Stilkritik zum TV-Triell Warum tragen Politiker so oft Dunkelblau?

Was Armin Laschet zum souveränen Auftritt fehlt, warum Olaf Scholz nicht glänzen muss, und ob lila Pumps eine gute Wahl sind im Triell um die Kanzlerschaft – Anruf bei einer Imageberaterin.
Ein Interview von Philipp Löwe
Uniformierte Sachlichkeit beim Triell

Uniformierte Sachlichkeit beim Triell

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Michael Kappeler / dpa

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SPIEGEL: Frau Schwind von Egelstein, offiziell geht es im Wahlkampf nur um Inhalte, aber die Kandidaten senden natürlich auch mit ihrem Auftreten Botschaften. Wie beurteilen Sie die Outfits der beiden Kandidaten und der Kandidatin beim jüngsten Triell?

Schwind von Egelstein: Die drei waren ja fast uniformiert. Ich nehme an, da gab es Vorgaben vom Sender. Hier sollte vermutlich Kompetenz ausgestrahlt werden, weniger Individualität. Das finde ich aber gar nicht so verkehrt, denn wenn man sich die Duelle der Vergangenheit anschaut, dann wurde danach zum Beispiel oft über Muster und Krawattenfarben gesprochen. Das fällt hier weg, und die Inhalte treten in den Vordergrund.

SPIEGEL: Tatsächlich steht die Frage nach den Krawatten hier auch auf dem Zettel. Gestern hatten sowohl Olaf Scholz als auch Armin Laschet eine dunkelrote an. Wofür steht diese Farbe?

Schwind von Egelstein: Weil die Farbe fast identisch war, habe ich die starke Vermutung, dass auch das eine Vorgabe der Regie war. Normalerweise würde man ja etwas Moderneres wählen: Ton-in-Ton mit einer blauen Krawatte. Die Kombination weißes Hemd, rote Krawatte, blaues Sakko kennt man eigentlich aus den USA, wo es die patriotischen Farben sind.

DER SPIEGEL

SPIEGEL: Sollten Politikerinnen und Politiker bei ihren Auftritten das Corporate Design ihrer Partei berücksichtigen?

Schwind von Egelstein: Ich persönlich finde das grundsätzlich gut. Das bedeutet aber nicht, dass Annalena Baerbock in einem grünen Kleid hätte kommen müssen. Denn als Kanzler möchte man ja das ganze Volk repräsentieren, da sollte man offen in alle Richtungen sein, und Dunkelblau vermittelt da eine größere Neutralität.

SPIEGEL: Tragen Politikerinnen und Politiker deshalb so oft Dunkelblau?

Schwind von Egelstein: Ja, weil es seriös wirkt. Blau und besonders Dunkelblau sind die sachlichsten aller Farben. Schauen Sie sich Uniformen an, etwa die der Lufthansa. Dunkelblau gibt einen schönen Kontrast zu einem weißen Hemd und unterstreicht die souveräne Ausstrahlung, die Kompetenz. Schwarz könnte das auch leisten, bildet aber optisch viel stärker eine Mauer zu den anderen, es ist mehr eine Machtfarbe.

SPIEGEL: Annalena Baerbock trug gestern lila Pumps. Eine gute Wahl?

Schwind von Egelstein: Es waren schöne, feminine Schuhe, die einem aber nur aufgefallen sind, wenn man darauf geachtet hat, keine Blickfänger, die würde ich nicht empfehlen. Die Aufmerksamkeit soll ja auf dem Gesicht liegen. Ich fand das sehr stimmig. Wie übrigens auch die Idee im ersten Triell, zum Abschlussstatement vor das Pult zu treten. Eine Geste, die die beiden Herren gestern ja gleich nachgemacht haben.

SPIEGEL: Laschet schnitt in den Blitzumfragen nach den Triellen bisher immer am schlechtesten ab. Was würden Sie ihm empfehlen, damit er besser rüberkommt?

Schwind von Egelstein: Ein Image baut sich sehr lange auf, und wenn es gut aufgebaut ist, kann auch etwas Blödes passieren, ohne dass es gleich in sich zusammenfällt. Bei Herrn Laschet hat das von Anfang an nicht funktioniert. Mit Sicherheit ist er ein guter Landesvater und ein netter Mensch, aber der souveräne Auftritt, der fehlt ihm. Er muss insbesondere seine Mimik viel stärker kontrollieren. Er sieht immer wie ein erschreckter Bub aus, wenn etwas nicht so läuft. Er ist sehr klein und hat als Mann wenig Attribute, die ihn souverän wirken lassen. Er gehört zu der Riege Politiker, die eher verwaltend wirken, das ist sein Problem.

SPIEGEL: Olaf Scholz wurde unlängst ein »schlumpfiges Grinsen« attestiert. Was würden Sie ihm raten?

Schwind von Egelstein: Der macht natürlich im Moment alles richtig. Das liegt aber daran, dass andere etwas falsch gemacht haben. Viele wählen ja nach der Negativauslese und entscheiden danach, was sie nicht wollen. Olaf Scholz' Aufstieg wie der Phönix aus der Asche liegt nicht an seiner strahlenden Persönlichkeit, er hat einfach nur bisher im Wahlkampf keine Fehler gemacht.

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