Griechischer Wein
Griechischer Wein
Foto: Merethe Svarstad Eeg / EyeEm / Getty Images

Ein Abend der verbotenen Weine Retsina muss keine griechische Tragödie sein

Bei Retsina oder Beaujolais winken Sie direkt ab? Viele vermeintliche Weinsünden gibt es auch in gut. Deshalb vergessen Sie mal kurz Ihre Vorurteile und verkosten Sie nach. Vier Tipps.
Von Gerald Franz

Jeder hat Weine, die er kategorisch ausschließt: Weder Kellner noch Fachhändler können da etwas ausrichten. Vielmehr finden sich bei verschmähten Weintypen schnell Verbündete. Zum Beispiel Retsina. Dieses Zeug, mit dem schon viele im Griechenland-Urlaub gequält wurden: einfacher Wein, der durch den Zusatz von Harz endgültig ungenießbar wurde. Einmal getrunken, aus der typischen Halbliterflasche mit Kronkorken, danach nie wieder. Der Geschmack klebt immer noch auf der Zunge.

Was aber, wenn Retsina an sich doch nicht schlecht wäre? Wenn man einfach nur in der falschen Taverne war? Denn mal ehrlich, der erste Bordeaux war bei den allermeisten auch kein Premier Cru aus Pauillac. Eher ein Massenprodukt, irgendwo für 15 Francs oder 2,50 Euro im Supermarkt gekauft. Erst als man bei Freunden einen guten Bordeaux vorgesetzt bekam, offenbarte sich, dass es da noch mehr gibt. Und so ist es mit anderen Weintypen auch.

Deshalb vergessen Sie mal kurz alles, was Ihnen spontan bei manchen Weinarten einfällt, und verkosten Sie nach. Vielleicht entdecken Sie Vergnügen, die Ihnen bisher entgangen sind.

Moscato d’Asti: Süß, aber nicht billig

Beginnen Sie den Abend der verbotenen Weine mit einem Glas Moscato d’Asti. Die Asti-Methode weckt bei manchen Menschen schmerzhafte Erinnerungen, in die Hirnrinde eingebrannt von billigen süßen Schaumweinen. Süß, aber kein bisschen billig gemacht ist der 2020er Casa di Bianca vom piemontesischen Winzer Gianni Doglia . Eine Duftkreuzung von Muskat, Holunderblüte und Traube steigt in die Nase. Dieser Asti schmeckt nach Mandarine, Ananas und Blütenhonig. Seine Süße dämpft der perlende Wein ein Stück weit mit einer glockenklaren Frische. Mit seinen lediglich 5,5 Prozent Alkohol taugt er als Aperitif, ist aber auch perfekt als Betthupferl.

Moscato d’Asti 2020er Casa di Bianca, ca. 14 Euro

Moscato d’Asti 2020er Casa di Bianca, ca. 14 Euro

Retsina: kein Drama

Wenn die Antipasti auf dem Tisch stehen, vergießen Sie ein paar Tränen. Soll heißen einen Schluck Tear of the Pine. Der poetische englische Name soll erklären, wie dieser griechische Weißwein gemacht wird: Während der Gärung geben die Winzer etwas Harz der Aleppokiefer in die Fässer. Früher wurde griechischer Wein so haltbar gemacht, und untrinkbare Tropfen wurden dadurch erst trinkbar, weil das Harz alles andere übertönte. Bei guten Retsinas wie diesem vom Weingut Kechris  kommt aber ein Quäntchen Baumharz ins Fass. Normalerweise darf bei Zusätzen nicht mehr von Wein gesprochen werden. Für Kulturgüter wie den Retsina macht die Europäische Union aber eine Ausnahme. Beim Tear of the Pine völlig zu Recht. Der 2019er duftet wie ein sommerlicher Kiefernwald. Einmal durchgeschwenkt, kommen Grapefruit und Waldkräuter hinzu. Am Gaumen außerdem noch Limette, Grapefruit und eine fein salzige Mineralität. Dadurch wird der Wein aus der hochwertigen Assyrtiko-Traube unheimlich lebendig und beweist: Retsina muss nicht wie eine griechische Tragödie enden.

Tear of the Pine von Kechris, ca. 15 Euro

Tear of the Pine von Kechris, ca. 15 Euro

Beaujolais: nicht Primeur, prima

Vielleicht wollen Sie mit dem Retsina auch gleich den Hauptgang begleiten. Ansonsten wird es nun Zeit für ein Glas Beaujolais. Aber nicht der im Hauruckverfahren hergestellte Primeur, der schon wenige Wochen nach der Lese in den Bistros ausgeschenkt wird. Auch nicht die schwereren Cru-Weine aus dem Beaujolais wie Fleurie oder Moulin-à-Vent. Sondern ein ganz normaler Beaujolais. Also ein frisch-fruchtiger Rotwein, der leicht gekühlt serviert wird – perfekt für den sommerlichen Hauptgang. Der 2020er Château Cambon schmeckt sogar zu gegrilltem Fisch. Er duftet nach dunkler Pflaume und einem Schuss Kirschwasser. Beim Trinken wird es dann angenehm rotfruchtig und beerig. Nicht nur sein Tannin ist leicht, die 12,5 Prozent Alkohol erschlagen einen in der warmen Jahreszeit nicht gleich. Gut so, denn es gibt ja noch einen Dessertwein.

Beaujolais 2020er Château Cambon, ca. 13 Euro

Beaujolais 2020er Château Cambon, ca. 13 Euro

Málaga: Auch ohne Eis zu genießen

Sie dachten, dass Málaga nur eine Eissorte ist? Nun, zumindest kann man diesen andalusischen Süßwein aus Moscatel-Trauben statt eines Desserts trinken. Wer es krachen lassen will, begleitet einfach eine Nachspeise oder auch Käse damit. Der Victoria No. 2 von Jorge Ordóñez  duftet nach Aprikosenkonfitüre, Orangenzeste, Litschi und Blütenhonig. Sommerliche Aromen, die Lust auf mehr machen. Der Jahrgang 2018 schmeckt nach getrockneten Aprikosen und Blüten. Die Kraft dieses öligen Weins bei nur zehn Prozent Alkohol ist erstaunlich – genauso wie der Säurekick im Abgang.

Victoria No. 2 von Jorge Ordonez & Co, ca. 18 Euro

Victoria No. 2 von Jorge Ordonez & Co, ca. 18 Euro

Falls es wider Erwarten gemundet hat, sagen Sie es weiter. Diese Weine verdienen es, entdeckt zu werden.

Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.