Brett- und Kartenspiele Extraspaß am Katzentisch

Tetris mit Miau-Faktor, ein Katzenbürgermeister, Übeltäter auf Samtpfoten und explodierende Tiere: In Spielen können Katzen für gute Stimmung sorgen. Vier Vorschläge, bei denen sie endlich auf den Tisch dürfen.
Diese Spiele haben wir getestet: »Insel der Katzen«, »Catham«, »Cat Crimes« und »Exploding Kittens«

Diese Spiele haben wir getestet: »Insel der Katzen«, »Catham«, »Cat Crimes« und »Exploding Kittens«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Tetris mit Katzen: »Insel der Katzen«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Katzen! Tetris! Schätze! Wer jetzt noch nicht an den Spieltisch rennt, dem ist nicht zu helfen. Die »Insel der Katzen« ist ein großartiges Legespiel, bei dem man Katzenplättchen auf Bootspläne puzzelt, Katzenkörbe, Schätze, Fische und Aufträge sammelt und natürlich um Siegpunkte ringt. Der böse Vesh Düsterhand plant nämlich die Zerstörung der Katzeninsel. Wir wollen möglichst viele der edlen Geschöpfe vor der Auslöschung bewahren und nebenbei noch ein paar antike Schätze bergen.

So weit, so egal, denn diese Geschichte spielt im weiteren Verlauf des Spiels eigentlich keine Rolle mehr. Kluges Sammeln und Legen aber schon: Neben den tetrisartigen Plättchen, auf denen sich Katzen in fünf verschiedenen Farben sowie die magischen Oshax-Katzen räkeln, gibt es noch entzückende Katzenfigürchen aus Holz, Fisch- und Schatzplättchen und Entdeckungskarten. Wer Katzen retten will, braucht Katzenkörbe – damit kann man sie auf beiden Seiten der Insel einfangen, was allerdings Fische kostet. Katzenfamilien bringen Extrapunkte, abgedeckte Ratten auch – und viele Auftragskarten bringen noch weitere Siegbedingungen ins Spiel.

In jeder Runde fährt das Schiff des Bösewichts weiter, nach fünf Runden ist Schluss. Reizvoll ist die Kombination aus Karten- und Legespiel: Man muss bei beiden Komponenten klug wählen, weitsichtig planen und wird keinesfalls alle Ziele erreichen können; sehr verschiedene Strategien können zum Sieg führen. Das erhöht den Wiederspielreiz – für ein so teures Spiel ein wichtiger Punkt.

Die »Insel der Katzen« bietet Spaß auf mehreren Levels. Vielspieler und reine Erwachsenenrunden werden mit der Profiversion glücklich, für Familien und Gelegenheitsspieler gibt es eine klug abgespeckte Anleitung, die das Spiel sehr viel einfacher macht. Und für eine Solovariante (weitere schöne Solospiele finden Sie hier) gibt es sogar eigene Sonderkarten. Auch eine Erweiterung ist bereits auf dem Markt. Das eigentliche Plus aber ist der Karton. Denn der ist so stabil, dass man problemlos auch eine dicke Katze hineinsetzen kann (auf der Innenseite prangt die Aufschrift »Platziere deine Katze hier, während du die Insel der Katzen spielst«). Dass Katzen das gerne mögen, ist schließlich wissenschaftlich erwiesen.

Eine bis vier Personen ab acht Jahren, Spieldauer eine bis anderthalb Stunden

Hand drauf: Spielmaterialfetischisten und Tetrissüchtige

Finger weg: Puristen, die geradlinige Mechaniken einem Mix vorziehen – und glücklastige Elemente nicht mögen

Krallen ausfahren bei der Bürgermeisterwahl: »Catham City«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

In Catham City wird gewählt. Natürlich ist die Wahl alles andere als fair – sonst wäre sie ja langweilig. Acht Fraktionen ringen in der von Yuriy Zhuravlev erdachten, düsteren Katzenstadt mit allen Tricks und vielen Karten um Einfluss. Man sollte sich gut überlegen, ob man lieber mit dem Wissenschaftsrat kungelt, die Bürokraten besticht, die Hacker unterstützt, auf die Macht der Polizei setzt oder sich der Mafia anschließt.

In jedem Spiel kommen fünf der Fraktionen zum Einsatz. Sieben Karten liegen offen in der Tischmitte. Wer an der Reihe ist, darf entweder alle Karten einer Fraktion aus der Mitte nehmen oder Handkarten einer einzigen Fraktion spielen. Jede Fraktion hat dabei eigene Regeln, mit denen man Wahlkampfpunkte sammeln und die Mitspielenden ärgern kann: Die Hacker infiltrieren gegnerische Decks, die Mafia zwingt sie, Karten abzugeben, Journalistinnen bringen mehr Karten ins eigene Deck und Siegpunkte für alle, die sie klug nutzen, Polizistenkatzen durchsuchen gegnerische Karten, Robocats holen Verstärkung ins Deck.

Wer zuerst eine bestimmte Anzahl Wahlkampfpunkte gesammelt hat, gewinnt die Bürgermeisterwahl. Das spielt sich schnell und fluffig, aber immer spannend – und auch Vielspieler können dem hübsch gestalteten Spiel noch einen Reiz abgewinnen, weil durch die unterschiedlichen Fraktionen jede Runde anders abläuft. Nett auch die kurzen (englischen) Zitate auf den Katzenkarten: »The bullet changes a lot in a head, even if it hits your ass.«

Zwei bis sechs Personen ab acht Jahren, Spieldauer etwa eine halbe Stunde

Hand drauf: Skrupellose Schnelltaktierer

Finger weg: Weitsichtige Vorplaner

Logik auf Samtpfoten: »Cat Crimes«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Wer hat den Kanarienvogel gefressen? War es die tollpatschige Betty, der smarte James, der Streuner Herr Schröder – oder der überaus unschuldig schauende kleine Tommy Tiger? Vierzig Karten steigender Komplexität stellen jeweils ein Katzenvergehen vor und geben Hinweise auf die schuldige Samtpfote.

»Cat Crimes« ist streng genommen kein richtiges Spiel, sondern eine Sammlung von Logikrätseln. Man platziert Katzenaufsteller um einen Tisch und schiebt sie zurecht, bis die schuldige Katze vor dem Ort der Missetat sitzt. Dazu muss man kombinieren: Wenn Tommy links neben Betty sitzt, aber Betty nicht vor dem Goldfischglas, dafür gegenüber von James und neben Kratzspuren – wer muss dann vor dem leeren Vogelkäfig sitzen?

Das Pappzubehör ist ein hübsches Extra, das man zur Lösung der Rätsel nicht zwingend bräuchte, aber es macht Spaß (und erleichtert das Schlussfolgern). Wie bei allen Solo-Spielen gilt: Spaß macht es auch zu zweit – man grübelt gemeinsam und schiebt die Katzenfigürchen herum, bis alles passt.

Eine Person ab acht Jahren, Spieldauer je nach Denkgeschwindigkeit

Hand drauf: Ruhige Knoblerinnen

Finger weg: Liebhaber steiler Spannungskurven

Sehr albern: »Exploding Kittens«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

»Komm, leg die Anleitung weg!« Mit diesen aufmunternden Worten beginnt die Anleitung von »Exploding Kittens«, das mit knapp 8,8 Millionen Dollar vor fünf Jahren das bis dahin meistunterstützte Kartenspiel auf der Finanzierungsplattform Kickstarter war. Der Erfolg lag vor allem an der Internet-Populärität seines Miterfinders: Der US-amerikanische Cartoonist Matthew Inman betreibt die wirklich lustige Webseite »The Oatmeal «.

Das 56 Karten umfassende Spiel ist aber auch, wenn man die Anleitung liest, statt das darin angegebene Erklärvideo anzuschauen, in wenigen Minuten gelernt (hier sind noch mehr schnell erklärte Spiele). Im Grunde ist es eine Abwandlung des russischen Roulettes, nur mit absurden Katzenkarten statt geladenen Pistolen: Abwechselnd spielt und zieht man. Wer ein »exploding kitten« zieht, ist raus, wenn er den Effekt nicht durch eine Entschärfungskarte abwenden kann. Mit Karten wie den »elektromagnetischen Zwergspitztornado« oder der »allmächtigen Mantisgarnele« kann man sich darum drücken, selbst eine Karte ziehen zu müssen, kann neu mischen oder Mitspieler in die Gefahrenzone zwingen. Am Ende bleibt nur der Gewinner übrig.

Wegen des sehr schlichten Prinzips verachten etliche Vielspieler das Spiel, von dem immer wieder neue Varianten aufgelegt werden. Aber in einer Runde, der der Sinn nach entspannter Albernheit steht, kann es Laune machen. Am meisten mit der neuen »miauenden Edition«, die genau das tut: Beim Öffnen macht sie Katzengeräusche. Wem Katzenfürze, Regenbogenrülpser und der Friedens-Nö!-Belpreis zu albern sind, der sollte zumindest einen Blick auf die epischeren Werke Inmans werfen, zum Beispiel hier  – dort erklärt er so klug wie unterhaltsam, wie Überzeugungen funktionieren.

Zwei bis fünf Spieler ab sieben Jahren, Spieldauer unter einer Viertelstunde

Hand drauf: Freunde albernen Spielspaßes

Finger weg: Taktiker und Feinhumoriker