Taschentrend 2019 Holen Sie sich einen Korb!

Schon seit etwa 10.000 vor Christus flechten die Menschen Körbe und Taschen. So angesagt wie 2019 waren Behälter aus Holz aber schon lange nicht mehr.

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Von Katharina Pfannkuch


Seitdem exotische Lederarten und chemisch gefärbte Stoffe ihren Reiz für viele Konsumenten verloren haben, sind Designer und Marken dankbar für Alternativen, mit denen sich das lukrative Handtaschengeschäft befeuern lässt. Und was wäre ein besserer Brennstoff als Holz? Das US-Magazin "Women's Wear Daily" proklamierte bereits 2015 Holz als das neue Material der Branche. Mittlerweile gibt es kaum ein Modelabel, das nicht mindestens ein Modell aus Holz, Bambus oder Rattan im Sortiment hat.

Losgetreten hat diesen Trend eine halbrunde, filigran wirkende und doch erstaunlich praktische Handtasche aus schmalen Bambus-Streben, die ab 140 Euro zu haben ist und damit - ein weiterer Pluspunkt - erheblich günstiger als die sonst so begehrten Taschen großer Labels. Die "Ark Clutch" bescherte der zuvor relativ unbekannten US-Marke Cult Gaia einen Riesenerfolg, aber auch jede Menge Nachahmer und infolgedessen einen Rechtsstreit um das Design der Tasche.

2018 urteilte ein US-Gericht, das Design der Tasche stamme aus dem Japan der Vierzigerjahre und könne deshalb von niemandem für sich beansprucht werden. Doch der Streit um das Design wird derzeit vor mehreren Gerichten ausgetragen. Wie praktisch für Anbieter von Amazon bis Zalando, die Taschen dieser Art längst in allen Preisklassen im Sortiment hatten - und vermutlich auch in diesem Jahr gut verkaufen werden: Laut dem Pinterest-Ausblick auf die Trends 2019 - ausgelesen aus den Suchanfragen der rund 250 Millionen Nutzer weltweit - hat sich das Suchvolumen nach "bamboo bags" 2018 mehr als verzwanzigfacht. Damit ist der Begriff einer der hundert gefragtesten auf der Fotoplattform.

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Fotostrecke: Gut Holz

Längst kommen die (luftdurch-)lässigen Taschen nicht mehr nur halbrund daher. Cult Gaia bietet inzwischen Formen von rund bis dreieckig, Modelle mit drei Ecken sind aber auch von den Eigenmarken des Onlinehändlers Asos zu haben. Stella McCartney hat mit der "Accordeon bag" eine Art befüllbares Schnitzhandwerk im Sortiment, Saint Laurent liefert für 4000 Euro die eckige Luxusvariante mit Logo und Gliederkette in Gold. Und bei der libanesischen Firma Bois de Lune wird auf geschlossene Holzkästchen gesetzt: Clutches, die wie kleine Kommoden zum Mitnehmen anmuten.

Eine Variante der Bambustasche erfreut sich seit vergangenem Jahr steigender Beliebtheit. Hier wird das Holz durch Acryl in Schildpatt-Optik ersetzt. Die war lange als bieder verschrien, gilt momentan ebenfalls als angesagt für Mode- und Haarschmuck und erinnert allenfalls noch ironisch an die Preziosen aus Großtante Gerlindes Vitrine. Deren mit üppigen Trotteln versehenen Gardinenhalter scheinen übrigens auch als Inspiration für Taschendesigner zu dienen. Das lassen jedenfalls Modelle wie die "New Lizzy Wicker Bag" von Serpui oder die "Bracelet Bag" von Cult Gaia vermuten.

Jane Birkin sei Dank

Ganz neu ist der Taschentrend allerdings nicht: Seit etwa 10.000 vor Christus flechten Menschen Zweige, Blätter, Rattan, Stroh, Bambus und Schilf zu Körben; doch erst seit den Siebzigern ist klar, dass mit der richtigen Attitude auch ein schlichter Fischerkorb aus Weidengeflecht zur "It-Bag" werden kann. Jane Birkin sei Dank. Die Pariser Designerin und Autorin Jeanne Damas ließ den klassischen Korb schließlich vor einiger Zeit wiederaufleben. Inzwischen gibt es Korbtaschen in mehr Variationen als je zuvor.

Als große oder kleine Tasche, als Clutch oder Beutel, verziert mit Perlen, Pailletten, Pompons oder ganz pur, naturbelassen oder bunt, mit aufgestickten Initialen, mit Henkeln aus Leder, Bast oder - hier vereinigen sich dann die Taschentrends - aus Bambus, so sehen die Korbtaschen heute aus. Und zwar das ganze Jahr lang. Nicht mehr nur im Sommer am Strand. Der Alljahres-Trend dürfte aber gerade für international agierende Anbieter auch ganz pragmatische Gründe haben: Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer Sommer.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
dasfred 27.03.2019
1. Durchweg wunderschöne Taschen
Ich bin seit ewigen Zeiten ein Fan ausgefallener Handtaschen. Oft sind sie Meisterwerke des Kunsthandwerks. Natürlich sieht man im Alltag überwiegend Plastikramsch, nur angelehnt an gutes Design. Aber die Hier vorgestellten Taschen in Holz, Korb, Bast und Bambus sind sehr dekorative Objekte, die noch in Jahrzehnten ihren Reiz behalten.
bolle59 27.03.2019
2. Nicht wirklich neu
So eine wie auf Foto 6 abgebildete Korbtasche hatte ich schon 1966.
lathea 27.03.2019
3. Eine "Ark Clutch" hatte ich schon....
.....vor 40 Jahren.
bombobabier 28.03.2019
4. Die lange Dürre
Hoffentlich hat das Model auf Bild 1 nicht zu viel in der Tasche - ihre dürren Beinchen könnten unter dem Gewicht nachgeben.
mayazi 29.03.2019
5. Grißtante Gerlindes Trottel...
"…erinnert allenfalls noch ironisch an die Preziosen aus Großtante Gerlindes Vitrine. Deren mit üppigen Trotteln versehenen Gardinenhalter …" --- Großtante Gerlinde hatte schon immer eine Vorliebe für Männer, die übergewichtig und eher etwas ungeschickt waren. Nach der Erbschaft konnte sie sich mehrere Helfer im Haushalt leisten, so auch die, die ihr die Gardinen zur Seite hielten.
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