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Tipps für mehr Platz in der Wohnung Wenn das Home zum Office wird

Der erste Schritt für Platz in der Wohnung? Aufräumen. Doch ist das einmal erledigt, geht noch mehr. Hier verraten drei Innenarchitekten, wie sie mit Licht, Farben und Möbeln arbeiten.
Von Isabel Metzger

Seit Beginn der Coronakrise verbringen viele von uns die meiste Zeit in der eigenen Wohnung. Gerade in den Städten und in kleineren Apartments wird das zum Problem: Das Wohnzimmer ist gleichzeitig Arbeitszimmer und Pausenraum. Und das oft für mehrere Personen, große und kleine.

Was also tun, um das Leben auf engem Raum angenehm zu machen? Wir sprachen mit den drei Innenarchitekten und Designern Sebastian Zenker, Peter Ippolito und Karim El-Ishmawi darüber, wie sich Platz schaffen lässt. Und wie die eigene Wohnung mit ein paar Tricks - zumindest gefühlt - größer wird.

Der erste Schritt: "Sichtbare Fläche schaffen"

Der erste Schritt für mehr Platz in der Wohnung - auch wenn es niemand gern hören mag - ist das Aufräumen. Klingt erst einmal logisch: Je weniger herumliegt, desto mehr Bewegungsfreiheit. Dazu kommt aber auch ein optischer Effekt: "Wenn wir unsere Sachen ordnen, dann hilft uns das, den freien Raum besser wahrzunehmen", sagt Innenarchitekt Peter Ippolito. Ein Zimmer wirke dann oft größer. "Sichtbare Fläche schaffen", rät darum auch Karim El-Ishmawi. Einzelne Bereiche ließen sich so vereinfachen und reduzieren.

Dekoration im Raum ist trotzdem erlaubt. "Der eine mag vielleicht die supercleane Wohnung", sagt Sebastian Zenker. "Der andere mag es lieber im gemütlichen Boudoir-Stil." Hier dürfe dann ruhig ein bisschen "mehr passieren", mit Kissen und Bildern im Regal. Hauptsache: Der Betroffene fühlt sich wohl. Wichtig sei nur, dass der Raum nicht "zerfällt", sagt Zenker: "Sie sollten im Zimmer am besten kleine Zonen schaffen." Heißt: Nicht den kompletten Raum im gleichen Design halten, sondern ihn optisch aufteilen.

Die Struktur: "Es geht darum, Rhythmus zu schaffen"

Klare Strukturen im Zimmer bringen mehr Komfort, das kann durch die Anordnung der Möbel passieren. Ippolito rät, gezielt großflächige Regale und Details abzuwechseln. "Wenn Sie in den Raum mit vielen kleinen Möbeln einen hohen Schrank stellen, dann lenken Sie den Fokus auf ihn." Selbst Krimskrams, der sich an anderer Stelle stapelt, würde so anders wahrgenommen. Auch beengte Bereiche im Zimmer sind okay, solange es nicht überall gleich aussieht: Wenn eine Wand mit Bildern und Möbeln vollgestellt ist, sollte eine andere besser weitgehend frei sein. "Es geht darum, Rhythmus zu schaffen: Enge zu Weite, nah zu fern, groß zu klein", sagt Ippolito. Selbst kleine Räume wirken damit größer.

Die Höhe: Gern betonen

"Die Höhe sollten Sie besonders in Altbauwohnungen durch lang gestreckte Vorhänge oder Regale betonen", sagt El-Ishmawi. Von Querstreifen sei abzuraten. Bei Bedarf lasse sich auch eine weitere Ebene einziehen. Damit entsteht nicht nur mehr Stauraum: "Wenn ich meine Position in so einem Raum ändere, bekomme ich damit auch unterschiedliche Perspektiven."

Das Licht: Keine große Lampe in der Mitte, bitte

Mehr Blickwinkel, mehr unterschiedliche Erlebnisse in einem Raum: Lichteindrücke können helfen. "Das schlimmste, was Sie tun können, ist eine große Lampe in der Mitte aufzuhängen", sagt Ippolito. "Dann sieht der Raum fast immer überall gleich schlecht aus." Besser sei es mit mehreren Lampen zu arbeiten und so die Lichtatmosphäre zu variieren: In der Sofaecke kann das eine Wandleuchte sein. Am Arbeitstisch eine Tischlampe. "Wichtig ist, dass Sie Differenzierung schaffen", sagt Ippolito. "Damit Sie auch in einem kleinen Raum viel erleben können."

Die Farbe: Gut für die schnelle Wirkung

Farben erzielen ähnliche Effekte. "Wenn Sie eine schnelle Wirkung sehen möchten, dann genügt es oft, eine oder mehrere Zimmerwände zu streichen", sagt Sebastian Zenker. Farben wie dunkelblau empfiehlt er für die Ruhebereiche im Zimmer wie das Sofa oder die Barecke. "Damit assoziieren wir Wärme und Geborgenheit."

Für Arbeitsbereiche ließe sich dagegen auch ein knalliges Orange wählen. Klingt schräg, in einem Raum? "Unterschiedliche Farben lassen sich problemlos kombinieren", sagt Zenker. Eine Highlightwand fürs konzentrierte Arbeiten, eine blaue als Rückzugszone: "Das können Sie auch im selben Zimmer anlegen." Nach Zenkers Einschätzungen geht der Trend ohnehin weg von Ton in Ton zu bunterem Innenraumdesign: "Und wenn es einem gar nicht mehr gefällt, dann streicht man es einfach wieder in einer anderen Farbe."

Die Möbel: Wie lassen sie sich mehrfach verwenden?

Nicht immer ist eine Raumaufteilung möglich. Im Einzimmerapartment hält ein und derselbe Tisch manchmal fürs Essen, Arbeiten und den Fernsehabend her. El-Ishmawi rät deshalb, Möbel anzuschaffen, die sich möglichst mehrfach nutzen lassen: eine Sitzbank mit zusätzlichem Stauraum, ein Regal mit ausklappbarem Tisch. "So kann ich die Fläche optimal ausnutzen", sagt El-Ishmawi. Selbst unscheinbare Bereiche können oft neue Funktionen bekommen: Ein Fensterbrett wird mit Kissen zur Sitzgelegenheit. Eine Anrichte mit Barhockern zur Lounge.

Die Raumaufteilung: "Überlegen Sie genau, wie Sie Ihre Zimmer nutzen"

In jedem Fall sollten Homeoffice-Nutzer keine Angst haben, wenn sich an der Aufteilung der Wohnung etwas ändert. "Die früher klassische Raumaufteilung von Küche, Bad, Esszimmer und Schlafzimmer gilt für viele heute ohnehin nicht mehr", sagt Ippolito. Küche und Essen sind demnach oft zusammengewachsen. "Auch das Wohnzimmer als die klassische gute Stube und Repräsentationszimmer ist nicht mehr aktuell", sagt Ippolito. Fernseher gibt es oft nicht, Filme laufen stattdessen auf dem Laptop. Er rät deshalb dazu, alte Gewohnheiten zu überprüfen. "Überlegen Sie genau, wie Sie Ihre Zimmer nutzen und was Sie im Alltag wirklich brauchen", sagt Ippolito. "Das Ergebnis ist oft schon platzsparend genug."