Architektenhaus in Brasilien Dschungelcamp

Dieses Haus ist ein Familientraum: jede Menge Platz, viele gemütliche Ecken, ein verwunschener Garten mit Pool, und ein eigenes Spielparadies für die Kinder. Willkommen bei Architekt Rodrigo Simao.

Andre Nazareth/ The Interior Archive

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In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade geplant werden oder einfach Hingucker sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: das Haus der Familie des Architekten Rodrigo Simao.

Wie eine Sprungschanze ragt das Dach dieses Einfamilienhauses zwischen den Bäumen empor. Hier wohnen aber keine Motocrossfahrer oder Skateboarder. Dieses Haus gehört dem brasilianischen Architekten Rodrigo Simao. Er wohnt hier mit seiner Frau, der Künstlerin Katharina Welper, und ihren drei kleinen Kindern. Die Familie wollte ein Heim, in dem sie die tropischen Pflanzen und die Berge der Umgebung genießen kann und jedes Familienmitglied genug Platz hat.

Also plante Simao einen weitestgehend offenen Wohnraum. Dieser bildet das Zentrum des Hauses. Das Dach darüber wölbt sich nach Osten, in Richtung der aufgehenden Sonne. Durch riesige Fenster gelangt viel Licht ins Innere, Schiebetüren aus Glas erweitern den Wohnraum um großzügige Freiflächen. Gebaut hat Simao das Haus in Petrópolis, rund 60 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro. Die Gegend ist bergig, es wird hier nicht tropisch heiß, aber warm ist es eigentlich immer - und es regnet viel. Auch deshalb verfügt eigentlich jeder Raum über eine Tür ins Freie, damit immer für Durchzug gesorgt ist bei den schwülen Temperaturen.

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Fotostrecke: Rundgang durch das Haus Samambaia

Betreten wird das Haus quasi von unten. Das Gebäude steht nicht direkt auf der Erde, sondern auf einem Unterbau. Hier ist Platz für Autos und Haushaltsräume. Die sieben Zentimeter dicken Holzbohlen des Terrassenbodens bilden das Dach der Doppelgarage. Über zwei Treppen gelangen die Bewohner in die Wohnetage: Eine Wendeltreppe führt direkt in den Hauptraum mit der doppelten Deckenhöhe. Der andere Aufgang endet im Freien auf der Terrasse. Sie dient als Verlängerung des Wohnbereichs ins Freie. An der einen Seite wird die Veranda von einer Open-Air-Küche begrenzt.

Ermöglicht werden die vielen offenen Flächen durch den Einsatz von Stahlträgern. Simao konstruierte aus ihnen ein Gerüst, das es ihm gleichzeitig ermöglichte mehrere kleine Brücken über sein Grundstück zu ziehen. Eine überspannt die Hauptterrasse und führt auf das Dach der Außenküche, das als zusätzliche Sitzecke genutzt wird. Eine weitere Brücke geht vom Haupthaus in ein Spielhaus für die Kinder. Es liegt gegenüber des Elternschlafzimmers, in Hörweite und doch weit genug entfernt, um ungestört herumtoben zu können.

Holz, Stahlbeton und Glas sind die Hauptbaustoffe in Simaos Haus. Die Fußböden bestehen aus polierten Betonplatten. Eine günstige Lösung, die robust und pflegeleicht ist. Für die Aufgänge zu den Terrassen und zum Zwischengeschoss verwendete Simao Profile aus recyceltem Stahl und Holz. Ein Vorleben haben auch die Holztüren und die Einrichtung. Aus ausrangierten Holzleitern wurden etwa Regalwände gezimmert. Die Waschtische und Gartenmöbel sind ebenfalls Maßanfertigungen aus altem Holz und unterstreichen den industriellen Charme des Gebäudes.

Die geschwungene Dachform und der Beton sind eine Verneigung vor der modernen brasilianischen Architektur nach dem Vorbild Oscar Niemeyers. Wie im Casa das Canoas, Niemeyers drittem Privathaus, verschwimmen durch die großzügige Verglasung die Grenzen zwischen Innen und Außen. Damit aber eine gewisse Barriere bestehen bleibt, ruht das Haus auf einer Steinmauer. Die Quader dafür ließ Simao aus einer mehr als 100 Jahre alten Mauer herauslösen und aufarbeiten. Der Unterbau hebt das Gebäude vom Boden, so können Feuchtigkeit und Tiere nicht so leicht ins Innere vordringen.

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insgesamt 15 Beiträge
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steffbo 15.07.2019
1. Tolles Haus
Man kann es nicht anders sagen!
spon-facebook-10000403839 15.07.2019
2. Unrealistisch
Ich frage mich immer, was mir der Spiegel mit diesen Häusern vermitteln will? Sollen damit Trends gesetzt werden? Soll gezeigt werden, wie schön und nachhaltig man leben darf/soll? Oder wie schön es andere haben? Fakt ist jedenfalls, dass so eine Bude hier zu Lande für den Normalverdiener unbezahlbar ist. Neu oder gebraucht. Und das gilt für sämtliche bisher hier vorgestellte Häuser. Es wird hier bei Garage, Wohnzimmer, Küche, Klinker und Betondach bleiben, denn Architektenhäuser sind eher was für Ärzte und Anwälte. Die Allgemeinheit darf wohl für immer von so etwas nur träumen. Ganz abgesehen, dass das Haus meinen Geschmack definitiv nicht trifft. Zuviel Glas, Beton und offene Wände. Gibts da auch einen Supermarkt in der Nähe ;)?
dasfred 15.07.2019
3. Was für's Auge
Ob von drinnen nach draußen oder umgekehrt ist das Haus toll in die Landschaft eingebettet. Viel Raum für die Kinder macht es familienfreundlich. Auch die selbst entworfenen Möbel sind eine Augenweide.
alexander_wagner 15.07.2019
4. Ungeziefer....
....wer schon mal in tropischen Ländern war, lächelt bei dem Beitrag, dass das Spielhaus auf Stelzen steht, damit kein/weniger Ungeziefer eindringt. Das ist wohl dem Autor zuzuschreiben. Allein größere Tiere werden dadurch besser abgehalten, in Wohnbereiche vorzudringen, vor allem Schlangen. Insekten, Eidechsen oder kleine Wirbeltiere finden solche Kletterhilfen eher praktisch. Und "Das-um-die-Bäume-Herumbauen" gibt´s in den Tropen schon seit Menschengedenken, auch das wurde nur kopiert. Ansonsten tolle Ausblicke in eine scheinbar intakte Landschaft, Beton und Stahl allerdings hat m.E. dort nur wenig verloren. Das sieht eher häßlich aus. Just my 2 cents
effing 15.07.2019
5. Lage, Garten,
...und meinetwegen auch der architektonische Anspruch - alles gut. Aber die eingesetzten Materialien? Rostige Abflussrinnen, wackelig zusammengeschweißte Vierkant Stahlrohre als Geländer, die Ofen/Schornstein-Konstruktion? Da komme ich mit dem deutschen Verständnis von Qualität nicht ganz hin. Wahrscheinlich hängt über der Dusche auch einfach einer dieser Südamerikanischen Plastik-Selbstmörder-Durchlauferhitzer. Damit will ich das Konzept nicht schlecht reden. Aber meiner Meinung nach wurde nur der halbe Weg gegangen. Mehr Schein als sein.
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