Klassiker Der Büstenhalter

Mit oder ohne Bügel, gefüllt, schlicht, aufreizend oder komplett ohne? Wie es um die Emanzipation der Frau bestellt ist, lässt sich am BH erkennen.

Büstenhalter-Halterin: Protest für mehr Frauenrechte vor einem Ladengeschäft 1969 in San Francisco
Bettmann Archiv/ Getty Images

Büstenhalter-Halterin: Protest für mehr Frauenrechte vor einem Ladengeschäft 1969 in San Francisco

Von Aicha Reh


Wie es um die Emanzipation der Frau bestellt ist, lässt sich am BH erkennen: Heute sind Push-ups out. Junge Frauen wollen ihre Brüste nicht mehr hochbocken und dadurch sexy wirken. Unterwäsche, die Männern gefallen soll, ist bei der #MeToo-Generation abgemeldet. Da trägt frau lieber gar keinen BH - so wie die Influencerinnen Stella von Senger oder Nike Jane, die sich auch als Feministinnen verstehen.

Wer nicht ganz auf Unterstützung verzichten mag, greift auf bügellose Modelle zurück, die Zwangsgefühle vermeiden und von einigen Anbietern als Revolution vermarktet werden, getreu dem Motto "Free your breasts and the rest will follow".

Influencerin Stella von Senger
Christian Vierig/ Getty Images

Influencerin Stella von Senger

Vor beinahe 100 Jahren war es schon mal en vogue, die Brüste natürlich zu präsentieren: Das androgyne Erscheinungsbild galt als Zeichen der Befreiung (etwa bei Coco Chanel) - aber nur kurz. Der Krieg warf auch die Frauenbewegung zurück, die Wäsche wurde provozierend aufreizend, man denke an den Spitz-BH.

Aus dem S-Magazin

Erst die Sechzigerjahre änderten alles, es galt, gegen das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern anzugehen. Feministinnen verbrannten öffentlich Büstenhalter als Symbole des Übels. Die Frauenrechtlerin Germaine Greer rief damals die "Befreiung von der Unterdrückung durchs Patriarchat" aus und fällte ihr Urteil: "Der BH ist eine irrsinnige Erfindung."



insgesamt 3 Beiträge
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dasfred 18.10.2019
1. Ich glaube, die heutige Frau ist selbstbewusst
Sie folgt auch bei deren Unterwäsche der Mode nur noch bedingt. Ob oder ob nicht, mit Bügel oder soft, erst kommt das eigene Bedürfniss. Der BH wird heute auch zum Anlass gewählt. Soll er nur stüzen und schützen, oder soll er auch in die Oberbekleidung intergriert werden mit Spitze und blitzen. Wie auch in der Kleidung ist heute alles möglich. Sportlich, elegant oder funktionell.
FrieFie 19.10.2019
2.
Selten einen so oberflächlichen Artikel über BHs gelesen. Natürlich sind sie nicht reine Modeerscheinung, denn für viele Frauen mit großen oder nicht ganz straffen Brüsten ist es extrem unangenehm, keinen BH zu tragen. Auch als in den 20ern die Silhouette flacher wurde, trugen fast alle Frauen Büstenhalter. Nur halt solche, die die Brüste flach pressten. Es ist also kein Zeichen von Feminismus, wenn BHs mal wieder "out" sind, sondern eher davon, dass kleine Brüste modern sind, wie in den 60ern und 70ern. Was einen Großteil der Frauen ebenso diskriminiert wie andere Schönheitsideale, denen nur wenige von Natur aus entsprechen. Immerhin wäre es ein gutes Zeichen, wenn es bei H&M und anderen Modeketten BHs in kleineren Cupgrößen nicht mehr fast ausschließlich ausgepolstert gäbe. Damit wird den jungen Kundinnen seit Jahren suggeriert, dass ihre Brüste nicht groß genug sind, wenn sie nicht mindestens C-Cup haben. Dafür muss man auch jungen Frauen wie Greta Thunberg und Billie Eilish dankbar sein, die zeigen, dass eine Frau kein Sexsymbol sein muss.
Humanfaktor 19.10.2019
3. Jede/r soll nach eigener Fasson glücklich werden...
Ob allerdings "Influencer" da tatsächlich ein adäquater Gradmesser sind? Die stehen meiner Erfahrung nach doch eher für die eigene Unfreiheit und das Glücklichmachen anderer. Influencer sind nichts anderes als eine Marketingmasche. Und hinter all diesen Influencern stehen Interessen, denn das ist ein, deren Geschäft. Wie jedes Geschäft sind die Kunden nur Mittel zu Zweck. Wenn man/frau mal all den Tüll der Euphemismen rund herum herunter reißt interessiert es diejenigen, die einen beeinflussen wollen, und diejenigen, die das finanzieren, nicht die Bohne, ob die Follower tatsächlich den persönlichen Weg der Freiheit und des eigenen Glücks finden und dem folgen. Folgen sollen sie nur der Honigspur der Beeinflussung. Der beste Weg sich frei zu machen ist, genau das nicht zu tun, was eingeflüstert wird. Dann steht auch das eigene Wohlempfinden im Mittelpunkt, und nicht das, was andere dafür halten und/oder so definieren. Ich persönlich mag an der richtigen, mir wichtigen Person, schöne Wäsche genau so gerne, wie die nackte Haut. Vor allem an den Menschen, die mir etwas bedeuten. Plakatives hervorheben oder zur Schaustellen ist oft nur die langweilige, puppenhafte Staffage des alltags. eher gegenständlich als individuell und persönlich. Also ist 'es' ganz nett, wenn es nett ausschaut, hat aber keinen weiteren Mehrwert. Ob und wie das tragen bestimmter Wäsche per se den individuellen Wert einer Frau definieren, erhöhen oder reduzieren kann, hat sich mir nie erschließen wollen.
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