Neue Brettspiele Verspielte Grüße aus der Küche

Gutes Essen und Brettspiele – das sind zwei Corona-konforme Hobbys. Warum nicht beide verbinden? Hier ist das Menü für Paare, Solospieler und Familien: fünf sehr schöne Spiele rund um Kochen, Backen und Küchenstress.
Diese Spiele haben wir getestet: »Spicy«, »Kitchen Rush«, »Cupcake Academy«, »Coffee Roaster« und »Punktesalat«

Diese Spiele haben wir getestet: »Spicy«, »Kitchen Rush«, »Cupcake Academy«, »Coffee Roaster« und »Punktesalat«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

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Vorspeise: »Punktesalat« – die besten Veggie-Strategien

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Schätze ich die Paprika als Paprika? Oder soll sie lieber Punkte sammeln? Beim flinken kleinen »Punktesalat« von Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich kommt es – wie immer in der Küche – auf die richtige Mischung an.

Das Spiel aus 108 Karten ist doppelseitig bedruckt: Eine Seite zeigt eine von sechs Gemüsesorten, die andere eine Wertungsbedingung fürs Spielende. Man kann etwa damit punkten, die meisten Karten einer Gemüsesorte zu haben oder aber damit, bestimmte Sets zu sammeln oder auch einzelne Gemüse völlig zu vermeiden – verbunden etwa damit, andere Gemüse in gerader Anzahl zu haben.

Jede frisch aufgedeckte Karten gibt neue Optionen. In der Tischmitte liegen sechs Gemüsekarten aus, darüber drei Kartenstapel mit der Wertungsseite nach oben. Wer dran ist, nimmt entweder zwei beliebige Gemüse oder eine Wertungskarte – danach werden die Gemüsereihen aufgefüllt.

Jeder strebt nach dem wertvollsten Salat. Es ist sinnlos, nur Gemüse zu sammeln, weil man so keine Punkte machen kann; nur Wertungskarten bringen auch nichts. So verzwirbelt man sich angenehm das Hirn, ob man lieber noch zwei Tomaten nehmen soll oder doch lieber die eine Wertungskarte, die den eigenen Kohl richtig fett macht.

Punktesalat ist schnell gelernt und schnell gespielt – genau richtig, um allen die Zeit zu vertreiben, bis der Auflauf im Ofen fertig ist.

Zwei bis sechs Personen ab acht Jahren. Spieldauer ungefähr 15 Minuten pro Partie.

Hand drauf: Familien, Gelegenheitsspieler und Vielspieler, die einen unkomplizierten Absacker suchen.

Finger weg: Leute, die es anderen sehr übel nehmen, wenn die ihnen die letzte Karotte vor der Nase wegschnappen.

Zwischengang: »Spicy« – reich illustrierter Gewürzbluff

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Gut lügen zu können, ist eine Kunst, mit der man sich nicht unbedingt beliebt macht. Aber beim Spielen kann man sie endlich mal ohne schlechtes Gewissen anwenden – und wird sogar noch dafür belohnt.

Mit dem mehrfach prämiierten Bluffspiel »Spicy« des ungarischen Spieleautors und YouTubers Zoltán Györi kann man sogar Nichtspieler leicht zu einer Partie überreden, die in weniger als fünf Minuten erklärt ist. Das liegt nicht zuletzt am Material: Wenige Kartenspiele sind so schön. Die von Jimin Kim illustrierten Karten sind goldfunkelnd und fantasiereich mit asiatisch anmutenden Raubkatzen und Mustern verziert.

Reihum spielt man eine von sechs Handkarten verdeckt aus und behauptet, eine Zahl und ein Gewürz gelegt zu haben. Es gibt Chili, Wasabi und Pfeffer, je von 1 bis 10. Der oder die nächste muss sich entscheiden: Erhöhen, passen – oder anzweifeln. Dabei muss der Zweifler sagen, was genau er nicht glaubt: Ist das kein Chili? Oder ist es keine Neun?

Dann wird aufgedeckt und nur dieser eine Punkt überprüft: Hat der Zweifler recht, bekommt er den Kartenstapel aus der Tischmitte vor sich. Hat er verloren, muss er zwei neue Handkarten ziehen. Wer seine Handkarten los ist, bekommt eine zehn Punkte schwere Trophäenkarte auf seinen Stapel. Sind alle drei weg oder hat ein Spieler zwei Trophäen, endet das Spiel und es wird ausgezählt.

Spicy ist ein konzentriertes Spiel, bei dem man blitzschnell überzeugend reagieren und knallhart bluffen muss. Die eigentliche Show dabei sind, wie bei jedem guten Bluffspiel, die Mitspieler.

Zwei bis sechs Personen ab zehn Jahren. Spieldauer ungefähr 15 Minuten pro Partie

Hand drauf: Bibliophile und Ästheten, Asienfreunde und Gewürzliebhaber, abgebrühte Trickser.

Finger weg: Allzu ehrliche Gemüter, die gnadenlos untergebuttert werden.

Hauptgang: »Kitchen Rush« – Stress im Restaurant

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Aaaargh! Da hinten brennt das Essen an, hier drüben sind neue Gäste. Wo bleiben die Gewürze und warum gibt es in der Küche keine sauberen Teller? Schnell! Schnell hab ich gesagt!

Wer schon immer wissen wollte, wie sich Stress anfühlt, der sollte in einer Restaurantküche anheuern. Jedenfalls, wenn gerade keine Pandemie wütet. In Corona-Zeiten ist es fast schon nostalgisch, sich diesen Stress vorzustellen. Aber am Spieltisch kann man ein bisschen nachfühlen, wie das so sein könnte.

»Kitchen Rush« von Dávid Turczi und Vangelis Bagiatakis ist ein kooperatives Echtzeitspiel – man gewinnt oder verliert gemeinsam und spielt im Wortsinn auf Zeit. Das fühlt sich thematisch richtig an: In der Küche bringt es schließlich gar nichts, gegeneinander zu arbeiten.

Vier Minuten hat man, bis alle Bestellungen fertig sein müssen – und von Level zu Level wird es, wie bei einem Computerspiel, ein bisschen komplizierter: Da muss man die richtigen Teller wählen, Zutaten aus den Speisekammern holen, auf die Garzeiten und Gewürze achten, und der Einkauf erledigt sich auch nicht von allein. Je mehr Erfolg man dabei hat, desto anspruchsvoller werden die Gäste.

Als Spielfiguren dienen Sanduhren, die auf Aktionsfelder gesetzt werden – und erst wieder herunter dürfen, wenn sie nach einer halben Minute abgelaufen sind. Das Küchenteam muss sich sehr gut miteinander absprechen, um alles auf die Kette zu kriegen, bis die vier Minuten abgelaufen sind. Sonst gibt es frustrierende Leerzeiten, weil niemand rechtzeitig gespült hat und jetzt alle erst einmal auf frische Teller warten müssen.

Der Spielplan wird je nach Schwierigkeitsstufe angepasst und ist in eine vergnügliche Restaurant-Erfolgsgeschichte in acht Kapiteln eingebettet; Ende Februar soll außerdem eine Erweiterung mit neuen Aufgaben und Aktionsmöglichkeiten erscheinen.

Schon zu zweit ist es herausfordernd, sich bei den Aktionen auf dem Spielplan nicht physisch ins Gehege zu kommen – kleinteilige Zutaten, Tellerplättchen und Gewürzwürfel laufen Gefahr, im Eifer des Gefechts vom Plan gewischt zu werden. Spielen vier Personen mit, kann es eng werden. Wie bei vielen kooperativen Spielen gibt es eine gewisse Gefahr, dass einer den Chefkoch geben und andere herumkommandieren will; man muss aber lernen, dem Team zu vertrauen, weil ohne dessen Eigenständigkeit die Zeit schlicht nicht ausreichen wird. Eine gute Übung für ein gedeihliches Miteinander – und ein großer Spaß.

Zwei bis vier Personen ab acht Jahren, 20 bis 60 Minuten Spieldauer; pro Einzelpartie vier bis fünf Minuten Spieldauer

Hand drauf: Anpackende Logistiker und Teamplayer

Finger weg: Zögernde Grübler und manuell Ungeschickte

Nachtisch: »Cupcake Academy« – Hütchenspiele fürs Küchenteam

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Ich gebe zu: Die erste Runde »Cupcake Academy« war ein Desaster. Ich habe mich selten so doof gefühlt, und es gab leider niemandem, dem ich die Schuld für mein Versagen hätte in die Schuhe schieben können. Dabei ist die Aufgabe eigentlich nicht so schwierig (was es umso frustrierender machte): Es gibt für jeden Mitspieler ein Set von fünf ineinander gestapelten Kuchenförmchen und ein Set von drei Untersetzern. In die Mitte kommt ein gemeinsamer Ablageplatz. Dann wird gestapelt und geschoben, was das Zeug hält, damit am Ende alle Förmchen auf den richtigen Plätzen liegen.

Ohne Zeitdruck und Zusammenarbeit geht es auch hier nicht: Die Sanduhr läuft rund sieben Minuten. In denen versucht man, miteinander alle Auftragskarten abzuarbeiten – die geben vor, welche Förmchen nachher auf welchen Tellern zu sehen sein sollen. Das ist ein bisschen wie bei diesem Stapelturm-Spiel, bei dem man ein Set von Scheiben von einem auf einen anderen von drei Steckplätzen sortieren muss, aber immer nur eine kleine über einer größeren liegen darf.

Im Kern ist »Cupcake Academy« also ein Knobelspiel – aber ein kooperatives mit immer neuen Aufgaben: Mal muss hier ein pinkes Förmchen sichtbar sein und bei der Mitspielerin zwei grüne oder hier ein blaues und ein gelbes und dort zwei freie Felder. Das schöne Material macht große Lust darauf, es auszuprobieren. Nach der ersten desaströsen Runde habe ich mich eingegroovt – und dann doch noch meine Aufnahmeprüfung an der Cupcake Academy geschafft.

Zwei bis vier Personen ab acht Jahren, rund zehn Minuten Spieldauer pro Partie

Hand drauf: Schnelldenker und Hütchenspieler

Finger weg: Gemütliche Genussspieler, die Zeitdruck hassen

Noch einen Kaffee zum Abschluss: »Coffee Roaster«

Foto: Maren Hoffmann / DER SPIEGEL

Sie haben gar keine Mitspieler? Macht nichts. Es gibt schließlich jede Menge schöne Solo-Brettspiele, die das Spielen zum analogen Wellness-Event machen. Aber nicht jeder kämpft gern gegen Aliens, Mörder oder feindliche Schiffe.

»Coffee Roaster« zeigt: Man kann auch mit fein austarierten Aromen und einem sehr nerdigen Thema ein fesselndes Spiel hinbekommen. Das solide gestaltete und produzierte Spiel mit vorbildlichem Sortiereinsatz ist ein sogenannter Bagbuilder: Als Kaffeeröster zieht man Aromenplättchen aus einem Beutel, muss damit die jeweils gewünschte Röstung exakt treffen – und dafür die Zusammensetzung der Plättchen im Beutel behutsam verbessern.

Der japanische Autor Saashi sieht es als seine Mission an, Thema und Mechanik eng miteinander zu verweben. Das ist ausgesprochen gut gelungen und liebevoll mit Hintergrundwissen ergänzt: Jede Aufgabenkarte wartet mit detaillierten Fachinformationen über die Art der Bohne, das jeweilige Anbaugebiet, die Geschichte des Kaffees und die Finessen seiner jeweiligen Röstung auf.

Das Spiel gibt es auch als App für Android-Smartphones  sowie iPhones und iPads , aber es macht einfach viel mehr Spaß, die Plättchen aus dem Beutel zu ziehen und zur abschließenden Tassenprobe fein auf dem Spielplan zu drapieren.

Das Spiel kommt mit doppelter Ausstattung in Deutsch und in Englisch, sodass man nebenbei noch ein bisschen die eigene Fremdsprachenkompetenz erweitern kann – für internationale Coffeetalks.

Für einen Spieler oder eine Spielerin ab zwölf Jahren, Spieldauer zehn bis 30 Minuten.

Hand drauf: Kaffeeenthusiasten und Leute, die sich das Daddeln am Handy abgewöhnen wollen und eine Entzugsdroge brauchen.

Finger weg: Leute, die eine mitreißende Story brauchen, um sich in einem Spiel verlieren zu können – oder die in einem Solo-Spiel kein starkes Glückselement mögen.