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20. August 2019, 19:33 Uhr

Bildband "Ultimate Toys for Men"

Für den Polo-Prolo

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Ein neuer Bildband über Luxusartikel verspricht "Alles, was den Mann bewegt". Geboten wird eine altbackene Spielzeugsammlung für Alphatiere und solche, die's gern wären.

Versandkataloge sind von gestern. Doch genauso kommt "Ultimate Toys for Men" daher - wie ein Katalog aus dem Luxussegment. Eine Wunschliste für große Jungs.

Das Sammelsurium ist so erwartbar wie altbacken: Luxusautos, Luxusboote, teure Uhren, exklusive Messer, ein wenig Hightech und - damit die Zusammenstellung nicht vollkommen uninspiriert wirkt - noch ein paar Kuriositäten: Skier aus Granit, Ferienhäuser, ein Cocktail-Rüttler und Monika Matschnig.

Monika Matschnig? Nein, eine Frau als Spielzeug zu präsentieren, so weit geht selbst dieses Machwerk nicht. Matschnig ist ehemalige österreichische Volleyballnationalspielerin, Diplom-Psychologin und Coach für "Körpersprache und Wirkungskompetenz". Sie macht ihr Geld mit Ratschlägen wie: "Nicht authentisch zu sein, stattdessen gekonnt eine Rolle zu spielen, ist ein Erfolgsfaktor." Insofern passt Matschnig hervorragend in dieses Buch.

Allesamt dienen die angepriesenen Objekte Männern dazu, etwas darzustellen: das Alphatier, den Boss-Typ, dessen Statussymbole die Konkurrenten einschüchternd beeindrucken sollen und Frauen anziehen. Klischees halt.

Deshalb ist vermutlich überrascht, wer auf Seite 149 erkennt, dass die Werbebilder des Bootsbauers dort keinen Sugardaddy und seine zwei Gespielinnen an Deck eines Luxusboots zeigen. Die drei sollen eine Familie darstellen und sehen nur zufällig aus wie ein Häuptling mit seinen beiden Mädels auf Spritztour. Das offenbart sich aber erst bei ganz genauer Betrachtung und wenn der Blick nicht abgelenkt ist vom Mahagoni des Bootsrumpfs.

Politisch korrekte Spielzeuge für den bewegten Mann

Nach einmal Umblättern ist der Kapitän dann verschwunden, und die Frauen sind am Ruder. Auch in der Werbung für vermeintliche Männerspielzeuge wird inzwischen ein anderer Kurs eingeschlagen. Sex verkauft zwar immer noch, aber er darf halt nicht mehr so offensichtlich angepriesen werden. Nicht authentisch sein, eine Rolle spielen. Aus demselben Grund gesellen sich zu den Sportwagen im ersten Kapitel auch einige Flitzer mit Elektroantrieb. Politisch korrekte Spielzeuge für den bewegten Mann.

Natürlich spricht nichts dagegen, von einem Motorboot zu träumen oder einem Sportwagen, auch nicht, um damit, begleitet von schönen Menschen, in den Sonnenuntergang zu düsen. Doch in dieser Ballung sind die Machospielsachen so klischeehaft, dass es fast schon wehtut. Bei einigen Produkten stellt sich die Frage, wer überhaupt von ihnen träumt. Vielleicht noch nicht bei den lila Schlangenlederschuhen Modell Thomas Gottschalk, aber spätestens beim mechanischen Cocktailshaker.

Man stelle sich James Bond an der Drehkurbel einer solchen Apparatur vor, der zählt doch was bei der Zielgruppe solcher Bücher. Geht nicht. Eben. 007 würde auch keinen Wagen fahren, auf dem die Dreckspuren nur aufgemalt sind.

"Fake Patina", dank derer jeder Wagen bei einer Rallye so aussieht, "als hätte er sie bereits gewonnen".

Besser lässt es sich kaum werbetexten

Problematisch sind die Produktvorstellungen aber noch aus einem anderen Grund. Die Begleittexte sind so schwärmerisch geraten, dass sie auch direkt vom Hersteller stammen könnten. "Ein exklusives Open-Air-Erlebnis für Fahrer und Beifahrer" heißt es über ein Cabrio eines italienischen Autobauers, der erstaunlich oft auftaucht in dem Buch. Selbst im Kapitel zu Uhren ist die Marke präsent.

Dort findet sich auch das Werbemotiv eines anderen Uhrmachers mit dessen Hollywood-Testimonials, genannt "Cinema Squad". Sie "stehen für die Dynamik eines Teams, das seine Mission gemeinsam verfolgt". Besser lässt es sich kaum werbetexten. So zieht es sich durch das ganze Buch: Kopfhörer sind "exakt ausbalanciert", ein Weinkühlschrank hat "bequem ausziehbare" Schubladen, und ein Winzer darf die dankbare Frage beantworten, warum sein Wein als "so einzigartig" hervorgehoben wird.

Am Ende des Buchs hat der Leser etliche Kaufgründe für Dinge, die er sich nicht leisten kann, er kennt die Namen von Menschen, die es können, und er weiß, wo er urlauben muss. Natürlich auf Mallorca und in Kitzbühel. Wo sonst?

Für diejenigen, denen derartige Konsumfreuden verwehrt bleiben, bietet das Buch auch noch Lebenshilfe. "Luxus auf Zeit", heißt es, sei inzwischen "der Gipfel des Genießens", besser Mieten als gar nicht haben. Es genügt die Nachahmung. Das gilt bei den "Ultimate Toys for Men" sogar für die Verpackung. Der Bucheinband ist aus Veloursimitat. Sieht edel aus, ist aber nicht das Wahre.

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