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Süßigkeit Turrón: Spaniens weißes Gold

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Spanische Süßigkeit Turrón Weihnachtlicher Plombenzieher

Was für Deutsche das Weihnachtsplätzchen, ist für Spanier Turrón. Gut ein Kilo der zuckrigen Leckerei wird in der Vorweihnachtszeit pro Kopf verspeist. Was steckt in der zähen Köstlichkeit?

Madrid - Wer sich in der Vorweihnachtszeit in Spanien auf die Suche nach Weihnachtsleckereien begibt, der kann nach Spekulatius und Lebkuchen lange suchen. Stattdessen regiert eine ganz besondere Süßigkeit die Supermärkte: Turrón.

Die Spezialität aus Mandeln, Honig, Zucker und Ei, die ähnlich wie Schokoladentafeln in flachen Rechtecken verkauft wird, ist für Spanier das, was für Deutsche das Weihnachtsplätzchen ist.

Da in Spanien die große Bescherung traditionell erst am 6. Januar zum Dreikönigstag stattfindet, steht an Heiligabend der kulinarische Genuss im Mittelpunkt - unter anderem mit Turrón. Dass die Süßigkeit auf keinem Weihnachtstisch fehlt, dafür sorgt auch Carlos Ibañez Méndez, einer der zahlreichen Hersteller in Spanien. In seiner Manufaktur in Madrid produziert der 22-Jährige die Spezialität.

Wie man die süße Masse herstellt? Honig erhitzen, mit Zucker mischen und Eiklar dazugeben. Das klebrige Gemisch dann mit Mandeln anreichern, an der Luft trocknen lassen, und fertig ist die weihnachtliche Kalorienbombe - zuschauen erlaubt Méndez allerdings nicht: "Obwohl die Grundzutaten immer gleich sind, hat doch jeder Hersteller sein persönliches Geheimrezept", sagt der Zuckerbäcker.

In der Vorweihnachtszeit gehen in seiner Manufaktur Casa Mira gut 10.000 Kilo Turrón über die Theke. Die Anzahl der Mitarbeiter wird daher für November und Dezember verdreifacht. In dicken Scheiben schneiden Frauen Turrón zurecht, der in Blöcken aufgereiht auf der Ladentheke liegt. Schoko-Turrón, Mandel-Turrón, Turrón mit Früchten, Kokosflocken oder Pinienkernen, hartes und butterweiches Turrón - die Auswahl ist groß für die Kunden, die kurz vor den Festtagen den Laden stürmen.

Nicht nur die Spanier lieben ihre Delikatesse. In den letzten Jahren wurde Turrón sogar zum Exportschlager und eroberte den asiatischen und den arabischen Markt. Südamerika und Europa sind schon länger beliebte Absatzmärkte.

Carlos Ibañez Méndez in der Casa Mira: Weich, hart, mit Kokos oder Pinienkernen

Carlos Ibañez Méndez in der Casa Mira: Weich, hart, mit Kokos oder Pinienkernen

Foto: Emilio Rappold/ picture alliance / dpa

Doch aufgepasst: Turrón ist nicht gleich Turrón. Für Puristen gibt es im Prinzip zwei Sorten: den butterweichen Turrón, der vor allem in Andalusien gegessen wird, und die etwas härtere Variante, die beispielsweise in Galicien bevorzugt auf den Weihnachtstisch kommt. Diese ursprüngliche Variante ist cremefarben oder beige - und wird daher auch als "Weißes Gold" bezeichnet. Darüber hinaus sind der Kreativität der Zuckerbäcker keine Grenzen gesetzt - aber pssst, alles Geheimrezepte.

Selbst in der traditionellen Weihnachtsgeschichte hat Turrón seinen Platz: Bevor die Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Krippe in Bethlehem erreichen, bringen sie den Kindern in der Nacht Geschenke. Zum Dank wird den heiß ersehnten Besuchern ein Tablett mit gezuckerten Mandeln, drei Gläsern süßem Wein und - natürlich - Turrón vor die Tür gestellt. Gut ein Kilogramm verzehrt jeder Spanier in der Weihnachtszeit.

Wo kommt Turrón her? Die Stadt Alicante erhebt für sich den Anspruch, Ursprung der Leckerei zu sein, gleichzeitig bezeichnet sich das Bergdorf Jijona in der Provinz Alicante als Mekka des Turrón. Auch Méndez' Laden hat seinen Ursprung in Jijona. 1842 wanderte sein Ururgroßvater von dort aus und brachte den Turrón nach Madrid. 1855 eröffnete er die Manufaktur, die noch heute im Familienbesitz ist.

Wer sich mit der Geschichte des Turrón befassen will, muss jedoch noch weiter in die Vergangenheit reisen. Schon die alten Griechen, so heißt es, sollen eine Turrón-ähnliche Paste aus Nüssen, Mandeln, und Honig zubereitet haben, die den Sportlern bei den Wettkämpfen in Olympia Kraft verleihen sollte.

Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde die spanische Delikatesse dann im 16. Jahrhundert, und zwar höchst offiziell vom Consejo Regulador de las Indicaciones Geográficas Protegidas, der Kontrollbehörde für gebietsgeschützte Lebensmittel. Die Araber seien es gewesen, die die Süßigkeit nach Jijona und Alicante brachten, heißt es in der Schrift. Außerdem munkelt man, dass die Stadt Alicante an Weihnachten sogar die Löhne teilweise mit Turrón auszahlte.

Welche Legende nun wahr ist und wo Turrón wirklich seinen Ursprung hat, wird wohl nie herausgefunden werden. Aber das ist für die große Mehrheit der Spanier auch unwichtig. Spätestens wenn die Weihnachtssüßigkeit an Heiligabend auf den Tisch kommt, sind auch die Streitereien zwischen Jijona und Alicante vergessen.

Julia Gurol/dpa/jkö
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