Argumente gegen Hass und Stammtischparolen: 12 Bücher gegen Rechts

12 Lesetipps für Menschen, die sich gegen rechtes Gedankengut wehren wollen.
Von bento Shopping List

Dieser Beitrag wurde am 08.11.2018 auf bento.de veröffentlicht.

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Niemand kann ernsthaft verlangen, mit Neonazis zu diskutieren. Was soll es da auch groß zu besprechen geben? Aber oft ist es eben nicht ganz so einfach – und uns begegnen mehr oder weniger geistreiche Kommentare zu Flucht, Immigration, Untergang des Abendlandes oder Rechtsruck der Politik beim Abend mit Freunden, im Büro, im Hörsaal, zu Besuch bei Verwandten oder irgendwo in der U-Bahn.

Diskussionen dazu glänzen leider oft mit Verallgemeinerungen, Stammtischparolen, Angst, Wut, oder schlichtem Unwissen. Die folgenden Bücher schaffen Abhilfe:

Rhetorik: Wie lässt sich gegen radikales Gedankengut argumentieren?

Rolf Gloël: Gegen Rechts argumentieren lernen 

Die Autoren sind im Bereich Sozial- und Jugendarbeit tätig ­und setzen sich mit Ideologien und Motiven auseinander, die zu rechtsradikalem Denken führen. 

Sie beantworten dabei Fragen wie: Welche Strategien gibt es, um auf Menschen mit radikalen Meinungen zuzugehen? Wie geht Kommunikation auf Augenhöhe? Wo ist rechtes Gedankengut nach wie vor - ­oder: wieder -­ im Alltag verankert? 

Hier kannst du stichhaltige Argumente gegen radikale Positionen nachlesen und lernst, wie du Menschen dazu veranlassen kannst, ihre eigenen Denkmuster zu hinterfragen. 

Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren

Fanatische Weltanschauungen haben vieles gemeinsam, insbesondere ihre Schwachstellen. Der Autor ist Professor für Philosophie mit Schwerpunkt auf Argumentationstheorie und logischem Empirismus und zeigt hier seinen Werkzeugkasten.

Er beschreibt anhand von religiösem Fanatismus ausführlich die Gemeinsamkeiten ideologischer Argumentationsgebilde. Dabei deckt er jede Menge argumentativer Tricks und Kniffe auf und erklärt unter anderem, wie man selbst logische Fallgruben vermeidet.

Heribert Prantl: Gebrauchsanweisung für Populisten

Der Journalist nennt Probleme und Versäumnisse der Politik, wenn er über die steigende Gefahr von Populismus in Europa schreibt. Er zeigt, warum extremistischer Populismus zwar verführerisch ist, aber gleichzeitig zu einer Verschlechterung der Lage beiträgt. 

Hintergrund: Wie konnte es in Deutschland wieder zu einem politischen Rechtsruck kommen?

Melanie Amann: Angst für Deutschland 

Die Journalistin arbeitet seit 2013 in Berlin für den SPIEGEL und berichtet über die AfD – und ist deswegen massiven Anfeindungen ausgesetzt. Dementsprechend sehen auf Amazon die Bewertungen ("Widerliche linke Hetze von einer widerlichen linken Gesinnungs-Journalistin!") zu ihrem Buch aus. 

Unnötig zu sagen, dass das Gegenteil der Fall ist: Amann beschreibt ein sehr detailliertes Portrait der AfD, von deren Anfängen und Gründung, bis hin zu Mitgliederstruktur und steigender Radikalisierung. Erschreckend!

Walter Ötsch und Nina Horaczek: Populismus für Anfänger 

"Verbreiten Sie den Mythos von der guten alten Zeit!" Kommunikationsexperte Ötsch und Journalistin Horaczek helfen dir als fiktive Coaches auf dem Weg zum erfolgreichen Populisten und Demagogen. 

Dabei entlarven sie humorvoll und detailreich die Strategien von Rechtspopulisten und machen- anhand von insgesamt 70 Verhaltensmustern - die Kommunikationsstrategien von Orban, Trump, Petry und Co. durchschaubar.

Thomas Wagner: Die Angstmacher

Der Autor stellt sich ganz gezielt der Konfrontation und dem Gespräch mit intellektuellen Vertretern der "Neuen Rechten" und hat deren Schriften und Ideen sorgfältig studiert. Für ihn ist ein solcher Diskurs keine "Kapitulation", sondern der Ausdruck einer demokratischen Streitkultur und bitter notwendig. 

Auch interessant: Wagners Reflektionen über die Ähnlichkeiten der "Alten Linken" und der "Neuen Rechten"  - wie ursprünglich linksliberale Aktionsformen, aber auch Standpunkte wie der Hass auf  "das Establishment", zunehmend von Rechten gekapert werden. 

Die Perspektive wechseln: Was steckt hinter Flucht und Migration und wie fühlen Betroffene?

Philipp Ther: Die Außenseiter 

Berichte über Flucht und Migration beherrschen die Medien. Die politische Stimmung ist zutiefst von den Entwicklungen beeinflusst und zuweilen ist sogar die Rede von einer neuen Völkerwanderung. Doch so neu, wie die Themen und Probleme scheinen, sind sie geschichtlich gesehen nicht sonderlich außergewöhnlich. 

In seinem Buch berichtet der Historiker und Kulturwissenschaftler Ther, anhand von einzelnen Lebensgeschichten, von Vertreibung, Flucht, Integration, Umsiedlungen und Aufbrüchen in den letzten fünf Jahrhunderten. Er beschreibt darin ein Europa, das zutiefst von Migration geprägt ist und im Grunde immer von dieser profitiert hat. 

Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneder: Auf der Flucht 

Es ist eine banale, aber wichtige Tatsache: Hinter der abstrakten "Flüchtlingsproblematik" stehen individuelle Menschen mit ganz persönlichen Schicksalen, Hoffnungen, Wünschen, Träumen und Problemen. In diesem Buch wird zumindest einigen von ihnen eine Stimme gegeben. 

Der Journalist El-Gawhary schreibt seine Reportagen "von beiden Seiten des Mittelmeers" voller Empathie. Ein Buch, das das Leid - unter anderem im Nahen Osten - greifbar macht. Und dabei hilft, die Welt mit den Augen der Geflüchteten zu sehen. 

Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox

El-Mafaalani argumentiert unterhaltsam und schlüssig, warum gerade Streit um Integration ein Zeichen dafür ist, dass wir als offene und diverse Gesellschaft auf einem guten Weg sind. Er erklärt, dass Missstände und Ungleichheiten umso mehr auffallen, je geringer sie insgesamt werden. 

Dadurch, dass Minderheiten immer mehr Teilhabe an der Gesellschaft erhalten, gewinnen sie mehr Mitspracherechte. Diese ermächtigen sie zum Beispiel dazu, sich gegen unfaire Privilegien zur Wehr zu setzen und auf wiederum mehr Mitbestimmung zu pochen.  

So verstärkt an sich gelungene Integration immer zunächst den Rassismus in einer Gesellschaft und zieht neuen Streit nach sich. Ein sehr spannender und letzlich entspannend optimistischer Denkansatz.

Zum Nachdenken: Was können wir aus der Geschichte lernen?

Madeleine Albright: Faschismus – Eine Warnung 

Die ehemalige US-Außenministerin erklärt und analysiert in ihrem neuen Buch die Wiederkehr - und rasante Verbreitung - anti-demokratischer Gesinnungen seit dem 20. Jahrhundert. 

Albright, deren eigene Lebensgeschichte gleich mehrere Flucht-Erfahrungen beinhaltet, zeigt messerschaft auf, wie Autokraten á la Erdogan und Putin die Demokratie schädigen und welche Gefahren sie in der derzeitigen Präsidentschaft von Donald Trump sieht. Eine Warnung, die es in sich hat.

Verschiedene Herausgeber: Mein Kampf – Gegen Rechts 

Seit 2015 darf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" wieder verlegt werden ­- das war ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Worte wie "Lügenpresse" und "Volksverräter" in Teilen der Politik wieder sagbar wurden. 

Dieses Buch setzte dagegen ein lautes und deutliches Zeichen: Elf Menschen ­- vom Holocaust-Überlebenden bis zum Ex-Neonazi -  ­schildern darin ihre Geschichte und ihren persönlichen Kampf gegen Intoleranz in Deutschland. 

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge

"Wir haben unser Zuhause und damit die Vertrautheit des Alltags verloren." Als Hannah Arendts Text 1943 erscheint, ist ein Ende des Krieges noch nicht abzusehen - und Fluchtbewegungen in ganz Europa sind in vollem Gange. 

Heute sind ihre Worte über die verzweifelte Lage von jüdischen Flüchtlingen -  die ihre Kultur, ihre Sprache, eigentlich ihre ganze Welt, verloren und andere Probleme als "möglichst rasche Assimilation" haben - wieder brandaktuell. Ein unerwarteter und augenöffnender Beitrag  aus vergangenen Zeiten.

  1. Die Welt ist kompliziert.
  2. Halbwissen hilft bei komplexen Themen und emotionalen Diskussionen nicht viel weiter.
  3. Mehr Information schon.
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