Essen für unterwegs Lass dich nicht ins Lunchbox-Horn jagen!

"To go" liegt im Trend: Wer unterwegs noch schnell was essen will, kann auch in die Aktentasche greifen - und dort eine lecker gefüllte Lunchbox vorfinden. Sogar dafür gibt es jetzt Kochbücher ohne Ende.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Essen auf Rädern, Essen auf Beinen, alles to go, bitte! Die Welt, sie rast, und wir müssen mit. Zum Glück gibt es für dieses Problem schon seit Jahrhunderten eine elegante Lösung zwischen gehetztem Gebäck und den Fettpressen in deutschen Kantinen: das Essen aus der Aktentasche.

Weil das so zu altbacken klingt, versuchen die Kochbuchverlage ihre aktuellen Veröffentlichungen zu diesem Thema mit einem griffigen Anglizismus anzupreisen: "Lunchbox". Darunter fällt alles, was man zu Hause vorbereiten kann, ohne sich oder den Kollegen zu beflecken, und was sich ohne Probleme zum Arbeitsplatz transportieren lässt.

Eines der schönsten Bücher zu diesem Trend, der ein knappes Dutzend Neuerscheinungen umfasst, ist "Love Your Lunchbox"*. Das erscheint auch in der deutschen Übersetzung mit dem Originaltitel, denn der Autor James Ramsden, Radiomoderator und Foodjournalist, betreibt mit dem "The Secret Larder" einen der angesagtesten Supper Clubs in London. Ramsden weiß also, was man kochen muss, wenn jederzeit die Steuerfahndung mit einem Durchsuchungsbefehl vor dem geheimen Piratenrestaurant aufkreuzen kann.

Aus der Box auf die Hand

Ramsden hat sich für sein Buch "101 Rezepte für die Mittagspause" überlegt: Burrito aus der Alufolie, Asia-Nudelsuppe aus der Pappschüssel, Pickles und Eintöpfe aus dem Weckglas, dazu allerlei Wraps, Sandwiches und Sommerrollen aus der Box auf die Hand.

"Auf die Hand"* ist auch der Titel eines Begleitwerks zur neuen Brotkultur. Der Autor und Foodblogger Stevan Paul leuchtet in seinem mit knapp 35 Euro recht teuren Kochbuch auch den dunkelsten Teil dessen aus, was ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen überall auf der Welt dem Mund zugeführt werden kann: Vom US-Sandwich BLT (mit Bacon, Salat und Tomate) über Mettbrötchen, Hotdogs, die polnische Croques-Variante Zapiekanki oder türkischen Köfte-Ekmek hin zu Exotischem wie Elvis' Leibspeise "Grilled Peanut Butter and Banana Sandwich". Die Rezepte werden immer wieder unterbrochen von liebevollen Geschichten über diese Spezialitäten und ihre Macher. Wieso er die Auf-die-Hand-Kultur so liebt, schilderte Paul schon im KULTUR SPIEGEL.

Statt Strafmöhren

Wem das alles zu fleischlastig ist, der muss in der Büropause keine Strafmöhren mümmeln. Hier hilft "Lunchbox-Revolution - Veggie to go"* weiter. Die in einem Hamburger Vegetarier-Restaurant kochende Italienerin Micaela Stermieri zeigt in ihren Rezepten zwar zwischen Nudelsalaten, Käse-Wraps, Avocado-Tramezzini, Spinat-Calzone, Blumenkohlburgern oder veganer Tomatensuppe wenig, auf das man als Fleischverweigerer nicht von selbst schon gekommen wäre. Doch immerhin kann man alle Gerichte transportieren und im Büro zu sich nehmen - wenngleich wir gern wüssten, wie man dort Pizza backen und frische Penne kochen soll.

Müssen wir vielleicht auch gar nicht wissen, denn heute belassen wir es mal bei einem leckeren Fischbrot auf der "Tageskarte". Genauer gesagt bei einer mit Meerrettich und grünem Pfeffer angeschärften Forellencreme als Aufstrich für unser Pausenbrot. Die ist in zehn Minuten fertig. Wer nebenher whatsappt, braucht auch nicht länger als eine Viertelstunde dafür.


*Buchhinweise:
James Ramsden: Love Your Lunchbox. Aus dem Englischen von Viola Löbig. Christian Verlag, München; 206 Seiten; 19,99 Euro.
Stevan Paul: Auf die Hand. Brandstätter, Wien; 272 Seiten; 34,90 Euro.
Micaela Stermieri: Lunchbox-Revolution - Veggie to go. Edition Fackelträger, Köln; 144 Seiten; 19,95 Euro.



insgesamt 5 Beiträge
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drq1 28.03.2015
1. Das Rad zweimal erfinden
Sich ein paar Bemmen zu schmieren und in der Brotbüchse mit auf'n Bau oder in die Schule zu nehmen ist doch das Normalste der Welt und deshalb kein Trend, zumindest bei uns.
mirage122 28.03.2015
2. To-Go aus Pappbechern!
Vielleicht bin ich zu alt, um diesem "Essens-Kult" zu frönen. Was weiß ich denn, wer meinen Salat geschnippelt hat, das Brötchen belegt, die Asia-Nudeln und ähnliches zubereitet hat? Am allerschlimmsten finde ich aber diese Papp-Kaffeebecher: In einer Hand jenes Teil, in der anderen das Smart- und I Phone - und manchmal noch ein Knopf im Ohr für die entsprechende Mucke. Und ich alte Kuh sitze gemütlich bei frisch gebrühtem Kaffee, Obst und einer selbst geschmierten Schnitte, manchmal auch ein Ei oder Müsli am hauseigenen Tisch und bin sowas von altmodisch.
7eggert 28.03.2015
3.
Es gibt einen Unterschied zwischen Mittagessen mitzunehmen und ständig Futter in der Hand haben zu müssen. Filmtip: The Men Who Made Us Fat / Die Fettmacher (Ich bin mir nicht sicher, was in der deutschen Version fehlt)
agua 28.03.2015
4.
Wie der Forist im ersten Beitrag bemerkt,ist das Mitnehmen von Essen für mich keine neue Mode,sondern normal.Schon als Kind gab es die sogenannten Pausenbrote. Dass dies ein Modetrend wird könnte an zwei Dingen liegen: Zum Einen steht den Leuten nicht mehr so viel Geld zur Verfügung Zum Anderen ist es in das Bewusstsein gedrungen,dass Fast Food und Schokoriegel nicht das gesündeste Essen ist. Die Rezeptidee gefällt mir als Vorspeise.
Kris12 28.03.2015
5. Geht auch anders
Ja, und zubereiten muss man eine solche Lunchbox auch. Das kostet Zeit. Und besonders frisch schmeckt die mittags auch nicht mehr. Seit einem halben Jahr greife ich zu trinkbaren Mahlzeiten, wie das bayerische Potful Power, falls ich keine Zeit habe, essen zu gehen. Das ist kein Nahrungs-Ergänzungsmittel, sondern eine vollwertige Mahlzeit. Sie besteht aus lauter natürlichen Zutaten, also keine Farb-, Konservierungs- oder Zuckerersatzstoffe, danach fühle ich mich richtig fit. Eine feste Mahlzeit ersetzt es natürlich nicht, es ist halt eine gesunde Ergänzung für unterwegs.
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