Foto:

Christoph Hetzmannseder / Getty Images

Weinempfehlungen Zehn gute Österreicher unter 15 Euro

Nur ein Drittel des österreichischen Weins wird exportiert. Wer in Deutschland welchen kaufen will, muss wissen, wo und was er sucht. Hier sind ein paar Tipps.
Von Gerald Franz

Die Flagge Österreichs ist rot, weiß, rot. Leicht zu finden im Weinregal, denn die drei Streifen zieren den Verschluss einer jeden Flasche. Eigentlich müssten die Farben Weiß, Rot, Weiß sein – in den Weingärten der Alpenrepublik werden zu zwei Dritteln weiße Trauben angebaut.

Wein aus unserem südöstlichen Nachbarland bekommt man in Deutschland nicht besonders häufig angeboten. Kein Wunder, Österreich produziert weniger als ein Drittel der deutschen Menge. Und von den dort laut jüngsten Zahlen gekelterten 2,4 Millionen Hektolitern trinken die Einheimischen das meiste selbst – nicht mal ein Drittel wurde exportiert.

Beim Händler um die Ecke dürfte die Auswahl also gering ausfallen. Im Internet dagegen gibt es viele Angebote, und auch der Versand aus Österreich ist oft gar nicht so teuer. Doch wer probieren möchte, sollte wissen, was er sucht. Hier sind zehn Vorschläge für empfehlenswerte österreichische Weine bis 15 Euro.

Weingut Straka: Welschriesling Rechnitz, ca. 11 Euro

Weingut Straka: Welschriesling Rechnitz, ca. 11 Euro

Deutschland ist Rieslingweltmeister, niemand baut mehr davon an. Österreichs heimlicher Star bei den weißen Trauben ist der Welschriesling, nur den Grünen Veltliner bauen die Winzer dort noch häufiger an. Welschriesling ist eine eigene Rebsorte und nicht verwandt mit unserem Riesling. Hervorragend zur Geltung bringt ihn der 2020er Welschriesling Rechnitz vom burgenländischen Weingut Straka. Mit fruchtigen Aromen von weißem Pfirsich und pinker Grapefruit, der Kühle eines Bergbachs und leicht flintigen Noten mag man ihn sofort. Kein komplizierter Wein, sondern klar, frisch, direkt.

Schiefer & Domaines Kilger: Weißer Schiefer, ca. 11 Euro

Schiefer & Domaines Kilger: Weißer Schiefer, ca. 11 Euro

Ein klein wenig komplexer ist der Welschriesling namens Weißer Schiefer von Schiefer & Domaines Kilger, der ebenfalls aus dem Burgenland kommt. Der Jahrgang 2018 duftet nach grüner Birne und Apfel, Wiesenkräutern und Wurzeln. Noch etwas erdiger wird es am Gaumen, dazu kommen eine straffe Säure und erstaunlich viel Druck und Kraft, bei gerade einmal 11,5 Prozent Alkohol.

Weingut Taubenschuss: Reserve aus der Ried Tenn, ca. 14 Euro

Weingut Taubenschuss: Reserve aus der Ried Tenn, ca. 14 Euro

Grüner Veltliner ist in Österreich so omnipräsent wie der Riesling am Rhein. Im niederösterreichischen Weinviertel macht die Sorte sogar die Hälfte aller Rebstöcke aus. Gut schmeckt etwa die Reserve aus der Ried – also der Lage – Tenn vom Weingut Taubenschuss. Der Jahrgang 2017 verströmt Aromen von Farn, nassem Stein, Birne und hat eine jodig-salzige Komponente. Ein herb charaktervoller Wein mit festem Körper und Substanz, ohne in die Breite zu gehen, sowie einer gut eingebundenen Säure.

Weingut Artner: Ried Kirchberg, ca. 14 Euro

Weingut Artner: Ried Kirchberg, ca. 14 Euro

Vom Weingut Artner aus dem Jahrgang 2020 stammt der Grüne Veltliner Kirchberg. Diese Lage steht etwas weiter südlich, im niederösterreichischen Anbaugebiet Carnuntum. Das gibt dem Wein eine intensive Note von reifen Äpfeln, außerdem duftet er nach Hefekuchen, geröstetem Mehl und nassem Stein. Am Gaumen weißer Pfirsich und vollreife Birne, Honigmelone und Mandel. Dieser Veltliner hat Kraft, Fülle und einen ausgeprägten Schmelz. Ausreichend Frische sowie eine sanft bittere Note im Abgang balancieren das aus.

Weingut Mayer: Wiener Gemischter Satz, ca. 11 Euro

Weingut Mayer: Wiener Gemischter Satz, ca. 11 Euro

Während heute im Weinberg normalerweise nur eine Sorte steht, war früher mehr Vielfalt. Gemischter Satz heißt es in der Weinsprache, wenn verschiedene Trauben zusammen wachsen, gelesen und gekeltert werden. Die Ursprungsbezeichnung Wiener Gemischter Satz zeigt, wo man diesem Verfahren traditionell frönt. Der 2020er Wiener Gemischte Satz vom Weingut Mayer am Pfarrplatz zeigt einen intensiven Duft nach grünem Apfel und weißem Pfirsich, Litschi, Brennnessel und Weißdorn. Nimmt man einen Schluck, sind da Wildkräuter, aber auch Grapefruit und Winterapfel. Diesen Wein sollten Sie vorher atmen lassen.

Johann Schwarz: The Butcher, ca. 11 Euro

Johann Schwarz: The Butcher, ca. 11 Euro

Das Etikett ist nichts für schwache Nerven: ein schweinsköpfiger Metzger mit dem Hackmesser in der Hand, dazu der Weinname »The Butcher« wie mit Blut geschrieben. Wer sich am schwarzen Humor des winzernden Metzgers Johann Schwarz nicht stört, dem kredenzt er einen sehr ordentlichen Pinot Noir aus dem Burgenland. Aromatischer Duft nach roter Beerenfrucht, leicht erdige Noten, etwas Herbstlaub, am Gaumen außerdem Sauerkirsche. Angenehm herbe Frische, schlank, leichtes Tannin. Anders als die Aufmachung vermuten lässt, ist er durchaus auch für zarte Gemüter geeignet.

Weingut Birgit Braunstein: Pinot vom Sonnenberg, ca. 13 Euro

Weingut Birgit Braunstein: Pinot vom Sonnenberg, ca. 13 Euro

Ebenfalls aus dem Burgenland stammt der 2018er Pinot Noir Sonnenberg vom Weingut Birgit Braunstein. Das Etikett ist gediegen, die Erzeugung biodynamisch. Rubinrot und mit geringer Farbtiefe liegt der Wein im Glas und duftet nach Erde, Heckenrose und Sauerkirsche. Geschwenkt treten leicht fleischig-rauchige Töne hinzu. Nimmt man einen Schluck, kommen Himbeeren und Preiselbeeren hinzu sowie etwas Rinde. Dieser Pinot ist leicht pikant-wärmend, zeigt ein feines, aber stabiles Tannin und appetitanregende Säure.

Weingut Netzl: St. Laurent, ca. 15 Euro

Weingut Netzl: St. Laurent, ca. 15 Euro

Die Rebsorte St. Laurent liefert ebenfalls feines Tannin und einen schlanken Körper. In Österreich ist es die am vierthäufigsten angebaute rote Sorte. Ein Schluck vom 2017er St. Laurent vom Carnuntum-Weingut Netzl macht klar, wieso. Ein Duft nach süßen roten Beeren und Kirsche; einmal durchgeschwenkt kommen Röstaromen, Vanille, Pfeifentabak und Rauchfleisch hinzu. Am Gaumen außerdem Cassis, Brombeere und etwas Süßholz. Aromatisch und mit pikanter Säure, die den Wein nach wie vor jung wirken lässt.

Weingut Wagentristl: Großhöflein, ca. 15 Euro

Weingut Wagentristl: Großhöflein, ca. 15 Euro

In Deutschland ist sie als Lemberger nur in Württemberg eine Größe, doch in Österreich genießt unsere nächste Traube als Blaufränkisch hohe Aufmerksamkeit. Zu Recht, denn sie ergibt charaktervolle Weine. Einer der besten entsteht westlich des Neusiedlersees, im Anbaugebiet Leithaberg: Der 2018er Großhöflein vom Weingut Wagentristl hat ein dunkles Rubinrot, das granatrot ausläuft. Mit einem Duft von roten Pflaumen und Kirschkompott sowie Brombeerblättern und einem Hauch Vanille. Am Gaumen charaktervoll, nervige Säure und saftiges Tannin – ein Wein, den Sie kauen können und sollten.

Weingut Grassl: Zweigelt Rubin Carnuntum, ca. 12 Euro

Weingut Grassl: Zweigelt Rubin Carnuntum, ca. 12 Euro

Wer sich nicht entscheiden mag zwischen St. Laurent und Blaufränkisch, dem bleibt die Kreuzung aus beiden Sorten: Der Zweigelt ist Österreichs meistangebaute rote Traube. Der 2020er Zweigelt Rubin Carnuntum vom Weingut Grassl zeigt ein dunkles Purpur im Glas und duftet nach frischem Brot und dunklen Früchten. Nimmt man einen Schluck, sind vorn vollreife dunkle Beeren und Mandel, hinten raus dagegen herbe Schlehe und Sauerkirsche. Ein saftiger Wein mit einem ausgewogenen Tannin und einer schönen Frische. Tipp: Lassen Sie den jungen Rotwein erst atmen.

Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech .