Zucchini-Rouladen Juchhe, Jujube!

Klein, eierförmig und mit Flecken übersät: Im Originalzustand sieht die Jujube-Frucht nicht unbedingt vielversprechend aus. Das ändert sich aber, wenn sie in ein Edel-Chutney verwandelt wird.

Peter Wagner/ Foodbild

Von Hobbykoch


Topinambur und Cherimoya, Kerbelwurzel, Mispel, Bischofsmützenkürbis, Holzapfel oder Knollenziest - viele Obst- und Gemüsesorten sehen auf den ersten Blick nicht so aus, als wollten wir mit ihnen eine kulinarische Liaison eingehen. Ablehnung aus optischen Gründen ist hier aber ähnlich kurzsichtig, wie Bücher nur nach dem Umschlag zu beurteilen - man trägt viel Blödsinn nach Hause und lässt das Beste beim Händler.

In diesen Herbstwochen zum Beispiel fristet wieder einmal eine völlig unterschätzte Frucht ihr Schattendasein auf diversen Wochenmärkten und in gut sortierten Obstgeschäften. Sie ist kleiner als eine Aprikose, eierförmig mit glatter Haut, aber übersät mit braunen Flecken auf dem eher neutralbeigen Grundton. Die Rede ist vom Mittelmeergewächs Jujube, hierzulande eher als China-Dattel oder Brustbeere gehandelt.

Roh gegessen (die Schale ist verzehrbar, nur der kleine Kern in der Mitte nicht) entwickelt das zarte Fruchtfleisch einen aufregend süßen Geschmack und zugleich zieht es einem leicht den Mund zusammen. Der Geschmack liegt irgendwo zwischen alten Apfelsorten, Renetten und Pfirsich. Je reifer sie sind, desto mehr schmecken sie wie Datteln.

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Gesund und gut: Rezept für Zucchini-Rouladen und das Edel-Chutney

Die hässlichen Stellen auf der Schale sind übrigens ein Reifemerkmal. Ohne sie würde in den Ernteländern wie Griechenland, Italien, Frankreich oder Spanien niemand auf die Idee kommen, die Früchtchen von den bis zu acht Meter hohen, oft strauchartig wachsenden Bäumen zu pflücken. Denn einmal abgezupft, reifen die Jujubes so gut wie nicht mehr nach.

Im Moment sind die wirklich reifen Exemplare zu bekommen - je nach Herkunft des Gemüseladenbesitzers oder Wochenmarktstandbetreibers einfach nach Jujube (arabisch, Asia-Läden), Giuggiole (italienisch) oder Ginjol (spanisch und latino) fragen. Manchmal steht auch "Chinesische Dattel" auf dem Schild vor den Kullerchen, was eigentlich der beste Name ist. Das Kreuzdorngewächs breitete sich von Chinas Nordosten aus, über Indien und Südosteuropa bis zum Alpensüdkamm. Es gedeiht überall dort, wo Wein angebaut wird - also auch in einigen Gegenden der Schweiz.

Beim Einkauf sollten Sie darauf achten, dass die Schale - sie darf auch ringsherum braun sein - glatt ist und die Frucht bei Druck nicht nachgibt. Die China-Dattel hält sich im Obstkorb etwa drei Wochen, im Gemüsefach des Kühlschranks bis zu zwei Monate und (wie normale Datteln) getrocknet mehrere Jahre lang.

Ein Herz für Minidatteln

In der Medizingeschichte gibt es ähnlich viele Anwendungsbeispiele für die Jujube wie in der Küche. Die Chinesen kannten schon vor 2000 Jahren ihre kräftigenden und blutreinigenden Eigenschaften. Je nach Indikation gibt es die Frucht frisch oder getrocknet, als Teeaufguss, Wein oder Sirup gegen Stress, Verdauungsprobleme, Herzrhythmusstörungen und erhöhten Blutdruck.

In kulinarischer Hinsicht sind Jujubes ebenfalls kleine Tausendsassas. Im oberitalienischen Arquà Petrarca bei Padua kocht im Herbst bei der "Festa delle Giuggiole" nahezu jeder Einwohner ein eigenes Rezept. Auch Liköre, Schnäpse, Konfitüren und Chutneys gehören dazu. In Spanien füllt man gern sein Brathuhn damit, in Südfrankreich Fasan, Schnepfe und Rebhuhn, während sie in Thailand oft in süßsauren Topfgerichten landen.

Wir kochen sie im heutigen Hobbyküchenrezept zusammen mit Zwiebeln, Tomaten und Essig (aber wenig Zucker) für das vegetarische Hauptgericht "Zucchini-Rouladen auf Gemüsecouscous mit Jujube-Chutney" ein. Wenn es die Früchte auf dem Markt gibt, lohnt es sich, einen kleinen Wintervorrat davon herzustellen: In einem sterilisierten Schraubglas hält sich das Chutney im Kühlschrank ein paar Monate. Nach Anbruch sollte es aber innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
autocrator 12.10.2019
1. geht doch :-)
Doch, so macht Kochen Spass! Interesant, modern, nicht zuuu fettig, vegetarisch, würzig ... heute macht uns Wagner sehr viel Freude!
dasfred 12.10.2019
2. Klingt essbar
Zum Chutney, das ich dann doch lieber mit Äpfeln zubereite, gebe ich gerne noch etwas Ingwer. Notfalls braucht man auch noch etwas mehr Zucker. Auch die Zucchini Röllchen lassen sich noch vielfältig variieren. Alles in allem aber mal wieder ein guter Vorschlag, der sich leicht umsetzen lässt.
benhadschiomar 12.10.2019
3. Bei der optischen Präsentation
muss der Herr Hobbykoch noch etwas üben! Das Bild ist nicht gerade lustfördernd. Schade.
Miere 13.10.2019
4. Wenn ich frische Jujuben kriegen könnte, würde ich sie probieren.
Die getrockneten schmecken ziemlich gleich wie Rosinen oder Datteln, einfach nur süß. Für ein Chutney würde ich ein saureres Obst wie die erwähnten Äpfel bevorzugen (und unbedingt das Öl weglassen). Jujuben sehe ich eher in einem Currygericht oder Tagine, wo sonst Rosinen oder Datteln drin wären, oder in der Füllung eines Hühnerbratens.
Papazaca 13.10.2019
5. Glücklich werden! Aber nicht preiswert!
Zitat von dasfredZum Chutney, das ich dann doch lieber mit Äpfeln zubereite, gebe ich gerne noch etwas Ingwer. Notfalls braucht man auch noch etwas mehr Zucker. Auch die Zucchini Röllchen lassen sich noch vielfältig variieren. Alles in allem aber mal wieder ein guter Vorschlag, der sich leicht umsetzen lässt.
Gute Idee, es mit Äpfeln zu probieren. Vielleicht kann man es alternativ auch mit Datteln oder Rosinen versuchen. Kochen als kreativer Versuch. Was mir gefällt, ist, das unser großer Meister immer eine exquisite Idee unterbringen muß (100 Gramm Jujuben kosten um die 12 Euro). Aber so ist er halt. Das absolute Gegenteil zu einem preisbewußten Schwaben mit der Maxime: "Ich will ja nur glücklich sein, aber preiswert." Unser Hobbykoch mag es offensichtlich fast immer teuer. Mußte er in seiner Kindheit oder Jugend vielem entsagen? Statt "Spiegel" nur die Bild? Wir werden es nie erfahren .....
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