Verena Lugerts toskanisches Wildschwein-Ragù
Verena Lugerts toskanisches Wildschwein-Ragù
Foto: Helga Lugert

Nervennahrung Heute gibt es toskanisches Wildschwein-Ragù

Statt mit winterlichen Aromen wird das Wildschweinfleisch in der Toskana mit frischen Kräutern wie Thymian, Salbei und Rosmarin gewürzt. Rotwein darf auch nicht fehlen. Hier verrät unsere Köchin Verena Lugert ihr Rezept.

Wenn ich jetzt nach einem langen Waldspaziergang nach Hause komme, habe ich Appetit auf Wild. In der Nase habe ich noch den Duft des frühen, milden Herbstes. Ein Zwischenjahresduft, gleich nach dem Altweibersommerflirren, zauberhaft und schwelgerisch, wenn in der Früh zwar feiner Nebel über den Feldern hängt, es aber tagsüber noch so warm ist, dass man fast keine Jacke braucht. Feinmodrig riecht diese kurze Jahreszeit. Nach feuchtem Laub, süßlichem Baumharz und nach Moos, nach Pilzen, Sattheit, später Sonne, nach Reife, in der schon die Ahnung vom Zerfallen und Vergehen steckt.

Zum milden Frühherbst passt ein Wildschweingericht aus Italien, das nicht mit den winterlichen Wildgewürzen wie Wacholder, Nelke und Piment aromatisiert ist, sondern frischer und leichter daherkommt: ein Ragù di Cinghiale, ein toskanisches Wildschwein-Ragù. Schon die feierfreudigen Etrusker, die Lebemänner und -frauen der Antike, waren große Wildschweinfreunde, schon sie kochten so ein Ragù, mit reichlich Wein. Wildschweine gibt und gab es zuhauf in der dicht bewaldeten Toskana, weltberühmt ist die Wildschweinstatue bei den Markthallen in Florenz, nahe dem Ponte Vecchio: Es soll Glück bringen, die Schnauze des Bronze-Ebers zu berühren.

Im Herbst, der in der lieblichen Toskana mit ihren sanften Hügeln so herrlich sonnig ist, wagen sich die Borstentiere mit ihren kurzen Beinen aus den Wäldern, die Eber mit großen Eckzähnen und die Bachen, wie man die Wildschweindamen nennt, im dichten schokoladenbraunen Fellkleid. Oft umtrippelt von ihren Frischlingen, weiß getüpfelt und gestreift. Die Wildschweine werden angelockt vom Duft der reifen Trauben in den Weinbergen, die sich die ganze Rotte schmecken lässt, zum Schrecken aller Winzer.

Bittere Pointe: Mit dem Wein aus toskanischen Trauben wird das Wildschweinfleisch für unser Ragù langsam geschmort und dann gewürzt: mit frischen Kräutern, mit Thymian, Salbei, Rosmarin. Sodass bald die ganze Wohnung himmlisch riecht, nach herbstlichem Ragù – und nach dem Duft der Macchia. Mit diesem Ragù di Cinghiale, am besten mit breiten Bandnudeln, Pappardelle, serviert, kommt ein Schuss italienischer Leichtigkeit in unsere deutsche Herbstromantik. Ein bisschen Süden, bis es bald kalt und grau wird.

Nervennahrung

Unsere Köchin begleitet Sie durch die Pandemie: Jeden Montag präsentieren wir hier eines von Verena Lugerts Rezepten – nicht aufwendig, aber raffiniert. Ihr Credo: Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern auch glücklich. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Rezepte.

Rezept für Wildschwein-Ragù (Ragù di Cinghiale)

Für 4 Personen

  • 1 kg Wildschwein, z.B. aus der Schulter

  • 2 Zwiebeln

  • 2 Karotten

  • 1 Stange Staudensellerie

  • 2 Knoblauchzehen

  • 4 EL Olivenöl

  • 2 EL Tomatenmark

  • 500 ml Wildfond

  • 500 ml Rotwein, z.B. Chianti

  • 2 Lorbeerblätter

  • 400 g stückige Tomaten aus der Dose (Polpa)

  • 6 Stiele Thymian

  • 1 Zweig Rosmarin

  • 10 Salbeiblätter

  • Salz, Pfeffer

  • frisch geriebener Pecorino zum Servieren

  1. Das Wildschweinfleisch in Würfel schneiden (ca. 2 cm), beiseitestellen.

  2. Zwiebeln und Karotten schälen, Sellerie entfädeln, alles in kleine Würfel schneiden, in einer großen Pfanne oder einem Bräter in 2 EL Olivenöl sanft anbraten.

  3. In der Zwischenzeit Knoblauch schälen und fein hacken, zum angebratenen Gemüse geben, kurz mitgaren.

  4. Gemüse aus der Pfanne nehmen, die Wildschweinwürfel im restlichen Öl in zwei Portionen gut anbraten, das Tomatenmark im Bratensatz verrühren.

  5. Gemüse wieder dazugeben, Wildfond und Rotwein angießen, die Tomaten und die Lorbeerblätter zugeben, alles kurz aufkochen, dann die Temperatur stark herunterschalten. Bräter oder Pfanne mit einem Deckel versehen, das Ragù drei Stunden ganz sanft schmoren lassen, immer wieder nachsehen, dass nichts anliegt, eventuell Brühe oder noch etwas Wein angießen.

  6. In der letzten halben Stunde vor dem Servieren die Nadeln vom Rosmarinzweig fein hacken, die Blätter vom Thymian zupfen, die Salbeiblätter in Streifen schneiden. Alles zum Ragù geben, weiter köcheln lassen, salzen, pfeffern. Mit Pecorino servieren, dazu passen Pappardelle. Lassen Sie es sich schmecken!