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Karl Lagerfeld: Sein Leben in Bildern

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Michalsky über seinen Freund Lagerfeld "Karl, das war zu früh!"

Gemeinsame Nächte an der Spree und Ratschläge fürs Leben: 15 Jahre lang waren Michael Michalsky und Karl Lagerfeld befreundet. Hier verabschiedet sich der Berliner Designer von seinem Vorbild.
Zur Person
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Michael Michalsky, Jahrgang 1967, ist einer der bekanntesten Designer Deutschlands. Er studierte Modedesign in London, arbeitete beim Jeanshersteller Levi Strauss und ab 1995 bei Adidas. Seit 2006 ist Michalsky selbstständig. Neben Damen- und Herrenmode gibt es inzwischen auch Sofas, Tapeten und Teppiche unter seinem Namen. Seit Kurzem ist er außerdem Chefdesigner der Marke Jet Set.


Karl, das war zu früh!

Es heißt, man brauche ein Jahr, um sich vom Ende einer langjährigen Beziehung zu erholen. Aber Karl, du warst schon immer da! Mein ganzes Leben.

Deinetwegen bin ich Modedesigner geworden. Deinetwegen habe ich "nichts Vernünftiges" studiert - sagte mein Vater. Und nur deshalb konnte ich dich im Jahr 2004 als Fotografen für eine Adidas-Kampagne engagieren. Das war der Beginn unserer Freundschaft.

"Pflege deine Neugier!"

Wunderbar, wie du mich damals in den Shooting-Pausen in deinen Buchladen geschleppt hast und mir jedes Buch schenktest, das ich unbedingt lesen sollte. Es waren so viele, dass du mir sie kistenweise nach Deutschland hinterherschicken musstest. Du sagtest: "Lies das, Junge. Sei neugierig!" Und später hast du noch ein Porträt von mir geschossen, und als dein Manager meinte, das solle Extra-Honorar kosten, hast du nur gelächelt und abgewinkt. Dieses kleine Lächeln, kaum zu sehen, doch deutlich.

Michalsky, fotografiert von Lagerfeld

Michalsky, fotografiert von Lagerfeld

Foto: Karl Lagerfeld

Und später, dieser legendäre Abend in Berlin. Du hattest keine Lust auf die Tischgesellschaft, und wir standen die halbe Nacht vorm Grill an der Spree. Wir philosophierten über den Sinn der Mode, Farben, Verkleidung und Stil - während meine Begleitung dir mit Spucke die Ringe poliert hat. Köstlich.

Damals begann auch unsere Phase mit den Briefen. Jedes Mal, wenn wir uns in Berlin gesehen oder verpasst haben, schriebst du mir hinterher einen Brief. Von Hand. Natürlich! Manchmal mehrere Seiten. Gedanken und Splitter über die Welt, die Stadt, die Mode und auch Lob oder Augenzwinkern über meine Entwürfe.

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Du hast öffentlich behauptet, das Einzige, was dich interessiere, seist du selbst. Du Charmeur. Alles hat dich interessiert und vor allem viele andere Menschen.

"Michael, geh viele Wege!"

Weißt du, Karl, du hast recht. Als du anfingst, dir von Michel Gaubert deine regelmäßigen Playlists zusammenstellen zu lassen, habe ich das damals noch nicht verstanden. Du hattest da längst schon erkannt, dass die Musikszene zersplittert und du ganz viel hören musst.

Im Video: Lagerfeld-Interview 1997 - Auf ein Gespräch mit Kaiser Karl

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Und wie wichtig der Blick über den Tellerrand ist, wurde mir wieder bewusst, als du in Hamburg deine genialen Container Handbags gezeigt hast.

Ich danke dir! Ich danke dir für die Freundschaft. Ich danke dir für Inspiration und alles, was du der Welt geschenkt hast. Ich danke dir, denn du bist ein Teil von mir. Und das bleibst du.

Keine Trauer! Ein Lächeln!

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