Warmhalteplatten im Test Heiß serviert

Es ist für viele eine Titanenaufgabe, in diesen Zeiten überhaupt jeden Tag Essbares auf den Tisch zu bekommen. Glücklich, wer jetzt eine brauchbare Warmhalteplatte hat. Wir haben drei Modelle getestet.
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Suppe, Eintopf oder Pasta mit untergehobener heißer Sauce bleiben in der Servierschüssel auf dem Untersetzer in der Tischmitte meist lange genug auf Verzehrtemperatur. Doch kaum serviert man verschiedene Dinge wie Spargel, Fleisch, Tunke, Seitanschnitzel, Salzkartoffeln, das Möhrenbreili oder die Gemüse-Quinoa-Pfanne gleichzeitig, gibt es Probleme mit dem Warmhalten.

Denn Unterbrechungen gibt es beim home-eating noch und nöcher: Vati liest in der WhatsApp-Gruppe seines Sportvereins, Mutti die E-Mails vom Chef, der am mühsam gebastelten Konzept herummäkelt (oder umgekehrt). Der Ältere will vor dem Lunch noch zwei Äste auf dem Skill Tree von "Assassin’s Creed Odyssey" hochdaddeln, und die Kleine wirft mal wieder den vollen Becher quer über den Tisch.

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Princess Warmhalteplatte

Wenn die Franzosen ein Stövchen kaufen, verlangen sie ein Gerät zum "wieder Aufwärmen". Denn "réchauffer" gab dem weltweit als Rechaud bekannten Speisenwarmhalter seinen Namen. Schon in der Spätantike hielten die römischen Zecher mit eisernen Feuerschalen, in deren Inneren eine Glut leise loderte, ihre Drosselzungenragouts warm.

Auch bei mir warteten im Esszimmerschrank immer ein paar dieser mit Teelichtern befeuerten Eisenplatten, teils oben gelocht, teils auch mit durchgehender Stahlplatte, auf ihren Einsatz. Irgendwann aber haben sie mich genervt: Mal waren die kleinen Kerzchen mitten beim Essen niedergebrannt oder wurden von einem Windstoß ausgeblasen. Und dann immer dieser Aluminium-Müll.

Am schlimmsten aber ist der Qualm, wenn das Rechaud mit der fast leeren Sauciere darauf ausgeblasen werden muss, damit die verblieben Tunke nicht am Porzellanboden anbrennt. Garantiert hat die Hälfte der Tischgäste in diesem Moment noch einen stattlichen Rest auf dem Teller, der aber angesichts der stinkenden Kerzendochtschwaden nicht mehr so recht schmecken will.

Generell gibt es zudem immer wieder Probleme mit zähflüssigen Massen wie Soßen oder Cremesuppen, wenn sie auf offenem Feuer warmgehalten werden sollen. Der erhebliche Temperaturunterschied zwischen dem von der Kerze hocherhitzten Gefäßboden und den darüber liegenden Schichten führt oft zu explosionsartig hochschießenden Fontänen, die im besten Fall das Hemd einsauen. Mit Pech führen sie zu bösen Brandblasen im Gesicht oder an den Händen. Früher oder später war logischerweise auch ich reif für eine elektrische Warmhalteplatte.

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Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Food-Journalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der ehemalige Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungs-Sachbücher und Kochbücher, schrieb die samstägliche Küchen-Kolumne "Hobbykoch" und ist Gründer und Herausgeber des Männerkochmagazins www.kochmonster.de . Aktuell ist sein erstes komplett selbstproduziertes Buch »Corona-Speck weg!« im Handel, für das es auf www.corona-speck.de  einen kleinen Vorgeschmack gibt.

Die nämlich lassen sich in knapp zehn Minuten auf Betriebstemperatur bringen, die sie dann ohne Stromkabel bis zu einer Dreiviertelstunde halten. Man sollte sich aber nicht von Werbeprahlerei beeindrucken lassen. Die Hersteller dieser Platten behaupten gern, ihr Teil in fünf Minuten auf 110 Grad zu bringen und die Latte über eine Stunde lang auf dieser Höhe halten zu können. Das ist natürlich Quatsch. Kein Mensch braucht Warmhaltetemperaturen jenseits der Wassersiedegrenze.

Das ist aber auch gar nicht nötig, denn selbst 70 Grad sind noch immer weit über der Verzehrtemperatur aller Speisen - und heiß genug, sich bei unvorsichtigem Hantieren ordentlich die Flossen zu verbrennen. Bauartbedingt ist dagegen eine Macke, die all diese Warmhalter haben: in der Mitte sind sie am heißesten, nach außen erhitzen die Platten weniger stark. Außerdem neigt der so gut wie immer für die Oberfläche verbaute, weiche gebürstete Edelstahl dazu, ratzfatz zu verschmutzen und zerkratzen.

Entsprechend vintage sieht nach über zehn Jahren harter Alltagsnutzung denn auch meine "Caso Hot Dinner 40" aus, die damals ähnlich günstig zu erwerben war wie das heute gehandelte baugleiche Princess-Gerät. Das Teil ist robust, heizt in etwas weniger als zehn Minuten und hält ohne störendes Kabel das Essen länger warm als wir brauchen, um satt zu werden. Zufälligerweise hatte ich damit ein offenbar typisches Problem vieler Warmhalteplatten nicht: Manche strahlen nach unten hin derart viel Hitze aus, dass sie holzfurnierte Tischplatten versengen. Da muss man dann immer noch ein dickes Schneidbrett unterlegen.

Und in diesen schweren Zeiten bohren wir ja lieber dünne Bretter.

Was ist das? Eine preiswerte und praktische Möglichkeit, das Essen auf dem Tisch nicht kalt werden zu lassen.

Wer braucht das? Alle, die nicht nur Rohkost essen.

Was kostet das? 40 bis 100 Euro, die Princess liegt bei ca. 50 Euro.

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Princess

Princess Warmhalteplatte – kabellose Benutzung mit 60 minütiger Warmhaltefunktion, 312295

Ab 62,99 €
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 Jago Buffetwärmer

Bedeckelte Futtertröge mit lauwarmem Buffet-Fraß darin kennen wir alle zur Genüge aus der Mensa, dem All-in-Billighotel, der Flusskreuzfahrt und der Gemeinschaftsverpflegung im Reha-Zentrum. Wer regelmäßig mit einer größeren Familie, den Freunden oder der WG gemeinsam speist, lernt aber schnell die Vorteile der für die Gastronomie konstruierten Speisewärmer zu schätzen. Die reichen von kleineren dreiteiligen Geräten wie dem Jago bis hin zu den großen Chafing Dishes (siehe unten).

Alle diese Systeme bauen bei ihren Essensbehältern auf der GN-Norm auf. Seit 1993 regelt diese Gastronorm europaweit die Größe der Lebensmittelbehälter basierend auf dem 1/1-Maß 53 x 32,5 Zentimeter. Die kleineren Gefäße stehen immer in Relation zu dieser Basis, sodass zum Beispiel bereits die semiprofessionelle Jago-Wärmeplatte mit bis zu vier verschiedenen Modulgruppen bestückt werden kann – je nachdem, wie viele Speisen man damit warmhalten möchte.

Allerdings ist dieses Gerät mit seinen 60 x 18,5 Zentimetern für viele Esstische schon ein ziemlich großes Ding, weswegen es in Privathaushalten wahrscheinlich meist auf einem getrennten rollbaren Serviertisch stehen wird. Besonders praktisch an diesem dazu sogar noch recht preiswerten System: Das Basis-Heizelement kann ohne die Aufsätze als normale Warmhalteplatte (oder als Tellerwärmer) benutzt werden, die sogar stufenlos (45-85 °C) regelbar ist und nicht ganz so nüchtern-gewerbsmäßig aussieht wie das voll aufgebaute System mit drei oder vier Behältern. Einziger Nachteil ist das fest montierte Kabel, das dann quer über dem Tisch liegt.

Aber das kennen wir ja zur Genüge vom Raclette und dem Tischgrill.

Was ist das? Ein semiprofessionelles Speisewärme-System mit modularem Aufbau.

Wer braucht das? Jeder, der bis zu vier unterschiedliche Speisen oder Komponenten in praktischen Schüsseln gleichzeitig warmhalten will.

Was kostet das? 33 Euro inklusive vier Schüsseln samt Deckel.

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Jago® Buffetwärmer - elektrisch, mit Heizplattenfunktion, Temperaturregler, Edelstahl - Warmhaltegerät, Speisewärmer, Warmhalteplatte, Warmhaltebehälter

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HENDI Chafing Dish Tellano

Während man den Buffetwärmer auch hervorragend zum Self-Catering kleinerer Familienfeste einsetzen kann, sind (hoffentlich bald wieder gestattete) Feten mit mehr als zehn Gästen schon eher die Domäne der großen Gastro-Systeme. Diese Chafing Dishes – ein Franko-Anglizismus aus "chauffer" (erwärmen) und "dish" (Geschirr) – fehlen bei keinem Event jenseits des Kalten Buffets.

Im Gegensatz zu dem Jago, bei dem Speisereste auch mal in den direkt auf der Heizplatte aufliegenden Schüsseln anbrennen können, schützt hier eine doppelwandige Konstruktion mit einem Wasserbecken vor Überhitzung. Im Grunde sind das also große Bain-Maries (Gastro-Wasserbäder). Beim mobilen Einsatz werden sie mit Brennpasten-Dosen befeuert. Doch überall, wo Strom in der Nähe ist, kann man sich diese Kosten und Müllansammlung sparen und das Wasserbad mit einem elektrischen Heizelement auf Temperatur halten.

In beiden Fällen sind Chafing Dishes ziemlich groß und müssen stets auf Anrichten oder Beistelltischen stehen – zumal der Deckel auch irgendwo abgestellt werden muss. Sie sind immer auf die 1/1 GN-Norm ausgerichtet und lassen sich entsprechend modular bestücken. Ein ganzer Behälter mit 65 Millimeter Tiefe fasst bereits 8,8 Liter, der tiefste (200 Millimeter) satte 27,8 Liter.

Brennpastensysteme gibt es bereits ab 35 Euro. Aber in Haushalten, die gerne mal eine zünftige Party veranstalten, Konfirmation, Hochzeit und das Eid al-Fitr am Ende des Ramadan selbst ausrichten oder beim Vereinsfest tatkräftig mithelfen wollen, ist der Hunderter für ein Elektro-Chafi gut angelegt.

Neben der Sicherheit, dass niemals die Brennpaste auf halbem Weg ausgeht, haben die Elektrosysteme auch den Vorteil der stufenlosen Beheizung. Schließlich mögen es viele Speisen nicht, ständig in fast 100 Grad heißem Wasser warmgehalten zu werden. Gemüse und Fisch zerfallen einem da fast schon beim Zusehen. Einziger Nachteil neben der Sperrigkeit: Zum Warmhalten muss immer Wasser im unteren Becken sein, weswegen sich die Teile nicht zum Transport größerer Mengen warmer Speisen eignen.

Aber wir wissen ja inzwischen alle, wie schön es sein kann, zu Hause zu essen.

Was ist das? Das weltweit bewährte Profi-System zum Warmhalten größerer Speisemengen.

Wer braucht das? Jeder, der öfter mal Partys oder kleine Veranstaltungen macht und genug Stauraum für die Zeit dazwischen hat.

Was kostet das? Ab 100 Euro, Systeme mit Kippdeckel ab ca. 150 Euro.

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Hendi

HENDI Chafing dish Tellano, Speisenwärmer, Buffetwärmer, Wärmebehälter, 9L, 230V, 900W, 573x348x(H)284mm, Edelstahl, Polypropylen

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