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Sneaker-Mode: Vom Laufschuh zum Luxusteil

Foto: MKG Hamburg

Sneaker Wie der Turnschuh zum Luxusteil wurde

Welcher ist der coolste, welcher der geilste? 140 Paar Schuhe quer durch die Geschichte der Sneaker sind derzeit in Hamburg zu sehen. Darunter hochpreisige Raritäten.

Vor den Läden kampieren die Kunden, stundenlang. Nur um an diesen einen Schuh zu kommen: den flachen Sneaker in knalligem Rot - "Hot Red" - mit lila Querstreifen um die Ferse und dem weiß geschwungenen Logo an der Seite. Auch Hoschi Morano aus Hamburg wollte ihn haben, dieses Modell aus der Skateboard-Serie von Nike. Doch es sollte das erste Mal sein, dass ein Turnschuh ausverkauft war, bevor er zuschlagen konnte. Morano verstand: Sneakers sind jetzt Kult.

An jenem Morgen im Jahr 2001 beschloss Morano zu sammeln. Mehr als 200 Paar stehen heute bei ihm im Schlafzimmer. Einen Ausschnitt solcher privater Sneakersammlungen zeigt ab sofort das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg: 140 Paar Sportschuhe und 140 Werbeplakate sind in der Ausstellung "Sneaker. Design für schnelle Füße" zu sehen, Tür an Tür mit Rokoko-Kommoden und Meißner Porzellan. Der Basketballschuh "Wings" der Firma Adidas ist zum Beispiel dabei, eine Kreation des Designers Jeremy Scott. Oder das Modell "Air Max" von Nike, der vor allem in der Rapper- und Hip-Hop-Szene angesagt war.

Die Stücke zusammenzutragen: keine leichte Aufgabe. "Die älteren limitierten Modelle sind schwer zu finden", sagte Kurator Döring zur Ausstellungseröffnung. Selbst die Sportfirmen könnten oft nicht mehr weiterhelfen. Ein Grund: Sportschuhe wurden erst Anfang der Achtzigerjahre zum Modeaccessoire. Zuvor kamen sie nur dort zum Einsatz, wo Menschen auch wirklich Sport betrieben: auf dem Rasen, in der Turnhalle, auf dem Hartplatz.

"Anything is possible" - fast

Von den Anfängen, als Sport erstmals zum Massenphänomen mutierte, zeugt ein Paar abgetragener Laufschuhe, die bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin über die Rennbahn jagten: flach, aus graubraunem Leder, mit Spikes aus Stahl an den Sohlen. Fast protzig mutet daneben ein Modell von Adidas an, mit dem Muhammad Ali in den Sechzigerjahren in den Boxring zog: weiße Schnürstiefel mit roten Quasten an den Flanken, die bei jedem Schritt durch die Luft flogen. Raritäten sind das, oft noch von ausgebildeten Schuhmachern gefertigt, in kleinen Auflagen.

Unter "echten Connaisseuren", wie sich Hoschi Morano bezeichnet, sind die älteren Modelle dennoch uninteressant. Die Leidenschaft beginnt dort, wo Sportschuhe aufhören, Schuhe für den Sport zu sein: mit der Geburtsstunde der Sneakers. 1985 kam Joschka Fischer mit Turnschuhen in den Bundestag. Unerhört war das. "Ein Lifestyle-Gefühl", sagt Morano. Ein Lifestyle der Freiheit, der sich langsam seinen Weg auf die Schulhöfe bahnte. Stars wie Basketballer Michael Jordan machten die Sneakers zum Muss unter Jugendlichen.

Die "Air Jordan"-Serie versprachen die "Altitude" des NBA-Stars. Die Modelle von "Air Max" die "Attitude" seines Korbkollegen Charles Barkley. Bis heute spielt die Werbeindustrie mit einem Gefühl von "Anything is possible". Auf dem Plakat der japanischen Marke Onitsuka Tiger von 2015 steht ein junger Mann still und fest in der Schlucht von Hochhäusern, umgeben von der Flut der Passanten, fest wie ein Fels in der Brandung: "A Product of Inner Confidence".

Längst ist unter Sammlern ein Kampf um Raritäten ausgebrochen. Bringt Adidas ein neues limitiertes Modell auf den Markt, ist es oft innerhalb von Sekunden ausverkauft. Modelle wie der "Air Max Plus" kosten gut und gerne 600 Euro oder mehr. "Das macht keinen Spaß mehr", sagt Morano. Die Suche nach neuen Modellen hat er deshalb inzwischen aufgegeben und setzt auf Kontakte in die Szene. Vielleicht, sagt Kurator Döring, sei der Punkt gekommen, an dem auch der Sportschuh endgültig zum hochgehandelten und elitären Ausstellungsobjekt in der Museumsszene avanciert. So wie einst die Porzellantassen.

Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels haben wir an einer Stelle versehentlich den "Air Max Plus" der Firma Adidas zugeordnet. Tatsächlich ist der Hersteller Nike, wie auch im Rest des Textes korrekt bezeichnet. Wir bitten dies zu entschuldigen.


"Sneaker. Design für schnelle Füße", Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, noch bis zum 28. August 2016.

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