Akkuschrauber im Test Festgezogen

Bei Bastelarbeiten und Reparaturen kann ein elektrischer Schrauber helfen, Zeit und Kraft zu sparen. Wir haben getestet, wie kraftvoll solche Geräte wirklich sind und wie lange sie durchhalten.
Reindrehen statt durchdrehen: Die fünf getesteten Geräte

Reindrehen statt durchdrehen: Die fünf getesteten Geräte

Foto: Rainer Claaßen

Do-it-yourself ist angesagt – nicht erst seitdem die meisten Menschen aufgrund der Coronakrise deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen. Wer gelegentlich Möbel von Ikea aufbaut, Regale an der Wand befestigt oder selbst kreativ wird und Möbel oder Wohnaccessoires gestaltet, merkt schnell: Mit dem Handschraubendreher wird die Arbeit ziemlich schnell lästig. Arbeitet man mit festeren Materialien wie Hartholz, stößt man damit ohnehin bald an Grenzen.

Nicht jeder möchte aber gleich in einen großen Akkuschrauber investieren. Die hier getesteten Modelle sind klein und handlich, leisten aber im Haushalt gute Dienste – und dürften zum Teil auch von professionellen Handwerkern durchaus geschätzt werden.

Die Produkte im Überblick:

  • Bosch Akkuschrauber IXO (5. Generation) (29,85 Euro) das kleine Gerät wird in einer praktischen und ebenfalls kompakten Aufbewahrungsbox geliefert, die richtig schick aussieht. Zum Lieferumfang gehören ein Netzadapter und ein kleiner Satz von insgesamt zehn Bits.

  • Bosch Akkuschrauber IXO (6. Generation) (41,99 Euro) – der wesentlichste Unterschied zum deutlich günstigeren Vorgängermodell ist das neue Design. In der sechsten Generation wirkt der IXO fast schon futuristisch. In der Ladeschale kann das Gerät mit Strom versorgt werden, ohne dass ein Kabel in eine Buchse zu fummeln ist.

  • Brandson Akkuschrauber mit Drehmomentaufsatz (37,85 Euro) – Gleich vier verschiedene Aufsätze gehören hier zum Lieferumfang. Unter anderem ist ein Werkzeug zum Teppichschneiden dabei. Zusammen mit 28 Bits, einer Aufnahmeverlängerung und einem Ladegerät kommt das alles in einem robusten schwarzen Koffer.

  • Makita Akku-Stabschrauber DF001DW (48,73 Euro) – der Hersteller ist für professionelles Werkzeug bekannt. Der Griff des Geräts lässt sich drehen, sodass es entweder wie eine Pistole oder wie ein klassischer Schraubendreher gehalten werden kann, was bei manchen Aufgabenstellungen praktisch ist.

  • Tacklife SDP51DC Akkuschrauber (23,99 Euro) – zum Lieferumfang des günstigsten Geräts im Testfeld gehört zwar keine Transportbox. dafür ist ein Aufsatz dabei, mit dem auch in Winkeln geschraubt werden kann. Außerdem insgesamt 30 Bits und ein feiner Bohraufsatz.

So haben wir getestet:

Handhabung – Liegt der Schrauber gut in der Hand? Sind die Bedienelemente gut zu erreichen und am richtigen Ort?

Power – Schrauben von unterschiedlicher Länge und Dicke wurden in Holzbalken eingeschraubt – wie tief schaffen die verschiedenen Geräte, die Schrauben ins Holz zu drehen?

Ausdauer – Die Akkus wurden voll aufgeladen und die Geräte dann im Dauerbetrieb laufen gelassen, bis sie sich aus Strommangel abschalteten.

Ausstattung Was gehört alles zum Lieferumfang? Sind genügend Aufsätze dabei?

Bosch Akkuschrauber IXO (5. Generation)

Foto: Rainer Claaßen

Das günstigere Modell von Bosch – es ist schon etwas länger auf dem Markt als das zweite Gerät dieses Herstellers im Testfeld – macht einen sehr ausgewogenen Eindruck.

Die Akkulaufzeit liegt mit 70 Minuten im oberen Mittelfeld, und auch bei der Kraftübertragung reiht sich das Gerät auf einem mittleren Platz ein. Nur zehn Bit-Aufsätze werden in dem weißen Transportkoffer mitgeliefert. Ein Netzgerät mit USB-Anschluss liegt ebenfalls darin. Während des Ladevorgangs zeigt eine LED auf der Geräteoberseite den Fortschritt des Ladevorgangs an. Die signalisiert durch rotes Blinken auch, wenn die Leistung des Akkus langsam zur Neige geht.

Bosch bietet diverse alternative Aufsätze als Zubehör an. Um die anzubringen, muss eine Gummikappe, die um das Bohrfutter liegt, abgezogen werden. Diese lässt sich in zwei Positionen befestigen, in denen sind unterschiedliche Blenden vor der LED angebracht werden, sodass das Licht entweder fokussierter und heller strahlt, oder etwas dunkler einen größeren Bereich der Arbeitsfläche beleuchtet. Drehzahl und eingesetzte Energie lassen sich nicht regulieren – der »Abzug« kennt nur die Stellungen ein und aus. Die Drehrichtung wird mit einem Schalter hinten oben auf dem Gehäuse eingestellt. 

Bosch Akkuschrauber IXO (6. Generation)

Foto: Rainer Claaßen

Kurz bevor der Akku nach knapp 75 Minuten schlapp machte, signalisierte das Gerät das baldige Arbeitsende mit einem Blinken einer der drei LEDs auf der Oberseite.

Das Gehäuse sieht nicht nur elegant aus, sondern liegt auch gut in der Hand. Die Drehrichtung wird mit einem Schiebeschalter festgelegt, der griffgünstig für den Daumen der Arbeitshand gelegen ist. Drehgeschwindigkeit und somit auch die übertragene Energie lassen sich mit dem Zeigefinger am Abzug präzise dosieren. Die integrierte LED beleuchtet den Arbeitsbereich während der »Abzug« gedrückt wird – und noch ein paar Sekunden danach.

Alternative Aufsätze, etwa zum Schrauben in Winkeln oder zum Schneiden von Teppichen, bietet Bosch als Zubehör an. Sogar ein Grillgebläse-Aufsatz gehört zum Sortiment. Eine Transporthülle fehlt allerdings – und es werden nur zehn Bit-Aufsätze mitgeliefert. Die können allerdings in der praktischen Ladeschale untergebracht werden.

Das Gerät ist nicht das kräftigste im Testfeld. In einen Hartholzbalken ohne Vorbohrung drehte sie eine Vier-Millimeter-Schraube nur etwas mehr als zwei Zentimeter tief. Für »normale« Bastelarbeiten reicht die Kraft aber aus. Zudem hatte das Gerät mit 75 Minuten Betriebszeit die beste Ausdauer.

Brandson Akkuschrauber mit Drehmomentaufsatz

Foto: Rainer Claaßen

Bei diesem Gerät gehören mehrere alternative Aufsätze zum Lieferumfang. Zusätzlich zum »normalen« Schraubaufsatz liegt in dem schwarzen Kunststoffkoffer ein Aufsatz der im rechten Winkel abgeknickt ist, einer mit dem man dicht an Kanten schrauben kann sowie einer, bei dem sich das maximale Drehmoment regulieren lässt. Für die zehn Stufen, die sich dabei einstellen lassen, macht der Hersteller aber keine Angaben, wie viel Kraft jeweils maximal übertragen wird. Es gibt aber durchaus Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, das Drehmoment zu dosieren.

Mit dem pistolenenartigen Abzug lassen sich Drehgeschwindigkeit und Energieübertragung nicht regulieren. Ein darüber angebrachter Schieberegler schaltet zwischen Rechts- und Linksdrehung um – eine versehentliche Betätigung kann bei dieser Positionierung leicht vorkommen.

Das Gerät hatte von allen Testkandidaten am wenigsten Power – die Sechs-Millimeter-Schraube, die alle anderen Testkandidaten bis zum Anschlag in einen Weichholzbalken schraubten, ragte hier noch fast 2,5 Zentimeter aus dem Holz heraus, als das Gerät stoppte. Die Vier-Millimeter-Schraube versenkte er im Hartholz nur 1,5 Zentimeter tief.

Der Akku hielt ziemlich genau eine Stunde lang. Zum Lieferumfang gehören 28 Bits und ein Verlängerungsaufsatz.

Makita Akku-Stabschrauber DF001DW

Foto: Rainer Claaßen

Nicht ganz unerwartet entpuppte sich das Modell des japanischen Herstellers als das stärkste im Testfeld. Selbst in den Hartholzbalken trieb es die Vier-Millimeter-Schraube fast 4,5 Zentimeter tief hinein.

Beim Zubehör geizt der Hersteller nicht: Im Preis von knapp 50 Euro ist eine große Transportbox aus Kunststoff enthalten, in der neben dem Schrauber und einem Ladegerät noch 68 kurze und sechs lange Bit-Aufsätze stecken sowie sechs Aufsätze, mit denen sich kleinere Muttern festdrehen lassen.

Das Material wirkt robust und hochwertig. Der Schrauber selbst ist nicht elegant, überzeugt aber nicht nur durch seine große Kraft. Der Griff rastete in zwei wählbaren Positionen gut ein, die Welle ist gut zentriert, und das Gerät lässt sich trotz der kompakten Maße auch mit zwei Händen fest umgreifen. Während sich die LED-Leuchten bei den anderen Testkandidaten automatisch beim Aktivieren des Geräts einschalten, muss man hier eine Taste am Ende des Schraubers drücken, wenn die Arbeitsfläche beleuchtet werden soll. Eine Gummiabdeckung schützt den Mikro-USB-Anschluss zum Aufladen – so dringt dort kein Staub oder Wasser ein.

Die Akkulaufzeit lag mit 65 Minuten im Mittelfeld.

Tacklife SDP51DC Akkuschrauber

Foto: Rainer Claaßen

Das günstige Tacklife-Modell wird in einer Pappschachtel mit einem dünnen Plastikeinsatz geliefert – für die dauerhafte Aufbewahrung sollte man wohl ein anderes Behältnis anschaffen. Praktisch ist allerdings das Kunststoffdöschen, in dem die 30 mitgelieferten Bit-Aufsätze untergebracht sind. Mit einer Klemme lässt es sich zum Beispiel an einem Gürtel befestigen. Der Akku sorgte für eine Laufzeit von einer Stunde. Ein Mikro-USB-Ladekabel lag zwar in der Schachtel, das passende USB-Ladegerät fehlt aber, das ist ja auch beim aktuellen iPhone so.

Zieht man die Gummiabdeckung um die Bit-Aufnahme ab, lässt sich unkompliziert der Aufsatz zum Schrauben im Winkel anheften und in acht Postionen fixieren. Das Bohrfutter selbst hat etwas Spiel, was es schwer macht, Schrauben präzise einzudrehen. Eine LED-Leuchte ist an der Unterseite des Schraubers angebracht. Durch Drehen der Halterung kann die Größe der beleuchteten Fläche geringfügig verändert werden. Die Laufrichtung wird mit dem Daumen hinten am Gerät eingestellt, ein Pistolengriff dient zum Ein- und Ausschalten – dosieren lässt sich die übertragene Kraft damit allerdings nicht.

Die Laufzeit lag bei einer Stunde.

Anzeige

Tacklife SDP51DC Akkuschrauber, 33 Zubehör (inkl. Winkeladapter), 3,6V, 2.0Ah Li-Ion Akku mit Batterieanzeige, max. Drehmoment:4 Nm, LED-Licht, für Montage von Möbeln wie Regalen und Mini-Jalousien

Ab 29,99 € (0,07 € / Gramm)

Preisabfragezeitpunkt

05.02.2023 09.36 Uhr

Keine Gewähr

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Fazit:

Bei diesen Werkzeugen ist zwar noch keine künstliche Intelligenz eingebaut – immerhin werden aber alle Testkandidaten über einen Micro-USB-Anschluss aufgeladen. Als Computer-Schnittstelle fungiert der aber in diesem Fall nicht. Ärgerlich: Bei keinem der Modelle ist vorgesehen, dass der Akku gewechselt werden kann. Wegen der unvermeidlichen Alterung der Stromspeicher ist die Lebensdauer daher auf wenige Jahre begrenzt.

Grundsätzlich funktionieren alle getesteten Modelle gut, und selbst das vergleichsweise schwache Modell von Brandson liefert für die meisten Heimwerkeraufgaben ausreichend Energie. Hier bekommt man auch viel Zubehör für einen vergleichsweise geringen Preis. Die Markengeräte von Bosch und Makita wirken besser verarbeitet und dürften so auch länger halten. Der Bosch-IXO der aktuellen Generation verbindet ansprechendes Design mit guter Funktion. Das robusteste und kräftigste Gerät ist das Modell von Makita.

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