Winona Ryder Die Königin der Neunziger ist zurück

Winona Ryder steht wie keine andere für die Neunzigerjahre. Jetzt ist sie endlich wieder da: US-Designer Marc Jacobs macht sie zum Gesicht seiner neuen Beauty-Kampagne.

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Ja. Winona Ryder sieht gut aus - wie sie da mit ihrem Gesicht auf einem Spiegel liegt. Die Augen von schwarzem und weißem Kajal betont und dunklem Mascara, die Lippen zart rosa. Ryder sieht auf dem Foto aus, als käme sie gerade von einem Gastauftritt bei der US-Serie "Mad Men". Aber da hat sie nie mitgespielt, die Serie ist ohnehin längst abgedreht. Das Foto von Ryder auf dem Spiegel hat Marc Jacobs auf seinem Instagram-Account gepostet.

Der Modedesigner ist schon seit 25 Jahren mit der Schauspielerin befreundet, und jetzt macht er die 44-Jährige zum Gesicht seiner neuen Beauty-Kampagne. Jacobs kommentierte seinen Post mit den Worten: "Mit großem Stolz und Vergnügen lasse ich dieses Bild von unserer neuen Kampagne 'durchsickern'." Winona Ryder sei "außerordentlich talentiert" und "atemberaubend schön", schreibt Jacobs weiter und setzt den Hashtag #4everwinona darunter.

Das klingt seltsam, denn mit dem Ende der Neunzigerjahre endete auch die Hochphase von Ryder. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das mit dem "für immer" vorbei. Endgültig ins mediale Aus manövrierte sich Ryder mit dem Ladendiebstahl in einer Saks-Filiale in Beverly Hills. Damals wollte sie Kleider im Wert von mehr als 5000 Dollar mitgehen lassen. Der Vorfall ist schon mehr als 14 Jahre her, doch es ist noch immer eines der ersten Dinge, die einem einfallen, wenn man an Winona Ryder denkt.

Dabei steht Winona Ryder für so viel mehr. Wie kaum eine andere hat die Schauspielerin die Neunzigerjahre geprägt. In "Meerjungenfrauen küsst man besser" (1990) spielt sie eine Jugendliche, die sich zum ersten Mal verliebt. In "Edward mit den Scherenhänden" (1990) rettet sie den seltsamen Mann (ihr späterer Verlobter Johnny Depp), der statt Händen Scheren hat. In Jim Jarmuschs "Night on Earth" (1991) rotzt sie einer Hollywood-Agentin zu, sie wolle lieber Mechanikerin werden als Schauspielerin. Und in Ben Stillers "Reality Bites" (1994) tänzelt sie um Ethan Hawke herum.

Zu dieser Zeit ist Ryder auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, dann geht es langsam abwärts. In "Durchgeknallt" (1999) hat eine Neue ihre Position als herausragende Protagonistin eingenommen: Angelina Jolie. Ryder zieht sich langsam zurück, belegt Kurse für kreatives Schreiben und malt. In den wenigen Interviews, die sie gibt, sagt sie, sie wolle einfach nur ihr Leben genießen, und dass sie sich überlegen müsse, welcher Film es wert sei, ihm Zeit zu opfern.

Doch nun nimmt Ryder wieder Fahrt auf. War sie in den Nullerjahren im Abschwung, schwingt sie seit 2010 ("Black Swan") wieder zurück. Ryder gab sich zwar mit kleineren Rollen zufrieden, aber in denen fällt sie auf. In "The Iceman" (2012) spielt sie die Frau eines kaltblütigen Killers, in "Homefront" (2014) eine Crystal-Meth-Abhängige und auch in der HBO-Miniserie "Show Me A Hero" (2014) von David Simon ("The Wire") war sie dabei.

Und nun also erst mal die Kooperation mit Marc Jacobs. Bereits 2003 erschien sie in einer seiner Kampagnen und verhalf ihm damit zu mehr Aufmerksamkeit, weil sie sich mit allerlei Taschen ablichten ließ, in denen Kleidungsstücke steckten - eine Anspielung auf den Diebstahl.

Jacobs schafft es, besondere Frauen für sich zu gewinnen. Erst im Mai gab er bekannt, dass er Sängerin Cher als Model gewinnen konnte. Anfang 2014 hatte Jacobs bereits mit der 66 Jahre alten US-Schauspielerin Jessica Lange zusammengearbeitet. Ihm sind Alter und Profession egal. Er nimmt sich das, womit er Aufmerksamkeit bekommt.

"Ich liebe die Art, wie er die Menschen aussucht, mit denen er zusammenarbeitet", sagte Ryder dem Fashionmagazin "Allure". "Dass er mich ausgewählt hat, ist ein riesengroßes Kompliment." Ryder selbst sieht sich nicht als Beauty-Ikone, vor allem weil sie mit ihrem Stil schon immer mehr Außenseiterin war und ihre Karriere zu einer Zeit begann, in der blonde Frauen die Leinwände beherrschten. Mit ihrem dunklen Typ fiel sie damals schon in "Beetlejuice" aus der Zeit.

Nun soll es auch noch eine Fortsetzung des Fantasy-Films von Tim Burton geben. Ryder wird wieder dabei sein, wie der Regisseur im August bei Seth Meyers Late-Night-Show verriet. In "Beetlejuice" spielte Ryder ein Goth-Mädchen, das sich mit dem gleichnamigen Geist (Michael Keaton) anfreundet. Und wenn die Fortsetzung so nachhallt wie der erste Film, dann könnte das Ryder ziemlich pushen. Der englischen Zeitung "The Guardian" sagte sie erst im August, manchmal werde sie von Fans immer noch darum gebeten, dreimal hintereinander "Beetlejuice" zu sagen.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
mattbarna 09.12.2015
1.
Als 14-Jähriger war Winona Ryder immer meine Traumfrau, bis sie von Natalie Portman abgelöst wurde. Wobei, eigentlich können es auch beide gleichzeitig sein.. :P
jengel65 09.12.2015
2. Sauber
Toller Artikel! Sauber recherchiert! GALA- und BUNTE-Niveau vom feinsten! was ist aus dem Spiegel geworden?
Dubslav 09.12.2015
3. Für die Freunde der
Zitat von mattbarnaAls 14-Jähriger war Winona Ryder immer meine Traumfrau, bis sie von Natalie Portman abgelöst wurde. Wobei, eigentlich können es auch beide gleichzeitig sein.. :P
Sie haben 2 Namen vergessen und dann ist das Quartett komplett: Keira Knightley und Brooke Shields (Die blaue Lagune).
Ribisel 09.12.2015
4. Neues über Meerjungfrauen?
Was steht da? "Dabei steht Winona Ryder für so viel mehr. Wie kaum eine andere hat die Schauspielerin die Neunzigerjahre geprägt. In "Meerjungenfrauen küsst man besser" (1990) spielt sie eine Jugendliche, die sich zum ersten Mal verliebt." Der Film heißt " Meerjungfrauen küssen besser." Also: Die Meerjungfrau (-en) küßt höchselbst besser. Was sagt uns das? Auch in den 90ern waren Frauen aktiv und nicht nur erwartungsvoll passiv, aber damit rechnet wohl keiner, der damals vielleicht erst geboren wurde. ;) Ich liebe diesen Film und konnte mir die Besserwisserei leider nicht verkneifen.
MartinS. 09.12.2015
5.
Zitat von jengel65Toller Artikel! Sauber recherchiert! GALA- und BUNTE-Niveau vom feinsten! was ist aus dem Spiegel geworden?
Respekt - sie lesen also Artikel, die unter Rubrik "Stil" laufen, um anschließend anzuprangern, dass sich die Thematik auf Gala-/Bunte-Niveau bewegt. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, mit welcher Erwartungshaltung sie denn den Artikel gewählt haben.
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