Street Style Die Farben von Stuttgart

Stuttgart ist eine der Geburtsstätten des deutschen Hip-Hops, dementsprechend lässig sind viele Stuttgarter unterwegs. In den Outfits zeigt sich aber auch die Nähe zu Design-Weltmarken wie Boss oder Daimler.

Florian Roser

Die baden-württembergische Landeshauptstadt gilt nicht gerade als exzentrische Modemetropole. Und begibt man sich in einen Business-Flieger zwischen Stuttgart und München oder Frankfurt, so fällt einem an Bord nicht als Erstes ein ausgeprägtes Stilgefühl der Mitreisenden auf.

Doch schaut man sich um im "Kessel", wie das Zentrum genannt wird, wird man eines Besseren belehrt. "Der Stuttgarter weiß, dass er von anderen deutschen Großstädtern unterschätzt wird - und er mag das", sagt Uwe Maier, Betreiber des Concept-Stores Bungalow. "Stuttgarter sind durchaus modisch und aufgeschlossen. Sie legen Wert auf hochwertige Kleidung und setzen Farben bewusst ein, veranstalten aber keinen modischen Karneval."

Das heißt nicht, dass sich der Style als konservativ oder altbacken klassifizieren lässt. "Stuttgarter sind durchaus trendbewusst und kombinieren gekonnt verschiedene Stilrichtungen miteinander. Im vorigen Jahr gab es einen regelrechten Run auf limitierte Hotspot-Brands wie Balenciaga", sagt Joachim Aisenbrey, Geschäftsführer bei Breuninger.

Aus dem S-Magazin

Auch Paul Benjamin Scheibe und Marcus Philipp, Betreiber des Szenecafés "Tatti", schwärmen vom Style der Stuttgarter. "Schon immer war der Kessel ein Ort, an dem verschiedene Kulturen miteinander auskamen. Der Schwabe ist ja gar nicht so verschlossen, wie viele denken. Hier entsteht eine spannende Mischung, bei der sich alle gegenseitig beeinflussen - gerade modisch", sagt Philipp. "Die lokale Community ist zudem sehr loyal, etwa bei unserem eigenen Label GPeM, das riesigen Zuspruch findet", so Scheibe.

Es ist eigentlich kein Wunder, dass eine Stadt, die im deutschen Hip- Hop seit Jahrzehnten eine Hauptrolle spielt und mit Porsche, Mercedes-Benz und Hugo Boss drei Design-Weltmarken hervorgebracht hat, auch einen eigenen, unverwechselbaren Stil zeigt. Hier leben Ästheten mit Gespür für Materialien und Farben, die sich von überall auf der Welt inspirieren lassen, aber dabei nie vergessen, woher sie kommen.

Der Stuttgarter muss nicht zeigen, was er hat. Er hat es einfach. Das lässt sich zum Beispiel hervorragend samstagvormittags in der Markthalle beobachten, wo Einheimische im Kaschmirpulli überteuerte Lebensmittel einkaufen, die sie dann in einer unscheinbaren Papiertüte nach Hause tragen.



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