Ein Glas für alle Fälle Was taugen Wein-Universalgläser?

Sie brauchen nicht für jede Rebsorte ein spezielles Glas. Ein Universalglas ist aber nicht immer die richtige Wahl. Worauf man achten sollte und Faustregeln dafür, welcher Wein in welches Glas gehört.
Von Gerald Franz
Ein Weinglas für alle Fälle? Ganz so einfach ist es leider nicht.

Ein Weinglas für alle Fälle? Ganz so einfach ist es leider nicht.

Foto: David Pan/ Gabriel-Glas

Wer seinen Wein nicht aus Bechern trinkt, hat in der Regel mindestens drei verschiedene Gläsersorten daheim: Weiß, Rot, Sekt. Bei ambitionierten Weinliebhabern sind es oft noch mehr. Nun wollen uns ausgerechnet die Weinglasproduzenten weismachen, dass ein Glas reicht - wenn es denn das richtige ist. Sogenannte Universalgläser bieten inzwischen viele namhafte Hersteller an. Das macht die Sache aber keinesfalls einfacher. Im Gegenteil.

Jede Marke hat eine eigene Weltanschauung. Mindestens. Einige haben auch noch verschiedene Serien im Programm, jede mit einer eigenen "Philosophie". Manchmal geht es einfach um ein paar Gläser für Weißwein und Rotwein. Andere fassen Weintypen zu Gruppen zusammen, unabhängig von der Farbe. Und dann gibt es noch die Spezialgläser für bestimmte Rebsorten. Selbst Spätburgunder aus der alten und der neuen Welt werden dann noch einmal getrennt behandelt.

Bei dieser Unübersichtlichkeit scheint die Idee verlockend, ein richtig gutes Glas für alle Weine zu haben. Doch so einfach ist es nicht. Nur mal angenommen, es gäbe eine Formel für ein Allzweckglas. Warum sehen die Allrounder dann so unterschiedlich aus? Höhe, Breite, Volumen, Form - alles von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

  • Das "Universalglas" von Zalto etwa hat einen relativ breiten und flachen Glasboden. Der Kelch ist stark in die Höhe gezogen, schließt sich jedoch nur leicht.
  • Das Gabriel-Glas - der einzige Hersteller von ausschließlich Universalgläsern - ist dagegen am Scheitelpunkt ein klein wenig breiter, der Kelch aber gedrungener und gleichzeitig konischer.
  • Beim "Vulcano"-Universalglas von Stölzle ist der Kelch tulpenförmig, sitzt deutlich tiefer und im Glasboden erhebt sich eine pilzartige Ausstülpung.
  • Insgesamt etwa gleich hoch ist das "Allround"-Weinglas von Schott Zwiesel, der Kelch jedoch zeigt einen markanten Scheitelpunkt und verjüngt sich sowohl ober- als auch unterhalb davon.
  • Aus der Premiumsparte, von Zwiesel 1872, stammt das Degustations-Glas "The First". Es ist das höchste der fünf Modelle, die Kelchform ähnelt dem des "Allround"-Modells, ist aber noch mehr in die Länge gezogen und schließt sich stärker.

Je teurer, desto besser

Wie unterschiedlich universal sein kann, zeigt sich auch beim Preis. Die Spannbreite reicht von sechs bis 50 Euro, wobei die hochpreisigen Modelle alle mundgeblasen sind. Tatsächlich gilt: Je teurer, desto besser. Die dickeren maschinengefertigten Gläser, also das "Vulcano" und das "Allround", wirken auch etwas plump. Ihre geringe Höhe verstärkt diesen Eindruck noch.

Das Gabriel-Glas gibt es neben der handgefertigten Version auch in einer annähernd formgleichen Fabrikvariante. Von den günstigeren Gläsern überzeugt dieses noch am ehesten: Die Proportionen stimmen, der Wein lässt sich gut schwenken, und das Glas macht auch auf dem Tisch etwas her.

In der Topliga nehmen die Unterschiede nicht ab. Während das dickbauchige Zalto auch für saftige Rotweine gut geeignet ist, gewinnen im relativ geschlossenen Degustationsglas von Zwiesel 1872 eher mineralische Weiß- und Schaumweine. Fülligere Weißweine passen gut in das mundgeblasene Gabriel-Glas mit seinem zarten Stiel, breiten Weinspiegel und nicht allzu hohem Kelch.

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Brauchbare Universalweingläser

Foto: ZALTO Glas

Die Universalgläser haben durchaus ihre Berechtigung, nur die Produktbezeichnung ist irreführend. So räumen auch manche Hersteller im Kleingedruckten ein, dass ihr Allrounder dann doch nur "den meisten" Weintypen (Zwiesel 1872) gerecht wird oder mit manchen Weinarten "besonders" harmoniert (Zalto).

Zwiesel 1872 hat mit seinem Degustations-Glas im Grunde beschrieben, wofür die Einheitsformen am besten taugen: zum Wein verkosten. Schließlich ist es zu umständlich, bei einer Weinprobe ständig die Gläser zu wechseln. Im privaten Rahmen wird in der Regel aber eine einzige Flasche entkorkt. Dazu gibt es dann das Glas, das am besten dazu passt. Dabei helfen ein paar Faustregeln:

  • Kelchvolumen: Fülligere Weine kommen in größere Gläser.
  • Weinspiegel: Was sich erwärmen darf, bekommt einen breiten Weinspiegel. Und umgekehrt.
  • Kaminform: Konisch bei spritzigen, offener bei gehaltvolleren Weißweinen. Kräftige Rotweine in langgezogene und leicht konische Gläser, feinere Rotweine in ballonförmige.
  • Stiellänge: Lang genug, damit man den Wein problemlos schwenken kann.

Darüber hinaus gilt: Kaufen Sie sich ruhig ein Universalglas - aber werfen Sie Ihre anderen Weingläser bloß nicht weg!


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog "Weinsprech ".

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