Streetstyles aus Thüringen Warum man in Jena keine High Heels trägt

Jena wirkt weltoffen und bunt. Und modisch? Der typische Look ist eher unaufgeregt. In der thüringischen Großstadt jagt man keinen Trends hinterher. Das heißt aber nicht, das hier keine Styler leben.

Heidi Gumpert

Von Berit Grosswendt


Lichtstadt, München des Ostens - Jena trägt Attribute, die hohe Erwartungen wecken. Die meisten erfüllt die malerisch an der Saale gelegene Stadt. Viele der hier ansässigen Firmen, Forschungszentren und Lehreinrichtungen sind weltspitze, die Kitas vorbildlich.

Jena wirkt weltoffen, multikulturell, bunt. Und modisch? Der typische Look der thüringischen Großstadt ist eher unaufgeregt. "Hier jagt man keinen Trends hinterher", sagt Yvonne Leichsenring, die mit Kolibri und Agent Cooper zwei der wenigen Modeboutiquen Jenas betreibt. "Selbst die vielen Studierenden bleiben lieber unauffällig und ordnen sich farblich unter." Der Stil sei pragmatisch, funktional. "Auf Kopfsteinpflaster tragen sich High Heels nun mal nicht gut."

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Denim und Vintage: Thüringisches Understatement

Das sieht auch Swen Gottschalk vom Concept Store Del Corazon so. "Unsere Kunden suchen zeitlose, nachhaltige Kleidung, die modisch, aber nicht zu trendy ist", sagt der Geschäftsführer, der Marken wie Armedangels, Drykorn oder Moss Copenhagen im Portfolio hat. Er beobachtet jedoch immer mehr Modemutige, die das Selbstverständnis der Metropolen mitbringen - das tut Jena gut.

Auffällig, wie gelassen es hier zugeht. Und wie angenehm vielfältig das Straßenbild ist: Die alternative Sozialpädagogin, tätowiert und mit Rastalocken, der in Jeans und T-Shirt gekleidete IT-Spezialist und die Dozentin in Twinset und Rock - sie alle begegnen einem am historischen Marktplatz oder im zentralen Einkaufszentrum Neue Mitte.

Aus dem S-Magazin

Dass hier die Landschaften blühen, aber in Sachen stationärer Einzelhandel noch Eiszeit herrscht - dieses Thema wird in Jena viel diskutiert. "Viele Kunden sind bequem und kaufen lieber im Netz ein anstatt direkt vor Ort", sagt Yvonne Liebezeit, die in ihren Schmuck- und Vintage-Möbelläden sorgfältig kuratierte Einzelstücke anbietet. "Onlineshopping zwingt uns lokale Händler zum Umdenken." Bei ihr würden diejenigen fündig, die das Besondere suchen.

Individuelle Ästheten mit Geschmack weitab vom Mainstream, auch die gibt es in Jena. Sie bilden eine wachsende und vor allem unübersehbare Community, die das Theaterhaus, die Bar Strand 22, das Café Holz & Hygge oder das Philosophen Palais zu Hotspots macht. Diese Lichtblicke bringen Jena gerade richtig zum Leuchten.



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