Das Hemd Varoufarben? Rosafakis?

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat das Parlament in Athen aufgesucht. In einem Hemd. Und in was für einem!

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Eine Glosse von


IWF, EZB - oder doch die deutsche Linie der finanzpolitischen Härte? Während die Verhandlungen der Institutionen mit Griechenland erneut in eine entscheidende Phase eintreten, schlägt Wolfgang Schäuble eine substanzielle Umgewichtung der europäischen Finanzarchitektur...

Schon gut, genug, es reicht. Machen wir uns bitte nichts vor. Sie wissen es, wir wissen es, da müssen wir doch nicht so tun, als wäre es anders. Sie haben diesen Text doch nicht etwa im Ernst angeklickt, um hier etwas über die Griechenlandkrise zu erfahren (und falls doch: hier ist der Ausgang). Nein, Sie wollten nur eins: Dieses Foto da oben etwas größer sehen. Genauer: dieses Hemd. Dieses verdammt seltsame Hemd, das Yanis Varoufakis sich heute morgen ausgesucht hat, um in ausgerechnet diesem Hemd das griechische Parlament aufzusuchen.

Alles nur Äußerlichkeiten! Aber... dieses Hemd!

Zugegeben: Eigentlich hatten wir uns schon längst vorgenommen, keine Zeile mehr über die äußere Erscheinung des ehemaligen griechischen Finanzministers zu schreiben. Das haben wir bei SPIEGEL ONLINE oft genug getan, das haben auch andere oft genug getan. Darüber hinaus und zusätzlich ist auch schon mehrmals ausführlich darüber geschrieben worden, warum es sinnlos und falsch ist, sich mit derartigen Äußerlichkeiten aufzuhalten, wo es doch um immanent wichtige finanz- und europapolitische Inhalte gehen sollte.

Alles richtig. Aber dann: dieses Hemd. Es ist unmöglich, es nicht zu bestaunen. Schauen Sie es sich gerne noch mal an, starren Sie ruhig minutenlang und mit weit aufgerissenen Augen darauf, wir sind hier unter uns, niemand macht Ihnen Vorwürfe.

Yanis Varoufakis mit Hemd im griechischen Parlament
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Yanis Varoufakis mit Hemd im griechischen Parlament

Dieses Hemd einfach als "gemustert" zu beschreiben, wäre völlig unzureichend. Es ist nicht einfach gemustert, es scheint aus den Einzelteilen von mindestens fünf gemusterten Hemden zusammengesetzt zu sein, die wiederum jeweils aus fünfundfünfzig Einzelmustern zusammengesetzt sind.

Eine Bezeichnung für den Farbton des Hemdes muss noch gefunden werden, es gibt kein Wort dafür. Man wird es mühsam suchen müssen, in wohl wesentlich kräftezehrenderen Verhandlungen als denen um jene Sache, Sie wissen schon, um die es hier überhaupt nicht mehr geht. Ist es rosafakis? Oder doch eher varoufarben? Vielleicht hat Yanis Varoufakis die Antwort, teilt sie aber nicht mit, spart sie sich auf für das nächste Interview, es erscheint wahrscheinlich schon morgen oder spätestens am kommenden Donnerstag.

"Der Mann ist die Kim Kardashian der internationalen Politik", hat der geschätzte Kollege Robin Alexander in der "Welt" aufgeschrieben, wie jene die öffentliche Debatte unaufhörlich mit Banalitäten verpestend. Die jüngste Nachricht (vor dem Hemd) war jene dem "New Yorker" anvertraute, dass ihn ein deutscher Parlamentsabgeordneter der CDU am Tag vor dem Referendum aufgesucht und zugesagt habe, für ihn zu beten. Wer? Das verrät Varoufakis nicht. Und es ist ja auch völlig egal.

Wahrscheinlich brauchen wir Varoufakis

Angeblich war er ja zurückgetreten, aber er macht einfach immer weiter. Nein, stimmt nicht: Wir machen immer weiter. Varoufakis ist kein Vorwurf zu machen, er freut sich eben, gefragt zu sein - und gibt gerne Auskunft über Nina Hagen, den "Wolfgang", sein Motorrad und, das schon auch, seine politischen Ziele. Aber warum wollen wir (und damit sind auch Sie gemeint, andernfalls hätten Sie diesen Text längst schon verlassen müssen) das alles immer noch wissen, warum saugen wir auch den absurdesten Unsinn auf, der aus seinem Mund kommt und über diesen Mann berichtet wird?

Wahrscheinlich brauchen wir ihn. Yanis Varoufakis zeigt den sehnsuchtsvollen grauen Bürogestalten, dass die Welt aus mehr besteht als Anzügen und Krawatten und einzuhaltenden Vertragsbedingungen. Dass man sich einfach, wenn es einem reicht, aufs Motorrad setzen und davonbrausen könnte in die warme Sommernacht. Und jenen, die seinen Zielen abgeneigt sind, bietet er aufreizend offensichtliche Gründe, ihn zu verachten, diesen eitlen, unsteten Gecken, dessen Kapriolen sein Land und die ganze Europäische Union an den Rand des Abgrunds trieben.

Aber das ist alles nur Ablenkung. Und darum geloben wir: Das war der endgültig letzte Text, der sich mit dem Äußeren von Yanis Varoufakis beschäftigt hat. Versprochen. Der allerletzte. Jedenfalls, bis Varoufakis demnächst im Morgenmagazin von ARD und ZDF live auf dem Motorrad direkt in den Plenarsaal des Reichstags rollt, und zwar rückwärts und im Handstand, und zwar mit dann kariert rasierter Kurzhaarfrisur, und zwar, um dort dem führenden Satanisten im Bundeskabinett seine Aufwartung zu machen, wobei er aber leider nicht verraten kann, wer das ist. Oder ist es gar eine Satanistin?

Bis dahin haben wir aber noch etwas Zeit. Betrachten Sie also noch mal das Hemd. Und jetzt sehen Sie weg. Und wissen Sie was: Nichts hat sich geändert. Den Leuten in Griechenland geht es immer noch dreckig.

Yanis Varoufakis mit Hemd im griechischen Parlament
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Yanis Varoufakis mit Hemd im griechischen Parlament

Mitarbeit: Jens Ressing

insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
competa1 31.07.2015
1. Wo....
..kann man dieses Hemd kaufen?Bitte um Infos!
weem 31.07.2015
2.
Sehr geiles Hemd. Wenn ich mal einen eigenen Staat Gründe, nehme ich das Hemd als Nationalflagge..
bjbehr 31.07.2015
3. Nicht nur Hemdenträger
Herrlich! Vielen Dank, SPON! Ich wusste, er ist nicht nur für mich und wahrscheinlich die gesamte Bundesrepublik ein Sympathieträger.
moenkhausia 31.07.2015
4. Ins Sommerloch gefallen
sind Sie wahrscheinlich, Herr Kuzmany. Sie wissen es und ich weiß es: Das Hemd ist geil, und es steht dem Mann ausgezeichnet. Varoufakis ist für die Kleinkarrierten unter uns einfach das dringend gesuchte rote Tuch. Vor allem im Sommerloch!
xayal 31.07.2015
5. nein, nein
er ist wirklich nicht so interessant- und der mini-essay über sein hemd mag ganz witzig sein, aber auch belanglos und überflüssig. als wirtschaftskoryphäe könnte man ihn in einen stall mit s. wagenknecht sperren, hauptseminaristen mit erhöhtem selbstwertgefühl, aber ohne erdung zur realität.
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