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Max Zimmermann

Stil-Highlights der Woche Auf die Umdrehungen kommt es an

Vielfach gewundene Ringe, recycelte Herrenwesten und eine konfliktreiche Partnerschaft: drei Trends, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Sebastian Späth und Jana Felgenhauer

Tilly Ring

Foto: Max Zimmermann

Dass dieser Ring wie ein Spiralhaargummi daherkommt, ist, glaubt man seinem Designer, reiner Zufall und allein dem untypischen Herstellungsverfahren geschuldet. Anders als herkömmliche Ringe wird der »Tilly« nämlich nicht gegossen oder gebogen, sondern an einem Messingstab mittels Drehmaschine per Hand wie ein altes Telefonkabel aufgedreht. Anschließend wird die Spirale per Hitzeeinwirkung zu einem Ring geformt; die beiden Enden werden mithilfe eines Lasers verbunden, ohne dass eine Naht bleibt.

Hinter dem auffälligen Schmuckstück steckt das junge Berliner Unternehmen Tactile Studios, genauer gesagt der 33-jährige Sebastian Raphael, eigentlich Filmproduzent und Kreativchef eines Berliner Visual-Effects-Studios, der das Schmucklabel noch als Ein-Mann-Unternehmen führt. Über anderthalb Jahre litt Raphael unter einer Drogensucht und einer Angststörung, die ihn aus dem Berufsleben schmissen. Er suchte nach einem Projekt, das ihm nach der schwierigen Zeit helfen sollte, wieder zurück in die Bahn zu kommen – und entwickelte den ungewöhnlichen Unisex-Ring. Erst hinterher sei ihm aufgefallen, dass seine Kreation durch ihre geschwungene Form auch eine stressmildernde Wirkung entfaltet, wenn man sie zwischen die Finger der anderen Hand nimmt und daran dreht, so der Designer. Inzwischen gibt es auch die passenden Ohrringe. Sebastian Späth

Herrenweste für Damen

Foto: John Nacion / NurPhoto / IMAGO

Coco Chanel, Marlene Dietrich und Katha­rine Hepburn definierten in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts Frauenkleidung neu, indem sie sich bei der Männermode bedienten. Seitdem erlebt der Hosenanzug alle paar Jahre ein Revival in den Kleiderschränken von Frauen, Ähnliches gilt für klassische Herrenschuhe – und in diesem Sommer wird die Weste gefeiert.

Nicht nur Schauspielerin Hilary Swank (Foto), Model Alessandra Ambrosio oder Popstar Taylor Swift sind mit dem Teil gesichtet worden. Es wird als elegante Alternative zum Sommertop eingesetzt, oft kombiniert mit weit geschnittenen Bundfaltenhosen. Die Weste kann dabei oversized ausfallen oder auf Bauch­nabelhöhe enden und gilt auch dann noch als businesstauglich, wenn darunter blanke Haut getragen wird. Das zeigt: Frauen genießen noch immer die Freiheit, mehr aus Mode zu machen als Männer. Diese bedienen sich sehr viel seltener an typisch weiblicher Bekleidung. Das war mal anders.

Gehobene Männerkleidung fiel im Barock rüschig und opulent aus. Die Verbreitung der Weste als Standardkleidungsstück haben wir dem eng­lischen König Karl II. zu verdanken, der schon Mitte des 17. Jahrhunderts einen unprätentiösen, praktischen Stil pflegte. Genervt von der Extra­vaganz seiner Höflinge, die sich modisch am Konkurrenten Frankreich orientierten, führte er im Jahr 1666 ein neues Must-have ein: die Weste. Sie komplettiert seither für Männer eine elegante, gleichwohl schlichte Kombination aus Sakko, Hemd und Hose – und wirkt genauso jetzt in abgewandelter Form als Sommerlook bei Frauen. Jana Felgenhauer

Yeezy Gap Engineered by Balenciaga

Foto: Yeezy Gap / Balenciaga

Es ist zwar auch nur eine weitere dieser unerlässlich wiederkehrenden Kooperationen zwischen Billigmode-Konzern und Promi-Designer, doch wenn sich die »New York Times« auf 16.000 Zeichen darüber auslässt, kann man davon ausgehen, dass es zumindest keine gewöhnliche ist. Öffentlich wurde die Partnerschaft zwischen dem als Kanye West bekannt gewordenen Künstler (jetzt einfach nur »Ye«), der seine Karriere mit Musik begründete, sein Vermögen allerdings mit seinen Yeezy-Sneakern machte (zwei Milliarden Dollar, schätzt Forbes), und dem zuletzt strauchelnden US-Modekonzern Gap zwar schon vor gut zweieinhalb Jahren, jetzt erst kommt die Kollektion in die Läden: Unisex-T-Shirts, doppellagige Hoodies und Longsleeves mit rückengroßem Taubenmotiv. Alles düster wie immer.

Die Verzögerung liegt, wie sich der »New York Times« entnehmen lässt, vor allem daran, dass die Zusammenarbeit beider Parteien gelinde gesagt bisher nicht ganz reibungslos verlief. Von durch Ye verschlissenen Mitarbeitern wird berichtet, ergebnislos verstrichenen Monaten, die er offenbar vor allem damit zugebracht hat, erwartungsvoll vor sich hinzustarren, sodass in den ersten 18 Monaten nur zwei Produkte herausgebracht wurden. Klar, dass sich die Erwartung des Konzerns, mit der Kooperation eine Milliarde Dollar pro Jahr umzusetzen, so natürlich nicht erfüllte. Erst als ein Dritter, das französische Luxushaus Balenciaga, in die Zusammenarbeit eintrat, wurde dieses Jahr endlich eine vollständige Kollektion veröffentlicht, was wiederum deren sperrigen Namen erklärt: Yeezy Gap engineered by Balenciaga. Ob man es bei Gap inzwischen schon bereut, sich gleich für zehn Jahre vertraglich an Ye gebunden zu haben? Sebastian Späth

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