Verena Lugerts Soljanka
Verena Lugerts Soljanka
Foto: Helga Lugert

Nervennahrung Heute gibt es Soljanka

Raus an die frische, kalte Luft: Das ist das beste Rezept gegen den Lockdown-Blues. Das beste Rezept, um danach wieder warm zu werden, ist diese Suppe, sagt unsere Köchin Verena Lugert.

Leise Tage, lautloses Land. Eiskalter Winter, am Wochenende war es – hier in Süddeutschland – minus vier Grad kalt. Die Landschaft war in Stille getaucht, die Schritte im Schnee knirschten überlaut. Von Weitem fuhr ein Zug vorbei, die Abteile waren erleuchtet, niemand saß in den Waggons. Kaum Sonne drang durch die diesige Luft. Die Bäume reckten ihre schwarzen Äste, umfangen von einer beschneiten Eisschicht, wie Geisterfinger in den verhangenen Himmel. Doch der Hund sprang selig durch den Schnee über die Äcker, für ihn ist der Lockdown ein Fest: So viele Spaziergänge gab es selten! Und immer ist jemand zu Hause, leistet ihm auf dem Sofa Gesellschaft.

Beim Heimkommen sind die Wangen rot von der Kälte und die Finger ganz steif, aber die Wärme ist wunderbar und die frische, klare Luft hat angenehm hungrig gemacht. Und das Beste ist: Auf dem Herd steht ein Topf, halb voll noch mit der Soljanka vom Vortag. Und die wird jetzt heiß gemacht, beginnt langsam zu duften, rauchig, paprikawürzig, speckbehäbig und herrlich säuerlich. Die Suppe beginnt zu köcheln, blubbert gemächlich wie ein Geysir  zwischen zwei Fontäneneinsätzen. Die Soljanka wirft rote Blasen, wirbelt Stückchen von sauren Gurken und Salamiwürfeln nach oben.

In die dickwandige Suppenschale geschöpft, mit einem großen Schwapp saurer Sahne drauf, nimmt man sie jetzt mit aufs Sofa, diese selbstlose Suppe: Sie enttäuscht nie, sie ist genügsam, denn ihr reichen Reste, sie ist anspruchslos, denn sie zu kochen ist kinderleicht. Sie ist anpassungsfähig, denn in eine Soljanka kommt das, was man halt so dahat. Sauerkraut? Letscho? Frischer Weißkohl? Alles ist erlaubt, Hauptsache die Salzgurken (oder Essig- oder Gewürzgurken) sind drin, die sind nicht verhandelbar.

Und dann sitzt man auf den weichen Polstern, mit einer Wolldecke auf den Knien und dem schlummernden Hund auf dem Schoß, der leise, zufriedene Schnarcher ausstößt. Man löffelt die heiße Soljanka, draußen ist es dunkel und kalt, aber innen drinnen, im eigenen Gemüt, wieder hell. Heller, zumindest. Und das ist weit mehr, als man eigentlich von einer Suppe verlangen kann.

Nervennahrung

Eigentlich präsentieren wir immer zum Wochenende ein Rezept unserer Köchin. Aber besondere Zeiten, besondere Maßnahmen: Während des Shutdowns versorgt uns Verena Lugert zu Wochenbeginn und -ende mit Ideen. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Soljanka

Für 4 Personen 

  • 100 g Räucherspeck

  • 100 g Salami

  • 100 g Lyoner oder Jagdwurst oder Wiener Würstchen

  • 1 EL Butter oder Sonnenblumenöl

  • 1 Zwiebel

  • 1 Karotte

  • 50 g Tomatenmark 

  • 1 gelbe oder rote oder grüne Paprika

  • 1 Knoblauchzehe

  • 4–6 Salzgurken oder Essiggurken oder Gewürzgurken

  • 300 g (oder mehr, oder weniger) Sauerkraut oder frischer Weißkohl, in Streifen geschnitten – oder man lässt das Kraut ganz weg!

  • 300 g Letscho (Paprika-Zwiebelgemüse) aus dem Glas

  • 200 ml Salz- oder Essig- oder Gewürzgurkenwasser

  • 1 L Rinder- oder Hühner- oder Gemüsebrühe, gern auch aus dem Glas

  • 3 Lorbeerblätter

  • 2 EL Kapern

  • 200 ml Sauerrahm oder Crème fraîche oder Joghurt oder Schmand

  • 1 Zitrone und etwas Dill, nach Belieben

  • Pfeffer, Salz

  1. Speck und die Wurstarten in Würfel schneiden und in Butter oder Sonnenblumenöl in einem großen Topf anbraten.

  2. Karotte und Zwiebel schälen und in Würfel schneiden, zu Speck und Wurst in den Topf geben. Tomatenmark zufügen und anbraten.

  3. Paprika entkernen und in Würfel schneiden, Knoblauch schälen und fein hacken, beides in den Topf geben.

  4. Eingelegte Gurken in Würfel schneiden mit dem Sauerkraut und/oder dem Letscho in den Topf geben. Alternativ Weißkohl in Streifen schneiden und zugeben.  

  5. Rinderbrühe, Gurkenwasser und die Lorbeerblätter hinzufügen, aufkochen, dann 20 Minuten sanft köcheln lassen, die Kapern kurz vor Ende der Garzeit zufügen. Salzen, pfeffern.

  6. Soljanka auf Suppenschüsseln verteilen, großzügig mit saurer Sahne krönen, wer mag – und daheim hat – gibt noch eine Scheibe Zitrone und etwas Dill hinzu. Lassen Sie es sich schmecken!