Spieleklassiker Was wurde eigentlich aus »Sagaland«?

Seit 40 Jahren gibt es diesen Brettspielklassiker schon. Aber: Taugt das Konzept heute noch was? Und gibt es mittlerweile ähnliche Spiele, die genauso viel Spaß machen und etwas Abwechslung bringen?
Das Spiel des Jahres 1982: »Sagaland«

Das Spiel des Jahres 1982: »Sagaland«

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Diana Doert / DER SPIEGEL

Der Klassiker – »Sagaland«

Worum ging’s noch mal?

Der alte König sorgt sich um die Nachfolge für seinen Thron. Die Anwärter schickt er auf die Suche nach Zaubergegenständen in den Märchenwald. Wer ihm zuerst drei dieser Gegenstände bringt, wird neuer König oder neue Königin.

»Sagaland«-Karton damals (links) und heute
»Sagaland«-Karton damals (links) und heute

»Sagaland«-Karton damals (links) und heute

Um den Thron zu ergattern, ziehen die Spieler würfelnd durch den Märchenwald und drehen Bäume um. Denn unter denen verbergen sich die vom König gesuchten Zaubergegenstände. Die goldene Kugel des Froschkönigs, der Gürtel vom tapferen Schneiderlein oder Aschenputtels Schuh sowie zehn weitere Dinge. Im Schloss sieht man das aktuell gesuchte Stück auf einer aufgedeckten Karte. Wer es bis in das Schloss schafft, kann sein Glück versuchen: Zeigt der aufgedeckte Baum den richtigen Gegenstand, darf man die Karte behalten. Wer zuerst drei Karten gesammelt hat, gewinnt das Spiel und wird Königin oder König.

Die alte (links) und die neue Version des Spielbretts von »Sagaland«
Die alte (links) und die neue Version des Spielbretts von »Sagaland«

Die alte (links) und die neue Version des Spielbretts von »Sagaland«

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Diana Doert / DER SPIEGEL

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Diana Doert / DER SPIEGEL

Taugt das heute noch?

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich als Kind und auch später als Erwachsene durch diesen Wald gestapft bin und am Ende im Schloss dann doch den falschen Baum umgedreht habe. Oder wie genau ich meine Mitspieler beobachtet habe, in der Hoffnung, an deren Mienen ablesen zu können, ob sie den gesuchten Gegenstand schon gefunden haben.

Das Spiel macht auch heute noch viel Spaß und ist ein hervorragend für Familien geeignet. Es ist sprachneutral, also haben ältere Geschwisterkinder hier keinen Vorteil. Da das Kurzzeitgedächtnis von Erwachsenen – um es diplomatisch zu sagen – meist nicht ganz so gut auf den Memory-Mechanismus trainiert ist, wie das von Kindern, gibt es auch keinen Altersbonus.

Einziger Wermutstropfen: Die aktuelle Ausgabe kommt optisch nicht ganz so schick daher. Plötzlich taucht da ein Prinz auf dem Cover auf – keine Ahnung, was der da soll. Aber da das Spiel gerade sein 40-jähriges Jubiläum feiert, gibt es für kurze Zeit eine Ausgabe im alten Gewand.

Ravensburger; 2 bis 6 Spieler:innen; ab acht Jahren; ca. 20 Euro; Autoren: Alex Randolph und Michel Matschoss

Und für alle, die es leid sind, durch den Märchenwald zu stromern, Bäume umzudrehen und am Ende wieder ins Dorf gejagt zu werden, gibt es hier drei Spiele, die einen ähnlichen Mechanismus haben und vielleicht noch ein wenig mehr Abwechslung auf den Spieltisch bringen.

»Fabulantica«

Foto: Diana Doert / DER SPIEGEL

Worum geht’s?

Wieder ein Königreich und wieder geht es um Magie. Diesmal hat es der Nachwuchs allerdings ordentlich versemmelt. Der Zauberschüler Amir hat bei dem Versuch, sich zum Hexenhaus zu zaubern, die Bewohner Fabulanticas kreuz und quer über das Land verteilt. Die Verirrten warten nun versteckt in Türmen auf Hilfe. Wem es zuerst gelingt, drei Bewohner an ihre vorgesehenen Orte zu bringen, gewinnt.

Aber das ist gar nicht so einfach. Anders als bei »Sagaland« kann man die verschiedenen Orte des Märchenreiches nicht einfach durch Würfeln erreichen. Die Spieler brauchen bestimmte Reisekarten, je nachdem durch welches Gebiet sie wollen: Esel für die steilen Berge, Kamele, um durch die Wüste zu kommen, Pferde für den Wald und natürlich Schiffe für die Wasserwege. Manchmal hat man richtig Glück und ergattert den fliegenden Teppich, der einen ganz fix zum gewünschten Ort fliegen lässt.

Zunächst müssen die Spieler aber Auftragskarten bekommen. Die zeigen an, welcher Bewohner wohin möchte. So möchte der Dschinn zu Sindbad und der gestiefelte Kater zum Prinzen. Hat man einen Auftrag erfüllt, ist man dem Sieg ein gutes Stück näher. Allerdings werden Figuren gerne mal vertauscht. Es kann also gut sein, dass man beim Umdrehen eines Turmes feststellt, dass man einen ganz anderen Zauberlandbewohner erwischt hat.

Taugt das was?

Auch wenn »Fabulantica« auf den ersten Blick Sagaland vom Mechanismus her ähnelt, ist es ein ganzes Stück komplexer. Die Spieler müssen Wege mit Karten planen und die Aufträge der Mitspieler im Blick behalten. Die häufig wechselnden Standorte der gesuchten Märchenfiguren machen es auch nicht gerade leichter, die Aufträge zu erfüllen. Wer also das Gefühl hat, dass »Sagaland« keine Herausforderung mehr ist, sollte »Fabulantica« mal ausprobieren.

Pegasus; 2 bis 5 Spieler:innen, ab sechs Jahren, ca. 15 Euro; Autor: Marco Teubner

»Poule Poule«

Foto: Diana Doert / DER SPIEGEL

Worum geht’s?

Die Story ist, vorsichtig formuliert, etwas krude. Bei einem berühmten Filmfestival droht die Premiere des Films »Poule Poule« ins Wasser zu fallen, die Szenen sind durcheinandergeraten und müssen mithilfe der Spieler wieder zusammengeschnitten werden. Erst wenn im Film wieder fünf Eier sichtbar sind, kann die Vorstellung beginnen. Ja, richtig gelesen: fünf Eier.

Alles, was es dazu braucht, ist ein Stapel Karten. Auf denen ist im Grundspiel immer einer der drei Hauptdarsteller zu sehen: die Henne, das Ei oder der Fuchs. Ein Spieler übernimmt die Aufgabe des Regisseurs, deckt Karte um Karte auf und legt diese auf einen Stapel. Aufgabe aller Spieler ist es nun, während immer mehr Karten aufgedeckt werden, die Zahl der sichtbaren Eier zu zählen.

Blöd nur, dass die Darsteller einen Effekt auf die Handlung haben. Das sieht dann zum Beispiel so aus: Die erste Karte ist ein Ei, also ist ein Ei im Film zu sehen. Die zweite Karte ist eine Henne, die setzt sich auf das aufgedeckte Ei, wodurch es im Film nun nicht mehr zu sehen ist. Der Fuchs betritt mit der nächsten Karte die Bühne und verjagt die Henne – und macht so das Ei wieder sichtbar. Wer glaubt, fünf sichtbare Eier zu zählen, haut auf den Kartenstapel. Dann wird die Handlung abgespult und gezählt, ob die Zählung stimmt.

Klingt komplex? Nach der dritten Runde hat man den Dreh raus und ist bereit für die Nebendarsteller. Wird der Bauer aufgedeckt, sammelt er alle sichtbaren Eier ein und verschwindet mit ihnen vom Hof, wird der Regenwurm aufgedeckt, lenkt dieser die nächste Henne ab, ein aufgedecktes Straußenei zählt für zwei Eier und so weiter.

Taugt das was?

Oh ja! Wem »Sagaland« zu wenig Action hat, der kommt bei »Poule Poule« so richtig ins Schwitzen. Je mehr Nebendarsteller mitspielen, desto verrückter wird es. Das Kurzzeitgedächtnis wird hier ordentlichem Stress ausgesetzt. Die vielen Nebendarsteller schrauben den Schwierigkeitsgrad schnell von »machbar« zu »völlig irre«. Ein tolles Einstiegsspiel auch für Spieleabende, denn danach sind garantiert alle Spieler hellwach.

Oka Luda; 2 bis 6 Spieler:innen; ab acht Jahren; ca. elf Euro; Autor:innen: Charles Bossart und Pauline Berdal

»Memoarrr!«

Foto: Diana Doert / DER SPIEGEL

Worum geht’s?

Man hätte sich ja denken können, dass man auf Vulkaninseln versteckte Piratenschätze nicht einfach so nebenbei stehlen kann. Aber was wäre ein Abenteurerleben ohne eine gehörige Portion Gefahr?

Auf dem Spieltisch liegen Karten im Fünfmalfünf-Raster. Die Karte in der Mitte wird durch einen Stapel Schatzkarten ersetzt und obendrauf kommen ein paar Vulkane. Vor Beginn des Spiels darf sich jeder die drei Karten, die vor ihm oder ihr liegen, anschauen. Diese zeigen verschiedene Tiere vor verschiedenen Landschaften. Ist man am Zug, muss man eine Karte aufdecken, die der vorherigen in einer Eigenschaft gleicht. Also entweder das gleiche Tier oder die gleiche Landschaft zeigt. Gelingt das nicht, muss man einen Vulkan aus der Mitte nehmen und ist bis zum Ende der Runde aussetzen. Wer zuletzt übrig bleibt, bekommt eine der Schatzkarten.

Das Spiel geht über sieben Runden und wer am Ende die meisten Schätze hat, gewinnt.

Taugt das was?

Wer eine schnelle und reisetaugliche Alternative zu »Sagaland« sucht, sollte »Memoarrr!« unbedingt ausprobieren. Das Spiel ist schnell aufgebaut und eine Partie dauert nicht lange. Das Grundspiel ist schnell gelernt und auch die Expertenvariante eignet sich gut für Grundschulkinder.

Pegasus; 2 bis 4 Spieler:innen; ab sechs Jahren; ca. sechs Euro; Autor: Carlo Bortolini

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.