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Stil-Highlights der Woche Hier geht Ihnen ein Licht auf

Teelicht-Öfen wärmen die Seele, die Fast-Fashion-Suchtberatung hilft Teenagern und Augenbrauen verschwinden. Drei Trends, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Carmen Maiwald, Elisa von Hof und Maren Keller

Telefonseelsorge bei Fast-Fashion-Sucht

Priah Ferguson hilft Fashion-Victims

Priah Ferguson hilft Fashion-Victims

Foto: ThredUp

Der Kauf von Fast-Fashion kann ein Rausch sein. Ausgerechnet die Generation Z, die als Anwalt des Planeten, als Generation »Fridays for Future« gilt, verfällt ihm oft und kauft umweltschädliche Billigmode. Deswegen hat die US-amerikanische Secondhand-Modeplattform Thredup nun eine Fast-Fashion-Suchtberatung ins Leben gerufen: die »Fast Fashion Confessional Hotline«.

Wer die Nummer »1-855-THREDUP« in den USA wählt, hört am anderen Ende die aufgezeichnete Stimme des Stranger Things Teenie-Idols Priah Ferguson, ein Ex-Fast-Fashion-Junkie. Wahlweise hält Ferguson Anrufer, die gerade kurz vor einem Rückfall stehen, vom Fast-Fashion-Kauf ab oder klärt über die Abgründe der Industrie auf. Die Wegwerfmode vergleicht Ferguson mit Fertigpizza, die gebacken und direkt in den Müll geworfen wird und schreit ins Telefon: »Leute, Fast-Fashion-Marken werden weiterhin Müllcontainer-Pizza herstellen, BIS WIR AUFHÖREN, ES ZU KAUFEN.« Dann erzählt die 15-Jährige die Horrorgeschichte ihrer eigenen Fast-Fashion-Sucht, denn sie habe sich auch einiger »schlimmer Exzesse« schuldig gemacht. Als Ersatzdroge zu Fast-Fashion empfiehlt Ferguson Secondhandmode, denn die ist ebenfalls taschengeldkompatibel. Die Secondhand-Modeplattform Thredup hat also auch etwas Werbung in die Seelsorge eingeschleust. Wer bis zum Ende in der Leitung bleibt, kann in einer Voicemail ein Geständnis über die eigene Fast-Fashion-Sucht ablegen.

Die Sache mit den Generationen ist, dass es eh nie eine je richtig machen konnte: die emotional verhärmten Nachkriegskinder, die ignoranten Babyboomer, die verweichlichten Millennials, Sie wissen schon. Die heutige Generation könnte also die des Widerspruchs sein: Protest fürs Klima auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die täglich wechselnden viralen Modetrends auf TikTok und Instagram. Wie kann eine Generation beides sein: ultra moralisch und ultra modisch? Zumindest haben die Teenies dieser Generation ein Krisentelefon, sollten sie die eigene Widersprüchlichkeit nicht aushalten können. Carmen Maiwald

Die gefühlte Wärme der Teelicht-Öfen

Ein Teelicht-Ofen: So schön behaglich

Ein Teelicht-Ofen: So schön behaglich

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Es ist vielleicht nicht ganz wie beim Schmetterlingsschlag und dem Tornado, aber zu den doch eher unerwarteten Folgen von Putins Angriffskrieg gehört, dass ein fast vergessenes Grundschul-Bastelprojekt derzeit ein gewaltiges Comeback erlebt. Teelicht-Öfen werden – wie der Name schon sagt – aus Teelichtern gebaut, außerdem benötigt man zwei unterschiedlich große Ton-Blumentöpfe, einige Pflanztopffüße, ein paar Muffen, Muttern und Schrauben, sowie eine feuerfeste Unterlage. Das Basteln selbst dauert nur ein paar Minuten und ist nicht sonderlich schwer. Was auch dazu beitragen dürfte, dass so viele Menschen gerade ihre selbst gebastelten Teelicht-Öfen stolz in den sozialen Netzwerken präsentieren.

Daraufhin passiert jedes Mal das Gleiche: Irgendjemand postet den Link zu einem der vielen Artikel, die erklären, warum diese Öfen Unsinn sind. Und es entbrennt eine Teelicht-Ofen-Diskussion. Die Teelicht-Ofen-Kritiker rechnen vor, mit vier Teelichtern käme man maximal auf mickrige 160 Watt Heizleistung. Die Teelicht-Ofen-Befürworter entgegnen, es gehe ja auch um gefühlte Wärme. Stichwort Behaglichkeit. Denn wenn auf dem Wohnzimmertisch vier Teelichter flackern, wärmt das zumindest die Seele. Und überhaupt ist das Temperaturempfinden kein ganz rationales Gefühl. Dieselbe Temperatur, die auf Sardinien noch für Urlaubsstimmung sorgte, fühlt sich in Oer-Erkenschwicks Innenstadt unerträglich an. Vermutlich hat die plötzliche Beliebtheit der Teelicht-Öfen noch mit etwas ganz anderem zu tun: dem Bedürfnis, dem Wahnsinn der Welt nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Stichwort Selbstwirksamkeit. Und so gesehen ist der Teelicht-Ofen eigentlich auch nur eine Variante der selbst gestrickten Socke. Maren Keller

Augenbrauen verschwinden

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Zunächst sollten sie möglichst dünn sein, dann möglichst geschwungen, schließlich wurden sie ziemlich dunkel gefärbt und zuletzt mit Fixiergel so buschig wie möglich gestylt oder sogar nachtätowiert. Augenbrauen durchliefen in den vergangenen fünfzehn Jahren (und schon davor, klar) so viele Transformationsphasen, dass man sich sicher sein konnte: Kaum hat man sich mit einem Stil angefreundet (I look at you, Theo Waigel-Braue), kommt sicher der nächste Look um die Ecke. So wie jetzt. Falls Sie sich jetzt fragen, ob Sie wieder die Pinzette ansetzen müssen für den perfekten Y2K-Style – weil das 90er/00er-Jahre-Revival ja ohnehin die Garderobe dominiert und die Augenbrauen dann wenigstens mit der Low Rise Jeans harmonieren – müssen wir Sie enttäuschen. Die Pinzette kann wieder im hinteren Regal verschwinden, holen Sie stattdessen Wasserstoffperoxid raus.

Was man zunächst für einen Ausrutscher mit der Blondierungscreme halten konnte, beißt sich gerade auf Laufstegen und den Covern von Modemagazinen fest. Blondierte Augenbrauen sind überall. Kendall Jenner trug sie, Kim Kardashian ebenso, und auch Julia Fox, Bella und Gigi Hadid zeigten sich mit so blonden Augenbrauen, dass man die Haare kaum sah. Natürlich ist man auch auf TikTok begeistert von dem DIY-Trend. Denn wer nicht gleich zu Bleichmittel greifen will, kann auch mit hellem Concealer oder blondem Augenbrauengel nachhelfen. Das geht schneller – und lässt sich abends (oder wenn man merkt, dass das doch die falsche Entscheidung war) wieder entfernen.

Jetzt zu der wichtigsten und in Modefragen gleichzeitig sinnlosesten Frage: Was soll das? Erstens, es sieht krass aus, es gibt keinen besseren Begriff dafür. Erst mit kaum sichtbaren Augenbrauen fällt wirklich auf, wie stark sie das Gesicht rahmen. Man schaut sofort mehrfach hin – ein von der Schönheitsindustrie sicher begrüßter Effekt. Zweitens, die Augen wirken sofort wesentlich größer, sie überstrahlen das halbe Gesicht, als wäre ihnen eine Barriere genommen. Drittens, die Mimik ist schwerer lesbar. Schließlich lesen wir Gefühle (auch) an den Augenbrauen ab. Wenn die kaum zu sehen sind, lassen sich Zorn, Wut oder Erregung also schlechter verstehen – oder besser verstecken. Vielleicht muss Leo DiCaprio seiner Freundin Gigi Hadid dann tatsächlich zuhören. Viertens, warum eigentlich nicht? Elisa von Hof

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