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03. Dezember 2014, 11:36 Uhr

Rolls-Royce Ghost Series II

Emilys neue Neigung

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Es kommt selten vor, dass Hersteller von Luxusautos ein Facelift am Design ihrer Modelle vornehmen. Beim Rolls-Royce Ghost war es jetzt so weit. Das Ergebnis ist unter anderem eine windschnittigere Kühlerfigur.

Viel Show, wenig Substanz - auf diese einfache Formel lässt sich reduzieren, was die Autobranche ein Facelift nennt. Mit einfachen und vor allem billigen Mitteln werden aktuelle Autos aufgehübscht, um sie für die Restlaufzeit attraktiv zu halten. Mittel der Wahl sind beispielsweise veränderte Scheinwerfer, eine aktualisierte Software, optimierte Motoren und eine üppigere Serienausstattung. Das funktioniert bei Kleinwagen und Mitteklasse-Modellen ganz gut. Doch je teurer und exklusiver die Fahrzeuge werden, desto schwieriger ist ein Facelift.

Rolls-Royce hat es trotzdem probiert.

"Wir müssen unsere Modelle natürlich auf dem neuesten Stand der Technik halten und mit der Zeit gehen", sagt Marc Mielau, der bei Rolls-Royce in Goodwood das Marketing verantwortet. "Andererseits dürfen wird den bisherigen Kunden nicht das Gefühl geben, in einem alten Auto zu sitzen." Statt Innovationen hinterher zu hecheln und die Modelle stetig auszuwechseln, lässt es Rolls-Royce betont gemächlich angehen. "Wir haben in unserer 110-jährigen Geschichte erst 15 komplett neue Baureihen eingeführt", sagt Mielau. Der Mutterkonzern BMW schafft so etwas in weniger als einem Jahrzehnt.

"Größere Retuschen verbieten sich von selbst"

Wie schmal der Grat ist, auf dem die Briten bei einer Modellpflege balancieren, zeigt aktuell der Rolls-Royce Ghost. Wer das Facelift an diesem Auto erkennen will, muss schon sehr genau hinschauen. Neu sind die komplett auf LED-Technik umgestellten Scheinwerfer und der um 13 Millimeter höhere Kühlergrill. Außerdem hat die Kühlerfigur Spirit of Ecstasy, liebevoll Emily genannt, jetzt eine um sieben Grad stärkere Neigung. "Ein Rolls-Royce ist eine zeitlose Ikone", sagt Mielau, "da verbieten sich größere Retuschen von selbst."

"Autos von Rolls-Royce, Bentley oder Bugatti werden von vornherein als Klassiker angelegt", bestätigt Dieter Fess, dessen Firma B+F auf die Abschätzung von Restwerten neuer Pkw spezialisiert ist. Er nennt aber noch einen weiteren Grund, weshalb in der Luxusliga die Modellüberarbeitungen selten sind und spärlich ausfallen. "Die immensen Entwicklungskosten lassen sich hier nicht in der sonst üblichen Zeit wieder hereinholen", sagt er.

Während BMW den 7er bereits nach knapp vier Jahren aufgefrischt hat, kommt das Facelift für den Ghost jetzt erst im fünften Jahr. Und das noch größere und teurere Modell Phantom ist seit fast schon biblischen elf Jahren auf dem Markt.

Ein Hauch von Dynamik für den Ghost

Am Steuer fühlt sich der neue Ghost durchaus ein bisschen anders an. Der grundsätzliche Charakter eines Autos, dem es an nichts fehlt, ist natürlich geblieben. 6,6 Liter Hubraum, zwölf Zylinder und 570 PS bringen den 5,40 Meter langen und zweieinhalb Tonnen schweren Wagen auf geradezu leichtfüßig-majestätische Art voran.

Weil beim Ghost - im Gegensatz zu den meisten anderen Rolls-Royce-Modellen - die Besitzer oft selbst fahren und auf den Chauffeur verzichten, bietet der Hersteller mit der Überarbeitung so etwas wie einen Tuningsatz an. Der heißt natürlich etwas vornehmer "Dynamic Driving Package"; und wenn das an Bord ist, fühlt sich der Ghost tatsächlich ein wenig bestimmter und verbindlicher an. Man greift automatisch mit der ganzen Hand - und nicht nur mit zwei Fingern - zum etwas dicker gepolsterten Lenkrad, man spürt einen leichten Widerstand in der Lenkung und man hört, ganz von fern, dann doch so etwas wie leises Motorknurren, wenn man das Gaspedal tiefer in den Flauschteppich drückt.

Im Zweifel wird ein zweites Auto gekauft

Trotz der etwas dynamischeren Nuance wird der Unterschied zwischen dem bisherigen und dem neuen Ghost aber vor allem beim Blick auf die Preisliste deutlich. Denn für diesen Hauch von Modellpflege schlagen die Briten 7000 Euro auf. Der Grundpreis liegt damit bei mindestens 272.837 Euro.

Geld ist bei diesem Auto aber eigentlich nicht wichtig. "Im Zweifel kaufen sich unsere Kunden den Ghost Series II zu ihrem ersten Ghost hinzu", sagt Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös.

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