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Kurioses Weinzubehör Korkenziehen mit dem Akkuschrauber

Ob Anti-Kater-Tropfen, unterirdische Buddelbunker oder elektrische Belüfter – immer neue Erfindungen rund ums Thema Wein kommen auf den Markt. Was halten Experten davon?
Von Gerald Franz

Zu viel Alkohol ist ungesund. Trotzdem gibt es im Leben Momente, in denen man ein Glas zu viel hat – und hinterher brummt der Schädel. »Reduzieren Sie Weinkopfschmerzen«, verspricht das Produkt mit dem doppeldeutigen Namen »Drop it «. Dazu müssten lediglich ein paar Tropfen aus dem Fläschchen ins Weinglas und dann einmal durchgeschwenkt werden. Wer weiterliest, stellt allerdings fest, dass die Flüssigkeit lediglich Sulfite und Tannine reduziert.

»Bei den meisten Menschen kommt das Kopfweh aber vom Alkohol selbst, insbesondere von seinem Abbauprodukt Acetaldehyd«, sagt Ulrich Fischer, Professor für Önologie und Sensorik. Und was ist mit einem weiteren Versprechen des Herstellers, Rotweine mit etwas ruppigen Tanninen durch die Tropfen zu bändigen, ihnen eine »weichere Textur« zu verschaffen? »Das geht viel einfacher mit Luftkontakt«, sagt Fischer. Auch gegen den Kater gibt es verlässlichere und günstigere Mittel: einfach ein Glas weniger trinken.

Künstliche Beatmung

Für das Belüften gibt es ein Gadget namens Pica . Dieses bechergroße Gerät wird auf den Flaschenhals gestöpselt, auf Knopfdruck pumpt es dann elektrisch den Wein ins Glas. Zusätzlich kann eine »Belüftungsfunktion« zugeschaltet werden.

»Natürlich kann man dem Wein mit solch einem schicken Gerät Sauerstoff zuführen – einfacher und stilvoller geht es mit einem gläsernen Krug oder Dekanter«, sagt Ulrich Fischer. Man braucht dann nur etwas mehr Muße – laut Hersteller bringt die künstliche Beatmung mit »Pica« so viel wie 15 bis 20 Minuten in einem Dekanter.

Fachmann Fischer gibt außerdem zu bedenken, dass die weinführenden Teile der Konstruktion schwer keimfrei zu halten sind: »Wenn darin Weinreste und Mikroorganismen verbleiben, bekommt der nächste Wein gleich einen Schuss Essig mit auf den Weg.«

Kaltes Eisen

Zu warmer Wein ist kein Genuss: Alkohol und Süße treten in den Vordergrund, die Säure ist nicht mehr frisch. Deshalb kommen vorgekühlte Rosés und Weißweine in den Weinkühler. Herkömmliche Modelle kühlen die Flaschen von außen. Der Weinkühlstab  dagegen wird im Gefrierschrank auf Betriebstemperatur gebracht und dann in die Flasche gesteckt.

Die Kölner Sommelière Valentine Mühlberger sieht in dem mit Kühlgel gefüllten Edelstahlzylinder vor allem Nachteile: »Man muss erst etwas Wein ausgießen, damit der Stab in die Flasche passt, und wenn die Flasche halb leer ist, kann er nicht mehr so gut kühlen.« In Spitzenweine würde Mühlberger auch keinen Stahlzylinder versenken, sie stellt ihre Weinflaschen lieber in kalte Tonkrüge.

Unterirdischer Weinsafe

Bevor es darum geht, die Trinktemperatur zu halten, muss der Wein runtergekühlt werden. Dafür gibt es Kühlschränke. Oder einen Weinsafe . Im Prinzip eine Flaschenhalterung, die in einem vergrabenen Metallzylinder versenkt wird. Diebstahlsicher soll das Ganze durch eine »Tarnkappe« werden – dieser mit Kunstrasen überzogene Deckel ist das Zubehör zum Weinzubehör.

Zu Hause entbehrlich, könnte der Buddelbunker auf dem Campingplatz durchaus nützlich sein. Aber darf man dort ein 90 Zentimeter tiefes Loch graben? Nicht bei Jens Klahn vom Campingplatz Miramar auf Fehmarn: »Da könnten Sie Leitungen treffen«, sagt er. Ans andere Ende der Republik zu ziehen bringt in dem Fall auch nichts. »Unsere Böden sind professionell hergerichtet, damit keiner mit dem Wohnmobil einsinkt«, sagt Thomas Krieg vom Campingplatz Horn am Bodensee. Ein Loch für den Weinsafe untergräbt da nur die Statik.

Den Korken ziehen lassen

Diese Probleme haben Reisende in einem Wohnmobil mit eingebautem Kühlschrank natürlich nicht. Und bestimmt ist da dann auch Platz für einen elektrischen Korkenzieher: Aufsetzen, Taste oben drücken, Korken ziehen, Taste unten drücken, Korken ausspucken. Sommelière Valentine Mühlberger findet dieses Gerät gut für Menschen, die nicht so viel Kraft haben. »Oder wenn man etliche Flaschen hintereinander öffnen muss.«

Das soll des Öfteren bei Wohnungseinweihungen der Fall sein. Vielleicht gibt es daher von Bosch einen Korkenzieher-Aufsatz für Akkuschrauber , Werbeversprechen: »Weniger arbeiten, mehr feiern.« Die Expertin ist aber auch in diesen Dingen traditionell und schätzt den feierlichen Akt des Korkenziehens. Der wird in ihren Augen durch den Einsatz von Strom nicht spannender, sondern höchstens »verschandelt«.

Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech .

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