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Vom Geben und Nehmen

aus S-Magazin 4/2021

»Wir haben aus Vernunftgründen gegen so gut wie alles, was uns vor Kurzem noch Freude gemacht hat, eine massive Ablehnung entwickelt«, schreibt der Philosoph Robert Pfaller in seinem Essay  für diese Ausgabe. Weil es zu ungesund, teuer, gefährlich oder schädlich für die Umwelt ist, der Diversität, Geschlechter- und Generationengerechtigkeit zuwiderläuft. Zu viel Vernunft kann sich jedoch ins Gegenteil verkehren, uns Lust und Leichtigkeit nehmen, so Pfaller. Diese Befindlichkeit haben wir auch gespürt bei den Anfragen zum Hauptstück in diesem Heft. Wir haben Dutzende Aktivisten und Aktivistinnen, Sozialunternehmer und -unternehmerinnen gebeten, Tipps zu geben für Geschenke zu Weihnachten. Kleine, sinnvolle Präsente von Menschen, die sich für eine gerechtere, bessere Welt einsetzen. Viele der Befragten mochten sich nicht beteiligen – zu konsumig, zu werblich, nicht nachhaltig genug. 21 Persönlichkeiten beweisen aber, dass es letztlich gar nicht so schwer ist, etwas Schönes zu schenken. Auch in den anderen Beiträgen in dieser Ausgabe geht es darum, die Freude nicht zu verlieren und manchmal auch unvernünftig zu sein. Hätte zum Beispiel Andreas Tölke nicht gegen alle Vernunft seinen Job als Journalist aufgegeben, um sich seit 2015 um Flüchtlinge zu kümmern, dann gäbe es heute nicht das Berliner Restaurant »Kreuzberger Himmel« , in dem Menschen aus zehn Nationen arbeiten und Gäste mit Spezialitäten aus ihrer Heimat bekochen. Ein Glück für alle. Pfaller zitiert Erasmus von Rotterdam, der Anfang des 16. Jahrhunderts feststellte, dass ohne die »Unvernunft uns alles Lohnende des Lebens fehlen würde«.

Viel Freude mit S, Ihre Redaktion

Den Inhalt dieses Hefts finden Sie auch auf spiegel.de/s-magazin

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