Verena Lugerts Zimtschnecken
Verena Lugerts Zimtschnecken
Foto: Helga Lugert / I LOVE FOOD

Nervennahrung Heute gibt es schwedische Zimtschnecken

Süßlich, holzig, würzig, herb – Zimtschnecken backen ist ein Fest für die Sinne. Deswegen kann unsere Köchin Verena Lugert nicht genug davon bekommen. Erst recht nicht zum schwedischen »Kanelbullens dag«.

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Schweden lieben ihre Zimtschnecken, ihre Kanelbullar, heiß und innig – so sehr, dass sie ihrem Lieblingsgebäck einen eigenen Tag im Jahr widmen: Am 4. Oktober feiert man im hohen Norden den »Kanelbullens dag«, den Zimtschneckentag. Ein Datum, an dem die zehn Millionen Schweden noch mehr Zimtschnecken vertilgen, als sie das ohnehin schon tun. Sieben Millionen Zimtschnecken werden angeblich im Schnitt jeden 4. Oktober verkauft – und da sind die vielen, vielen hausgemachten Kanelbullar noch gar nicht eingerechnet. In Schweden macht man sie gern selbst, weil schon allein der Duft nach Zimt und Kardamom, der beim Backen die Küche und die ganze Wohnung flutet, ein solches Fest der Sinne ist: süßlich, holzig, würzig, herb.

»Kanel« heißt Zimt auf Schwedisch, das Wort leitet sich vom lateinischen canna für Rohr ab, eigentlich von seiner Verkleinerungsform cannella, Röhrlein. Auch die Spanier und Portugiesen (canela), die Franzosen (canelle) und die Italiener (canella) leiten den Namen des Zimts vom Lateinischen cannella ab.

Zimt ist eines der ältesten Gewürze und wurde schon ab 2000 vor Christus in Indien und China verwendet. Die Ägypter verwendeten Zimt bei ihren Zeremonien, im alten Rom blühte ein reger Zimthandel, Zimt stand für Reichtum, denn das Gewürz war damals exorbitant teuer. Auch später noch: Anton Fugger, der Kaufmann aus Augsburg, damals reichster Mann der Welt, so reich, dass Könige und Kaiser bei ihm Geld leihen mussten, soll einst ein Feuerchen aus den damals schier unerschwinglichen Zimtstangen gemacht haben, um einen ganz besonderen Schuldschein zu verbrennen: Karl V., der bei Fugger hoffnungslos in der Kreide stand, wurde so aufs Eleganteste von seinen Verpflichtungen entbunden. »Wie lustig brennt das Feuerlein!«, soll Karl V. erleichtert gesagt haben.

Heute kann sich jedermann Zimt leisten – wie auch die Kanelbullar ein extrem preisgünstiges und demokratisches Gebäck sind. Butter, Zucker, Zimt sind Zutaten, die erst in den 1920er-Jahren für alle Schweden erschwinglich wurden. Die Zimtschnecken wurden für winzige Beträge überall verkauft, auch Kinder konnten sie sich leisten: Im Jahr 1952 kostete eine Zimtschnecke zehn Öre, was umgerechnet einem Eurocent entspricht. Der geringe Preis trug zur großen Beliebtheit der Kanelbullar in Schweden bei. So günstig wie damals sind die Zimtschnecken in Schweden heute nicht mehr. Aber immer noch sehr moderat im Preis. Vor allem, wenn man sie selbst backt.

Am morgigen Tag wird es also in ganz Schweden nach kanel riechen – und nach kardemumma, Kardamom. Der wird in den Teig eingearbeitet und sorgt für gute Laune, Kardamom wirkt nachweislich stimmungsaufhellend. Besonders, wenn er als eine der fröhlichen Kanelbullar-Schöpfungen daherkommt, die an diesem Tag die Zimtschnecke neu interpretieren, etwa als Kanelbullar-Pizza oder als Zimtschnecken-Shake.

Wahre Fans bleiben jedoch beim puren Kanelbullar-Genuss, am liebsten in XXL: das Göteborger Café Husaren serviert Zimtschnecken, die den Durchmesser eines Tellers haben – und jeweils ein halbes Kilo wiegen. Pfundweise Glück!

Nervennahrung

Unsere Köchin begleitet Sie durch die Pandemie: Jeden Montag präsentieren wir hier eines von Verena Lugerts Rezepten – nicht aufwendig, aber raffiniert. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Zimtschnecken

Für 20 Stück:

Teig:

  • ½ Würfel frische Hefe (21g)

  • 80 g Zucker

  • 150 ml Milch

  • 1 Ei

  • 80 g Butter

  • Prise Salz

  • 2 TL Kardamom, gemahlen

  • 500 g Weizenmehl + etwas mehr zum Kneten

Füllung:

  • 100 g warme und sehr weiche Butter

  • 100 g Zucker

  • 2 EL Zimt

Zum Bepinseln:

  • entweder 1 Eigelb, mit etwas Milch verrührt

  • ODER 60 g Butter, geschmolzen

  • 3 EL Hagelzucker

  1. Die Butter schmelzen, Milch dazu geben. Alles soll handwarm sein, nicht wärmer als 37 Grad. Hefe zerbröseln und einrühren, bis alles aufgelöst ist.

  2. Salz, Zucker, Weizenmehl und Kardamom in einer großen Schüssel mischen. Milch-Butter-Hefe-Mischung dazu geben mit dem Handrührgerät (Knethaken) 5 Min. gut verkneten. Dann mit der Hand weitere 5 Min. kneten, etwas Mehl zugeben, wenn der Teig zu feucht ist. Den Hefeteig mit einem Geschirrtuch abdecken. An einem zugfreien und warmen Ort 1 Stunde gehen lassen, bis der Teig die doppelte Größe erreicht hat.

  3. Teig noch einmal fest durchkneten, auf ein 30 x 30 cm großes Viereck ausrollen, mit der sehr weichen Butter bestreichen. Zucker und Zimt mischen, das Rechteck gleichmäßig mit der Zimt-Zucker-Mischung bestreuen. Teig zu einer Roulade aufrollen, in ca. 1,5 cm breite Stücke schneiden und diese Schnecken auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche geben. Mit einem Geschirrtuch bedecken und noch einmal 45 Min. gehen lassen.

  4. Ofen auf 200 Grad Ober-Unterhitze vorheizen. Schnecken mit der Milch-Eigelb-Mischung ODER der geschmolzenen Butter gut bepinseln, mit Hagelzucker bestreuen, bei ca. 15 Min. golden backen. Am besten warm essen. Lassen Sie es sich schmecken!

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