US-Modedesigner Zac Posen "Männer haben große Egos, sind aber total unsicher"

Er gilt als Frauenversteher und kleidet Diven wie Glenn Close und Beyoncé ein. Am Rande der Berliner Fashion Week spricht Zac Posen über weibliche Macht.

Getty Images

Ein Interview von Stephanie Beckmann


SPIEGEL ONLINE: Herr Posen, Sie designen Kleider für die erfolgreichsten Frauen unserer Zeit - Kate Winslet, Natalie Portman, Rihanna. Wie gehen Sie vor?

Zac Posen: Es ist ein Spiel. Die Damen geben mir Stichworte aber überlassen mir die Interpretation. Ich mag diese Art von Zusammenarbeit, sie inspiriert mich. Es ist mir sehr wichtig, die Unterschiedlichkeit der Frauen zu repräsentieren anstatt nur einem bestimmten Typ gerecht zu werden. Die einen soll ich in ihrer Persönlichkeit unterstützen, andere wollen gleich ein komplett neues Image von mir.

SPIEGEL ONLINE: Wem würden Sie gerne eine Robe oder ein neues Image verpassen?

Posen: Madonna. Natürlich trägt sie meine Kleider, aber ich habe noch nie eine richtige Robe für sie angefertigt. Das ist mein Traum.

SPIEGEL ONLINE: Warum Madonna?

Posen: Sie steht für kulturellen Wandel. Uns verbindet die Leidenschaft für Glamour und Provokation. Sie legt allerdings größten Wert darauf, gesellschaftlich relevant und aktuell zu bleiben, während ich mehr an Zeitlosigkeit und bleibenden Werten interessiert bin - das täte ihr vielleicht auch ganz gut.

SPIEGEL ONLINE: Klingt so, als seien Sie ein Frauenversteher. Auch in Ihrem Unternehmen umgeben Sie sich hauptsächlich mit Mitarbeiterinnen. Glauben Sie, dass Frauen die besseren "Geschäftsmänner" sind?

Posen: Nein, das kann man nicht verallgemeinern. Aber ja, in meinem Büro sitzen tatsächlich mehr Frauen, und die haben auch mehr zu sagen. Ich mag mächtige Frauen. In diesem Business kann man keine Mauerblümchen gebrauchen, man braucht Zugpferde. Männer haben große Egos, sind aber total unsicher.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kollektion 2008 wurde im Rahmen der Berliner Modewoche gezeigt. Sie selbst waren nicht anwesend und hatten doch eine klare Vorstellung von Berlin. Wie New York in den Achtzigern stellten Sie sich die deutsche Hauptstadt damals vor. Was sagen Sie nun?

Posen: Berlin kommt. Definitiv. Mir gefällt diese Art der hippen Nostalgie hier. Ich bin im New Yorker Stadtteil Soho aufgewachsen - der Wiege der Hipster. Aber das bezieht sich auf die Zeit unserer Eltern, die waren die Hipster der Sechziger- und Siebzigerjahre. Die Beat-Generation, die Proteste im East Village, die ganze Warhol-Clique. Die anderen jungen Designer und ich sind nur eine Reaktion darauf. Wir sind in den Achtzigern aufgewachsen. Zwar hat es uns damals nicht interessiert, doch unsere Mode weist starke Referenzen an diese Zeit auf. Und diese Einflüsse erkenne ich auch hier in Berlin wieder. Die Menschen kleiden sich experimentierfreudig und selbstbewusst.

SPIEGEL ONLINE: Was fehlt Berlin als Modestadt im Vergleich mit Paris, Mailand oder New York?

Posen: Das ist schwer zu sagen. Rein geografisch gesehen ist das fehlende Zentrum ein Problem. Durch die vielen Stadtteile in Berlin gibt es keinen Punkt der geballten Konzentration von Kreativität. Es verläuft sich hier einfach alles.

SPIEGEL ONLINE: Oder mangelt es uns an herausragenden Designtalenten?

Posen: Das glaube ich nicht. Aber zu meiner Zeit gab es gleich ein ganzes Kollektiv an Designern, das eine neue Zeit repräsentierte: Da waren Proenza Schouler, Derek Lam und ich. Wir wurden gleichzeitig gefördert und gefeiert. Vielleicht sollte das hier in Berlin auch mal passieren.

Zur Person
    Zac Posen, 34, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen US-Modedesigner. Nach seinem Studium am Central Saint Martins College in London gründete er 2002 im Alter von 21 Jahren sein eigenes Label in New York. Schon mit der ersten Kollektion gewann er Fans wie Supermodel Naomi Campbell und die Chefin der US-"Vogue", Anna Wintour.
    Sein Markenzeichen: perfekt geschnittene Roben für den großen Auftritt. Heute werden sie von Prominenten wie Glenn Close oder Beyoncé auf den roten Teppichen der Oscar-Verleihungen, Emmy-Awards und den Golden Globes getragen.
    Zur Berliner Fashion Week kam Posen nun nach Berlin. Er ist Schirmherr des "Designer for Tomorrow"-Awards, initiiert vom Modehaus Peek & Cloppenburg.



insgesamt 4 Beiträge
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spontanistin 11.07.2015
1. Bedeutung?
Worin besteht denn nun die herausragende Bedeutung? Ist noch nicht klar geworden? In der Anzahl der weiblichen Angestellten? Oder in der Umsatzrendite? Ich muss doch wissen, warum ich mir seine Kreationen kaufen muss!
Körperklaus 11.07.2015
2. Was soll diese Überschrift?
Wo ist den da der Bezug zum Text? Ist das die wichtigste Aussage aus dem Text? Man könnte denken Journalisten werden in Männerbashing ausgebildet.
01099 11.07.2015
3.
Wer Madonna für ein Aushängeschild von "kulturellem Wandel" hält, muss ich nicht ernst nehmen, oder? Und ob Männer die wirklichen Egoisten sind, wage ich zudem stark zu bezweifeln. Aber was soll's...
EMU 12.07.2015
4. Erfolgreichste Frauen?
Ehrlich, bei der ersten Frage hatte ich irgendwie erstmal an Angela Merkel, Hillary Clinton oder Christine Lagarde gedacht, nicht diese Klatschzeitungssternchen.
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