Verena Lugerts Shkmeruli (georgisches Hähnchen)
Verena Lugerts Shkmeruli (georgisches Hähnchen)
Foto: Helga Lugert / I LOVE FOOD

Nervennahrung Am Wochenende gibt es Shkmeruli - georgisches Hähnchen

Endlich hat es mal einen Vorteil, dass Meetings nur noch virtuell stattfinden: Die Knoblauchfahne ist kein Problem mehr. Und das ist die Gelegenheit für dieses Rezept unserer Köchin Verena Lugert.

Eine der verträumtesten Ecken im ohnehin traumhaften Land Georgien ist Ratscha, eine fast unberührte Bergregion im Nordwesten der Kaukasus-Republik. Von drei Seiten von hohen Gipfeln und Gletschern umschlossen, sind Ratschas grünbeflaumte Hügel, die schroffen Berge, die Wasserfälle, die über Felsen rauschen, und die Blumenwiesen mit ihren Schmetterlingen ein Traum für Bergsteiger und Wanderer. Und für Freunde des krossen Knoblauchhähnchens: Ratschas bekanntestes Dorf Shkmeri hat eines der landesweit beliebtesten Gerichte hervorgebracht, Shkmeruli, was so viel heißt wie "aus Shkmeri stammend", შქმერული.

Shkmeruli ist ein Hähnchen, das erst in der Pfanne angebraten wird, von einem irdenen Gefäß beschwert, was die Hähnchenhaut stärker in die Pfannenhitze drückt und sie unwahrscheinlich kross macht. Erst danach kommen die Hähnchenteile in den Ofen, während eine Soße aus sehr vielen Knoblauchzehen, Milch und Butter auf sanfter Hitze blubbert, in der das Hähnchen dann noch einmal ein paar Minuten baden darf. Shkmeruli schmeckt so köstlich, buttrig, cremig, knoblauchsüß, dass es nicht nur für viele Georgier die Leib- und Magenspeise, sondern auch für viele Georgien-Besucher eine Offenbarung ist.

Interessanterweise erlebt Shkmeruli in Japan gerade einen regelrechten Boom: Die Zeitung "Nikkei" rief es zum zweitwichtigsten Gericht Japans des Jahres 2020 aus, Yahoo Japan sprach sogar vom wichtigsten und populärsten. In den Suchmaschinen Japans befindet sich "Shkmeruli" unter den Top Four aller Suchbegriffe. Japan ist im Knoblauchhähnchen-Rausch, seit Matsuya, die größte Restaurantkette des Landes, im Januar 2020 Shkmeruli auf die Karte hob. Bald gingen Bilder viral, auf denen Mitglieder der georgischen Botschaft in Tokio Shkmeruli schmausten. Dann startete der Lebensmittelriese Matsubara Foods mit dem Verkauf von Instant-Shkmeruli.

Und bald wurden im Internet und in Zeitungs-Essays die Herrlichkeit des Knoblauch-Hähnchens gepriesen - und seine Tücken diskutiert: Wie der Genuss der köstlichen Speise am höflichsten in den Berufsalltag zu integrieren sei? Was gegen Knoblauchatem helfe? Am besten sei, riet ein Artikel, die Meetings zu verlegen. Denn welches noch so interessante Business-Treffen könne es mit der Sensation eines Shkmeruli-Mahls aufnehmen? Dann kam Corona. Aus Meetings wurden Zoom-Calls. Und brachten den Japanern grenzenlose Freiheit zum Genuss!

Probieren auch Sie dieses grandiose georgische Gericht, das im Prinzip aus nur vier Zutaten - Butter, Knoblauch, Milch und Huhn - besteht. Ein perfektes Essen, jetzt im Herbst: Wenn's draußen ungemütlich windet und Blätter melancholisch von den Bäumen fallen, ist Shkmeruli in seiner Cremigkeit und milden Würze wie eine weiche Decke fürs Gemüt. Am besten mit Kartoffelbrei (in das gern große Käsemengen eingeschmolzen werden dürfen.) So kommt man durch den regnerischen Herbst: Von fernen Märchentälern träumend, durch deren Sommerblumenwiesen Schmetterlinge torkeln.

Nervennahrung

Einfach kochen - aber trotzdem raffiniert: Jedes Wochenende haben wir hier für Sie ein besonderes Rezept unserer Köchin. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Shkmeruli - georgisches Hähnchen

Für 4 Personen

  • 1 großes Hähnchen wirklich guter Qualität, am besten Bio

  • 1 EL Butterschmalz

  • 6 - 10 Knoblauchzehen, je nach Gusto

  • 300 ml Vollmilch

  • 100 g Butter

  • Salz, gemahlener weißer Pfeffer

  • eine Handvoll Korianderblätter

  1. Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Das Hähnchen in Keulen, Flügel und Brust teilen, leicht salzen. Butterschmalz in einer Pfanne (am besten mit hitzebeständigem Griff) erhitzen, die Hähnchenteile in die Pfanne geben, einen schweren Topf mit sauberem Boden und (heißem, sonst bleibt das Hähnchen oben zu lange kalt) Wasser gefüllt, auf die Teile stellen, 5 - 6 Minuten braten. Die Teile wenden, wieder mit dem Topf beschwert braten.

  2. Die Teile auf ein Blech geben, im Ofen ca. 20 – 30 Minuten weiterbraten. Das Fleisch soll durch, aber nicht trocken sein. Die Pfanne mit dem Bratensatz beiseitestellen.

  3. Knoblauchzehen schälen, mit der flachen Klinge eines großen Messers plattdrücken, etwas Salz zugeben, fein würfeln, wieder plattdrücken, wieder würfeln und plattdrücken, sodass ein Püree entsteht. 

Knoblauchpüree in der Hähnchenpfanne mit einem Viertel der Butter sanft dünsten. Langsam, der Knoblauch darf keine Farbe annehmen. Die Milch zugeben, dann nach und nach die restliche Butter dazugeben, gut rühren, alles bei ständigem Rühren simmern lassen, bis die Hähnchenteile aus dem Ofen kommen (Backofen noch nicht ausschalten). Knoblauchsoße mit Salz und Pfeffer würzen. Die Hähnchenteile zur Soße geben. Pfanne (nur wenn sie einen hitzebeständigen Griff hat, ansonsten alles in eine Ofenform geben) noch einmal für 5 Minuten ins Backrohr stellen. Zum Servieren mit frischen Korianderblättern bestreuen. Dazu schmeckt Kartoffelpüree, gerne mit Käse verfeinert. Lassen Sie es sich schmecken!

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