Brasiliens Nationalgericht Picanha Das gibt Beef

Peter Wagner

Von Hobbykoch

2. Teil: Rezept für Picanha (Grillgericht für 4 Personen)


Vorbereitungszeit: 10 Min. (plus 2 Stunden Ruhezeit)

Zubereitungszeit: 1 Stunde

Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

1 Tafelspitz z.B. vom australischen Black Angus* (1,4-1,8 kg siehe Text)
4 EL Fleur de Sel
1 EL bunter Pfeffer, frisch gemörsert
1 kg Neue Kartoffeln
3 EL Olivenöl
1 EL gemischte getrocknete italienische Kräuter
1 EL grobes Meersalz
1 Prise Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

Für dieses Rezept eignet sich der in Deutschland hauptsächlich gehandelte Tafelspitz vom Jungbullen nicht; man sollte es damit auch nicht versuchen, denn dieses Stück vom Hüftdeckel des Rindes ist bei diesen Tieren aus der Turbomast viel zu mager. Ordentlich marmoriert und noch dazu mit einem Fettdeckel von mehr als einem Zentimeter Dicke ausgestattet sind oftmals Tafelspitze von Fleischrinder-Färsen, die man bei einem guten Schlachter vorbestellen kann. Noch besser grillt sich dieser Cut, wenn er von etwas älteren Schlachttieren aus Südamerika stammt - oder gleich aus den weltweit besten Rinderhaltungsquellen wie zum Beispiel "Greater Omaha Packers" (Nebraska, USA), wo der Tafelspitz "American Top Butt Cap" heißt, oder Black Angus aus New South Wales in Australien (siehe Bezugsquellen).

Tafelspitz unter fließendem Wasser abspülen, trocken tupfen. Hautstücke und Bindegewebe auf der Fleischseite parieren (entfernen). In den Fettdeckel mit sehr scharfem Messer kleine Rechtecke einschneiden, aber nicht bis zur Fleischoberfläche schneiden - das geht am besten mit einem Chirurgen-Skalpell (gibt's z.B. auf ebay). Fleisch ringsherum mit den Salzkristallen einmassieren, auf der Fettseite auch in die Zwischenräume. Mindestens 1-2 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen. Vor dem Grillen das Salz an den Fleischseiten mit Messer abstreifen, auf dem Fettdeckel aber nicht.

In der Zwischenzeit Kartoffeln waschen, wenn nötig abschrubben. Quer in 2 Hälften schneiden und mit den restlichen Zutaten vermischen.

Grill vorheizen und für indirektes Grillen vorbereiten: Bei Holzkohle die Glut ringförmig an die Außenwände schieben, so dass die Mitte frei bleibt. Bei Gasgrills den mittleren Brenner ganz abschalten. Tafelspitz auf die Fleischseite in die Grillmitte auf den Rost legen, Deckel schließen. Nach ca. 30 Min. hat sich das Fleisch sichtbar aufgebläht, jetzt wenden und die Kartoffeln mit der Schale nach unten rings um das Fleisch verteilen. Deckel schließen.

Nach weiteren 20 Min. Fleischthermometer in die Mitte des Tafelspitzes stecken. Weitergaren bis zur gewünschten Garstufe - z.B. anglaise (56°C - 58°C) oder demi-anglaise (ca. 62°C). Gegrillter Tafelspitz sollte nicht weiter als bis 65°C gegart werden, weil die Fleischfasern dann ihre Wasserbindungskraft verlieren.

Fertigstellen & Anrichten

Wenn die Kartoffeln gar sind, vom Rost nehmen und warm stellen. Fleisch nach Erreichen der Zieltemperatur in Alufolie einwickeln und 6 Min. ruhen lassen, nach 3 Min. umdrehen. Kartoffeln zum Selbernehmen servieren, das Fleisch auf Brett mit Saftfuge mit einem scharfen Messer in ca. 1 cm dicke Scheiben aufschneiden. Scheiben nach Belieben mit Fleur de Sel und dem Pfeffer aus dem Mörser würzen - es braucht im Grunde aber so gut wie keine weitere Würzung.

Sollte wider Erwarten Fleisch übrig bleiben: Straff in Folie gewickelt und im unteren Kühlschrankfach aufbewahren, am Folgetag auf einer Aufschnittmaschine in dünne Roastbeefscheiben schneiden und kalt mit Remoulade essen.

Küchen-Klang

Der Grill dampft, das Picanha zischt auf dem Rost, und im Hintergrund groovt eine coole Rumba. Nicht irgendeine, sondern die beiden Songs, mit denen der französische Schlagzeug-Weltstar Manu Katché sein neues Solo-Album "Unstatic" (Broken Silence) beginnt und beendet. Dazwischen gibt es jede Menge vertrackter Beats zwischen Funk, Jazz und Pop - der Spannbreite dieses begnadeten Drummers, der schon für wesentliche Hits von Peter Gabriel, Tears For Fears und Sting die Stöcke schwang. Herausragend auch die Besetzung seiner aktuellen, sehr modern jazzenden Live-Combo mit dem Mann an der roten Posaune (Nils Landgren) oder der Bassistin Ellen Andrea Wang, die neben Katché bei einigen Tracks auch singt.

Getränketipp

Zur Feier des Tages begleiten wir das festliche Angrillen nicht mit einem guten Roten, sondern einem sehr guten. Portugal lieferte sowohl die Sprache für das ferne Land des Picanha-Grillens wie auch den Wein zu unserem Brazil-BBQ: Von den kaum zu überblickenden 250 autochthonen Rebsorten des Landes führten die kleinen, dickschaligen Trauben der Sorte Baga lange Zeit ein Schattendasein als Verschnittzugabe, bis der Klimawandel für trockenere Sommer in Nordportugal sorgte, wo inzwischen weltweit beachtete Spitzen-Rotweine wie der 2009 Foral de Cantanhede Grande Reserva Baga* erzeugt werden. Nach sechs Jahren Reife haben sich die anfangs etwas zu strammen Tannine eingefügt in ein dunkelfruchtiges Wunderbouquet mit edlen Noten von Gewürzen und schwarzer Schokolade am Gaumen. Käme dieser Tropfen aus Kalifornien, dem Bordeaux oder der Toskana, würde er locker das dreifache seiner knapp 30 Euro kosten.

*Bezugsquellen:

Tafelspitz vom australischen Black Angus - bei Albers
2009 Foral de Cantanhede Grande Reserva Baga - bei portwine.de



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
eunegin 19.03.2016
1. Fleischrind statt Milchkuh - Geil statt Geiz
Das Problem mit solchen tollen Rezepten ist das Rindfleisch in Deutschland. Sowohl in den USA als auch in Brasilien/Argentinien (und anderswo...) nimmt man abgehangenes Fleisch vom einem Fleischrind. Bei uns kommt man mit der zähen (Milch)kuh nur durch Sauerbraten etc. in den Bereich des Genießbaren. Das hat mit unserer Küchentradition, der Art der Viehhaltung aber auch dem deutschen Geiz zu tun. Wenn also Rindfleisch auf den Grill soll, liebe Landsleute, investieren Sie in vernünftiges Fleisch vom Fleischrind. Lohnt sich. Billigheimer werden sonst keine Freude haben. Die sollten beim abgepackten wässrigen Schweinefleisch bleiben, wobei es auch hier tolle Alternativen gibt.
ohne_mich 19.03.2016
2.
Zitat von euneginDas Problem mit solchen tollen Rezepten ist das Rindfleisch in Deutschland. Sowohl in den USA als auch in Brasilien/Argentinien (und anderswo...) nimmt man abgehangenes Fleisch vom einem Fleischrind. Bei uns kommt man mit der zähen (Milch)kuh nur durch Sauerbraten etc. in den Bereich des Genießbaren. Das hat mit unserer Küchentradition, der Art der Viehhaltung aber auch dem deutschen Geiz zu tun. Wenn also Rindfleisch auf den Grill soll, liebe Landsleute, investieren Sie in vernünftiges Fleisch vom Fleischrind. Lohnt sich. Billigheimer werden sonst keine Freude haben. Die sollten beim abgepackten wässrigen Schweinefleisch bleiben, wobei es auch hier tolle Alternativen gibt.
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Wenn hier die Billigheimer an der Fleischtheke stehen und sich ein Loch in den Bauch freuen, wenn Rumpsteak oder Entrecote vom deutschen Jungbullen oder der deutschen Färse im Angebot ist, schüttelt es mich nur. Der beste Griller wird es nicht schaffen, aus diesem deutschen Mastfleisch ein wohlschmeckendes Steak zu zaubern. Das Fleisch schmeckt schlicht und einfach nach nichts. Gar nichts. Das Problem ist aber scheinbar auch: Der Deutsche will es so. Würde er Geschmack über Preis stellen, würde in Supermärkten mehr (süd-)amerikanisches oder zur Not auch noch irisches Rindfleisch erhältlich sein. Auch sollte gelten: Lieber etwas weniger, dafür besser und aus besserer Haltung. Auch dem Tier zu Liebe. Glücklich der, der Zugang zu C&C-Märkten hat und dort größtenteils vernünftiges Fleisch beziehen kann.
MaxNichtmustermann 19.03.2016
3.
Zitat von ohne_michIch kann Ihnen nur zustimmen. Wenn hier die Billigheimer an der Fleischtheke stehen und sich ein Loch in den Bauch freuen, wenn Rumpsteak oder Entrecote vom deutschen Jungbullen oder der deutschen Färse im Angebot ist, schüttelt es mich nur. Der beste Griller wird es nicht schaffen, aus diesem deutschen Mastfleisch ein wohlschmeckendes Steak zu zaubern. Das Fleisch schmeckt schlicht und einfach nach nichts. Gar nichts. Das Problem ist aber scheinbar auch: Der Deutsche will es so. Würde er Geschmack über Preis stellen, würde in Supermärkten mehr (süd-)amerikanisches oder zur Not auch noch irisches Rindfleisch erhältlich sein. Auch sollte gelten: Lieber etwas weniger, dafür besser und aus besserer Haltung. Auch dem Tier zu Liebe. Glücklich der, der Zugang zu C&C-Märkten hat und dort größtenteils vernünftiges Fleisch beziehen kann.
C & C ist ein guter Tip; bei uns in RLP habe einige Rewe-Supermärkte sehr ordentliches trockengereiftes Rind... mjamm! Das Rezept gefällt mir sehr gut; heute gibt es bei uns aber dry aged sirloin vom Gasgrill mit frischem Feldsalat :-)
robmax 19.03.2016
4.
Nun, scheinbar war der Koch niemals in Brasilien. Da ein brasilianisches Steak wohl schwer aufzutreiben ist wäre ein argentinisches stilgerechter. Picanha wird zwar häufig halb durch serviert, aber niemals blutig. Als Beilagen wird normalerweise Salat gereicht oder Reis mit Bohnensuppe (Feijão) und wenn es dann Kartoffeln sind, werden diese leicht gesalzen neben dem Fleisch gegrillt.
schienbeinschoner 19.03.2016
5.
Welche Temperatur soll der Grill denn haben? Könnte man das noch ergänzen? Danke!
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