Victoria's Secret cancelt Show Dieses Jahr keine Weihnachtsengel

Die US-Dessous-Marke Victoria's Secret verzichtet 2019 auf ihre berühmte Modenschau. Die Zuschauerzahlen waren zuletzt im Keller - und die Firma hat Imageprobleme, auch durch den Skandal um Jeffrey Epstein.

Martha Hunt bei der Victoria's Secret Show 2017 in Shanghai
AFP

Martha Hunt bei der Victoria's Secret Show 2017 in Shanghai


Alle Jahre wieder kommen Victoria's Engel. Damit ist nun erstmal Schluss. Die Unterwäscheschau der US-Marke Victoria's Secret gehörte lange zum festen Teil des Weihnachtsprogramms im US-Fernsehen. Doch in diesem Jahr wird es kein TV-Spektakel mit leicht bekleideten, Flügel tragenden Topmodels geben. Die US-Dessous-Marke Victoria's Secret will ihre berühmte Modenschau in diesem Jahr streichen.

Nach Berichten mehrerer US-Medien teilte der Mutterkonzern L Brands die Entscheidung am Donnerstag in einem Telefonat mit Analysten mit. Die Show kämpft demnach seit Jahren mit sinkenden Zuschauerzahlen, 2018 hätten diese einen Tiefpunkt erreicht.

Doch nicht nur die Zuschauerzahlen waren zuletzt im Keller. Auch die Verkaufszahlen sinken und die Aktie des Mutterkonzerns ist im Sturzflug: Die einst schillernde US-Modemarke hat sich bei L Brands vom Aushängeschild zum Problemfall entwickelt.

"Sex sells" - not anymore

Das Reizwäsche-Label, das bei seinen Modenschauen stets die internationale Elite der Topmodels über den Laufsteg schickte, trifft den Nerv vieler Kundinnen nicht mehr. Der Blick auf Schönheitsideale hat sich gewandelt. Makellose, leichtbekleidete Frauenkörper sind das falsche Bild in Zeiten reger "Body Shaming"-Debatten und der #MeToo-Bewegung.

Zusätzlichen Zunder lieferte Marketingchef Ed Razek, als er 2018 in einem Interview mit der US-Ausgabe der "Vogue" gesagt hatte, seine Firma buche keine Transgender-Models, "weil die Show eine Fantasie ist". Das hat sich inzwischen geändert. Razek ist im August nach 15 Jahren im Unternehmen ausgeschieden. Außerdem wurde mit Valentina Sampaio erstmals eine Transfrau für eine Kampagne gebucht.

Starke Konkurrenz

Diese PR-Probleme nutzt die Konkurrenz. Das zu American Eagle Outfitters gehörende Unterwäschelabel Aerie verzichtet schon seit Jahren auf manipulierte Fotos in ihren Werbeanzeigen. Für seine Kampagne bucht Aerie Frauen in allen Formen und Farben, auch eine Rollstuhlfahrerin und eine Frau mit künstlichem Darmausgang gehörten schon zum Models-Cast. Die Botschaft kommt gut an bei den Kundinnen. Das Label eilt von Rekordumsatz zu Rekordumsatz.

Victoria's Secret habe zuletzt Kunden an die Konkurrenz verloren, hieß es nun auch beim US-Fernsehsender CNN. Dazu dürfte auch Fenty X Savage gehören. Die Unterwäschemarke von Popstar Rihanna setzt ebenfalls auf diverse Casts. Ansonsten ist das Angebot vergleichbar, denn optisch ähnelt die Rihanna-Reizwäsche der von Victoria's Secret. Allerdings ist das Image viel besser.

Verbindungen zu Jeffrey Epstein

Die L-Brands-Marke kämpft nämlich zusätzlich mit den Nachwehen des Epstein-Skandals. Der Gründer von L Brands, Leslie Wexner, hatte enge Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der sich im August in der Haft das Leben nahm. Lange Jahre hatte Wexner offenbar nahezu blindes Vertrauen in Epstein und übertrug ihm große Vermögenswerte.

Vollkommen überraschend kommt das Aus für die Secret-Schau nicht. "Wir glauben, dass eine TV-Show nicht das richtige Format für die Zukunft ist", hatte Leslie Wexner bereits im Mai angekündigt.

löw/dpa



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