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Vivienne Westwood wird 80 Punk's Not Dead

Traditionell und doch immer auf der Höhe der Zeit: Vivienne Westwoods Leben und Mode verbinden Royalismus und Anarchismus, Punk-Attitüde und Haute Couture. Eine Würdigung zum 80. Geburtstag der britischen Designerin.
Von Philipp Löwe
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Vivienne Westwood wollte eigentlich Schriftstellerin werden, nach ihrer Schulzeit arbeitet sie als Grundschullehrerin. Mitte der Sechziger, kurz nach der Trennung von ihrem ersten Mann, lernte sie Malcom McLaren (M.) kennen. Mit dem Gründer und Manager der Sex Pistols verkaufte sie zunächst Selbstgemachtes auf dem Flohmarkt in der Londoner Portobello Road. An ihrem Stand gab es neben Schmuck auch erste provokante T-Shirts mit Phallusmotiven.

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1971, Westwood war damals 30, eröffnete das Paar in der Londoner Kings Road 430 einen Secondhandladen mit Rockersachen aus den Fünfzigern. Später änderten sie den Namen von »Let it Rock« in »Too Fast to Live, Too Young to Die« (»Zu schnell zum Leben, zu jung zum Sterben«) und stiegen um auf Lederkleidung mit Reißverschlüssen, Nieten und Nägeln. Mitte der Siebziger hieß der Shop dann einfach »Sex« und spielte mit Fetischmode. Sex sells: Vivienne Westwood (4. v. l.) posiert 1976 mit FreundInnen im »Sex«-Shop.

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McLaren und Westwood prägten in dieser Zeit die Punkrockmode. Sie verkauften lose gestrickte Pullover, die eher wie Netzhemden aussahen, zerschnitten T-Shirts, auf die sie per Hand Provokationen kritzelten, zeigten die Embleme und Nähte ihrer Kleidung – alles war genehm, solange es schockierte und nicht perfekt war. Auch die Fetischkleidung aus ihrem Laden lieferte ihnen Ideen. Der SM-Einfluss war in den T-Shirts der Sex Pistols genauso zu sehen wie in Westwoods späteren Kollektionen. Etwa 1976 in einem Bondage-Anzug mit Schnallen und Gurten um den Körper, oder später in Form von Lederkrawatten mit Reißverschluss, hinter dem sich Bilder von Pin-up-Girls versteckten.

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Später hieß der Laden in der Kings Road dann »Seditionaries: Clothes for Heroes« (»Aufwiegler: Klamotten für Helden«) und in den Achtzigern schließlich »World's End«. Damals entstanden richtungsweisende Kollektionen wie »Pirates« (1981), »Buffalo Girls« (1982) und »Witches« (1983). Die Uhr über dem Laden wurde 2004 in der ersten großen Retrospektive über Westwood im Londoner Victoria and Albert Museum ausgestellt.

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»Piratenmode« mit Zweispitz-Hüten für den Kopf, Rüschen und Bändern für die Taille sowie Becherstiefeln für die Füße: Foto von der ersten Westwood-McLaren-Modenschau. Die Herbstkollektion zeigten sie im Frühjahr 1981 in London – wo sonst.

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London, 1983: Malcolm McLaren (l.) und Models in Entwürfen aus der »Buffalo«-Kollektion, zu der neben übergroßen Mountie-Hüten unter anderem Schafslederjacken in Schlammfarben gehörten. Drei Jahre nach dem Foto trennte sich das Paar, das einen gemeinsamen Sohn hat. Westwood machte allein weiter und wurde noch erfolgreicher.

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Westwood in einem von ihr und Malcolm McLaren entworfenen Sex-Pistols-Shirt. Das Foto entstand Mitte der Siebziger, lange bevor ihr der selbst befeuerte Ausverkauf des Punks zuwider war und sie sich anderen Moderichtungen zuwandte.

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Zu Westwoods Markenzeichen gehörten früh T-Shirts mit Anti-Phrasen wie »Only Anarchists are Pretty« (»Nur Anarchisten sind hübsch«) oder »Destroy« (»Zerstört«). Mit dieser Aufforderung konterkariert ließ sie dann auch Hakenkreuze auf ihre T-Shirts drucken. Hier zu sehen an zwei jungen Menschen um 1980 in London.

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Neben der Provokation gehörte auch immer der Protest dazu: Hier posiert Westwood vor dem Londoner National History Museum gegen Budgetkürzungen. Die Feigenblätter, die die weiblichen Geschlechtsteile bedecken, tauchten später immer wieder in ihrer Mode auf, teils auch abgewandelt als Herzen oder Fellstücke.

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Hier zum Beispiel – zu einem Mantel mit Schleppe aus Westwoods Herbstkollektion 1992.

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Oder hier: Carla Bruni 1994 in Westwood – lange vor Sarkozy.

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Unter dem »Gold Label« zeigte Westwood ab den Neunzigern hochpreisige Damenmode auf den Laufstegen von Paris. Das Foto zeigt sie 1991 hinter der Bühne bei Yves Saint Laurent.

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1993 gehörten zu ihrer Prêt-à-porter-Kollektion 25 Zentimeter hohe Plateauschuhe, in denen das Model Naomi Campbell spektakulär auf dem Laufsteg stürzte – und so Bilder produzierte, die in vielen Zeitungen landeten.

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Westwood und Campbell im selben Jahr bei der Verleihung der »Designer of the Year Awards« im Natural History Museum in London. Auch hier trägt das Model die hochhackigen Schuhe sowie ein Kostüm von Westwood.

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Tartan mit seinen typischen Karomustern ist ebenfalls fester Bestandteil von Vivienne Westwoods Repertoire. Sie besitzt inzwischen die Urheberinnenrechte an einem eigenen Schottenmuster, »Mac Andreas«. Westwood orientierte sich in ihrer Mode häufig an Altmodischem, zum Beispiel der höfischen Kleidung oder traditionellen Harris-Tweedstoffen. Den Klassikern gab sie dabei immer einen gewissen Twist und schaffte es so selbst in die Modegeschichtsbücher.

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Karl Lagerfeld und Vivienne Westwood 1997 zu Gast bei der Hochzeit des Models Kristen McMenamy mit dem britischen Fotografen Miles Aldridge.

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Der 2017 verstorbene Modemacher Azzedine Alaïa mit Vivienne Westwood, der Sängerin Kylie Minogue und Schauspielerin Beatrice Dalle (r.) bei einer Modenschau in Paris.

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»Ich habe immer versucht zu provozieren«: Als sie 1992 im Kensington-Palast zum Offizier des britischen Empire ernannt wird, lässt die Vermarktungskünstlerin die wartenden Fotografen genüsslich ablichten, dass sie wirklich nichts als die blanke Haut unter ihrer Strumpfhose trägt. Trotzdem wurde sie 2006 vom Königshaus auch noch zur Dame of the British Empire ernannt. Westwood hat neben den beiden königlichen alle wichtigen Auszeichnungen der Modebranche erhalten, darunter zweimal den Titel als »Designer of the Year« (1990, 1991), den British Fashion Award (2006), den Duft-Oscar »Fiffi« für ihr Parfüm »Boudoir« (1999). Außerdem ist sie seit 1992 Ehrendoktor des Royal College of Art und seit 2005 Ehrensenatorin der Universität der Künste Berlin.

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»Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood« ist der Name einer Kollektion, könnte aber auch für ihre Liebesgeschichte stehen: Seit Anfang der Neunziger ist sie mit dem Österreicher Andreas Kronthaler verheiratet, den sie während ihrer Leitung der Modeklasse an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst kennenlernte. 2016 vertraute sie ihm ihre hochpreisige Laufstegkollektion an. Über ihren 25 Jahre jüngeren, dritten Ehemann sagte sie einmal: »Als ich ihn kennengelernt habe, da hat er von Couture-Stoffen mehr verstanden als ich.« Hier empfangen beide den Schlussapplaus für eine im Juni 2012 in Mailand vorgestellte Herrenkollektion.

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Unterricht von der Punk-Professorin: Vivienne Westwood gibt der Studentin Regina Tiedeken (l.) aus ihrer Modeklasse letzte Hinweise zur Gestaltung eines Kleides, das fast identisch ist mit einer Robe von Königin Elisabeth I. von England. Das Foto entstand im November 1998, als die damals 57-jährige Westwood einen Vertrag über weitere fünf Jahre als Professorin für Bekleidungsgestaltung im Studiengang Industrial Design in Berlin unterschrieb. Ihre Studenten an der Hochschule seien »als einzige nichtkonform«, sagte Westwood damals, betonte aber auch: »Kreativität kann man nicht lernen.«

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Westwood in Hollywood: 2008 trug Sarah Jessica Parker in ihrer Rolle als Carrie Bradshaw im Kinofilm »Sex and the City« ein Brautkleid der britischen Modedesignerin.

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Anglomania ist der Name von Westwoods junger Bekleidungslinie: Das Bild zeigt das Schlussdefilee 2010 in Paris. Daneben gibt es noch die Marken Vivienne Westwood Couture (handgefertigt), Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood (bis 2016 verkauft als Gold Label), Vivienne Westwood, Vivienne Westwood Man und Vivienne Westwood Bridal (Brautmode).

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Im Laufe ihrer mehr als fünfzig Jahre umspannenden Karriere entwickelte sich Vivienne Westwood zu einer Meisterin der Schnitttechniken. Das ist – neben dem kommerziellen Erfolg – umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass sie sich das Handwerk selbst beigebracht hat. Das Bild zeigt zwei Abendkleider aus der Frühjahrskollektion 1994.

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Zu den Exponaten im Victoria and Albert Museum gehörte 2004 auch das berühmte »Anarchy in the UK«-T-Shirt. Westwood ist dem Slogan zum Trotz laut eigener Aussage eine überzeugte Royalistin. In späteren Interviews zeigte sie sich auch kulturpessimistisch und lehnte abstrakte Kunst und Konzeptkunst kompromisslos ab. Kino und Hollywood seien die Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen nicht wert, so Westwood. Stattdessen sollten die Menschen Bücher lesen oder Museen besuchen. Über die Jugend sagte sie einmal: »Die Leute mit den wenigsten Ideen sind die jungen Leute. Man kann nicht nachdenken, wenn man fernsieht.«

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Außer für Anarchie setzte sich Westwood auch immer für den Umweltschutz ein. Sie spendete unter anderem eineinhalb Millionen US-Dollar für die Rettung des Regenwalds und protestierte einmal auf einem weißen Panzer vor dem Landhaus des damaligen Premierministers David Cameron gegen Fracking. Sie kämpfte gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Peta für Tierrechte und mit anderen Prominenten für den Schutz vor politischer Verfolgung. Auf dem Foto protestiert die Modedesignerin in einem drei Meter hohen Vogelkäfig vor dem Strafgerichtshof Old Bailey gegen die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Juliane Assange an die USA. Während dessen Flucht in die ecuadorianische Botschaft besuchte sie den Aktivisten und Whistleblower einmal pro Monat.

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Vivienne Westwood auf einem Aktfoto von Juergen Teller. Die Designerin hat zwei erwachsene Söhne und lebte mehr als 30 Jahre in einer Londoner Sozialwohnung, 2000 zog sie mit Andreas Kronthaler in ein viktorianisches Haus im Londoner Stadtteil Clapham. Westwood wird an diesem Donnerstag 80 Jahre alt.

Foto: Friso Gentsch / picture alliance / Friso Gentsch/dpa
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