Regen nachfeuern? Deshalb verschieben wir das für diese Woche geplante 14-Stunden-Rezept für "Pulled Lamb" auf eine spätere, hoffentlich wettersichere Zeit - und grillen was Kleines.

Unsere Hühnchen-Grillspieße haben den Vorteil, dass man sie problemlos in einer Grillpfanne auf dem Herd braten kann. Zusammen mit der selbst gemachten, nach Belieben scharfen Erdnusssoße lassen sie sich aber auch gut zum nächsten Picknick mitnehmen und auf einem Einweg-Grill rösten.


*Buchhinweise:

Jeroen Hazebroek und Leonard Elenbaas: "Der Keramikgrill: Technik und Rezepte"; Heel; 160 Seiten; 29,95 Euro; ISBN: 978-3958430495

Anna Walz: "Vegan BBQ - Das vegane Grillbuch"; Fackelträger; 144 Seiten; 19,99 Euro; ISBN: 978-3771645953

Johann Lafer: "Meine besten Grillrezepte"; Gräfe und Unzer; 204 Seiten; 24,99 Euro; ISBN: 978-3833844447



insgesamt 11 Beiträge
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carluke2001 27.06.2015
1. Lässt man...
... das ganze Lifestyle-Brimborium des Artikels weg, bekommt der Leser schlicht eine Bratanleitung für Saté geboten. Wie innovativ! Schmeckt in Thailand oder Indonesien auch mit ordinärem Bintang oder Singha Bier, ohne die dreifach gehopften Erzeugnisse von "Kreativ"-Braumanufakturen;)
lestat3006 27.06.2015
2. Oje,
die Grillsaison beginnt jetzt erst? Da war ich wohl etwas voreilig. Habe schon Anfang Mai das erste Mal gegrillt. Oder beginnt gerade die Zeit der Grillbücher, wenn man den Artikel/Werbung richtig deutet?!?
Rapporteur 27.06.2015
3. Ich weiss nicht
Kann ja sein, dass es schmeckt, aber die Fotos Ihrer Zubereitungen sehen immer so unappetitlich aus.
ohne_mich 27.06.2015
4.
Guter Mann, die Grillsaison beginnt am 1. Januar, wo wir traditionell die Reste des Silvesterschmauses vergrillen. Und wenn es nach dem Wetter ginge, wären Longjobs hierzulande nie möglich. Selbstverständlich kann man seinen Smoker oder die Kugel auch unter einem Schirm oder Pavillon befeuern, wenn man keine überdachte Terrasse oder Carport o.ä. besitzt.
Layer_8 27.06.2015
5. Satay...
...Ayam. @1 In der originalen Thaiküche gabs die früher nicht. Durch Tourismusglobalisierung hats die aber heutzutage überall hin verschlagen.
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