Smartspeaker Was Amazons Echo als Smarthome-Zentrale taugt

Laut Amazon lassen sich über einen sogenannten Hub im Echo-Lautsprecher viele smarte Geräte steuern, von der vernetzten Lampe bis zum Heizungsregler. Wir zeigen, was geht – und was nicht.
Von »TechStage«-Autor Matthias Sternkopf
Amazons Echo-Lautsprecher und smarte Geräte

Amazons Echo-Lautsprecher und smarte Geräte

Foto: TechStage

Für den aktuellen Echo (hier gehts zum Testbericht) wirbt Amazon damit, dass sich der Smartspeaker dank integriertem Zigbee-Hub (auch Zigbee-Gateway oder Zigbee-Bridge genannt) als Steuerungszentrale für viele Smarthome-Komponenten nutzen lässt. Gleiches gilt für Echo Plus, Echo Show und Echo Studio. Zumindest für smarte Geräte, die diese Funktechnik nutzen – zum Beispiel die bekannten Hue-Lampen –, braucht man dann keinen zusätzlichen Hub mehr an seinen Router anzuschließen.

»Techstage« hat ausprobiert, wie gut sich Amazons Smartspeaker als Ersatz für die Hubs der verschiedenen Hersteller eignen, wie gut also Leuchtmittel, Steckdosen, Thermostate und Bewegungssensoren unterschiedlicher Anbieter mit dem Smartspeaker funktionieren.

Einfach verbinden

Der integrierte Zigbee Hub soll vor allem Smarthome-Neulingen die Scheu vor der vermeintlich komplizierten Einrichtung neuer Komponenten nehmen. Dafür muss man bei manchen Geräten in Kauf nehmen, dass er nicht denselben Funktionsumfang bietet, wie die von den jeweiligen Herstellern für ihre Systeme angebotenen Hubs.

Smarthome-Geräte mit dem Echo zu verbinden, ist meist einfach. Dazu versetzt man das jeweilige Gerät zunächst in den Kopplungsmodus. Bei Philips Hue und vielen anderen smarten Zigbee-Lampen aktiviert man den, indem man die Lampe mehrmals aus- und wieder einschaltet. Genaueres steht in den Anleitungen der Geräte.

Danach gibt man Alexa entweder verbal den Befehl, neue Geräte zu suchen, oder man drückt in der Alexa-App unter dem Reiter Geräte das Plus-Symbol. Jetzt sucht das System 45 Sekunden lang nach neuen Komponenten, die anschließend einem Raum oder einer Gruppe zugeordnet werden können.

Standardmäßig heißen diese dann zum Beispiel erstes Licht oder x-ter Bewegungsmelder und reagieren auch per Zuruf auf diesen Namen. In der Alexa-App kann dieser jedoch beliebig geändert werden.

Leuchtmittel

Treiben es manchmal bunt: smarte Leuchtmittel

Treiben es manchmal bunt: smarte Leuchtmittel

Foto: Matthias Kremp

Smartes Licht ist wohl der am weitesten verbreitete Anwendungsfall für Smarthome. In Verbindung mit einem Sprachassistenten von Amazon, Google oder Apple erhöht das den Komfort teilweise deutlich. Dabei verbinden sich viele Lampen dank Zigbee auch ohne Hersteller-Hub direkt mit einem Amazon Echo. Gleiches gilt für viele Lampen mit Bluetooth.

Wir haben aktuelle und ältere Philips-Hue-Lampen mit E27-Sockel (das ist das große Gewinde) problemlos mit dem Amazon Echo verbinden können. Deren wichtigste Funktionen wie An/Aus, dimmen und die Farbwahl, sind auf Anhieb über die Alexa-App und per Sprachsteuerung nutzbar. Für spezielle Funktionen wie die Synchronisation der Lampen mit dem Fernsehbild braucht man das Philips-Hue-Gateway dann aber doch. Auch Updates bekommen die Lampen nur über das Gateway von Philips.

Ausprobiert haben wir auch die Lampen von Yeelight, Osram Lightify und Müller-Licht. Sie verbinden sich problemlos und funktionieren. In der Alexa-App werden bei der Option »Gerät hinzufügen > Lampe« außerdem Leuchtmittel unter anderem von Innr, Lifx, Nanoleaf sowie Xiaomi angegeben. Trotzdem ist Zigbee kein Garant dafür, dass die Lampen auch tatsächlich mit dem Echo funktionieren, so wie etwa die Leuchtmittel von Aqara.

Preisvergleich Zigbee-Leuchtmittel mit E27-Sockel

Steckdosen

Auch Zigbee-Steckdosen und -Steckerleisten verbinden sich direkt mit kompatiblem Amazon Echos. Ausprobiert haben wir das mit dem Philips Hue Smart Plug und der Müller-Licht-Steckdosenleiste Tint Smart Power Strip. Die Systeme erkennt der Echo sofort und regelt sie anstandslos.

Genau wie Lampen kann man solche smarten Steckdosen beispielsweise nach einem Zeitplan schalten lassen. So können sie etwa die Weihnachtsbeleuchtung bei Sonnenuntergang ein- und um Mitternacht wieder ausschalten. Auch eine Steuerung über andere Sensoren oder Sprachbefehle sind möglich. Der große Vorteil solcher Steckdosen ist, dass man mit ihnen Geräte ins Smarthome einbinden kann, de eigentlich nicht smart sind.

Preisvergleich Zigbee-Schaltsteckdosen

Bewegungsmelder

Foto: TechStage

Zu den beliebtesten Bewegungsmeldern mit Zigbee-Funk gehören jene aus dem Hue-Programm von Phillips. Allerdings sind sie mit gut 30 Euro pro Stück auch recht teuer und lassen sich zwar problemlos über Zigbee mit einem Amazon Echo verbinden, lösen dann aber nicht aus, wenn sie eine Bewegung erkennen. Ohne eine Hue Bridge von Philips sind sie also nicht nutzbar.

Das gilt auch für manche Zigbee-Bewegungsmelder von anderen Herstellern. So kann es bei den Lösungen von Aqara und Ikea ebenfalls vorkommen, dass sie sich zwar mit dem Echo verbinden lassen, dann aber letztlich keine Funktion haben. Bei dieser Gerätekategorie gilt also, dass man nur dann auf der sicheren Seite ist, wenn man anstelle eines Amazon Echo den Hub des Herstellers zur Steuerung verwendet.

Anders sieht es mit dem Sonoff Zigbee Motion Sensor aus. Er kostet mit 17 Euro nur etwa die Hälfte, verbindet sich mit dem Echo und funktioniert dann auch zuverlässig.

Preisvergleich Zigbee-Bewegungsmelder

Thermostate

Warum es nicht immer eine gute Idee ist, Smarthome-Geräte direkt mit dem Zigbee-Hub im Amazon Echo zu verbinden, zeigen die Spirit-Zigbee-Thermostate von Eurotronic. Die Verbindung klappt problemlos. Auch die Funktionen waren zunächst alle gegeben. Bis Amazon mit einem Update Ende 2020 entschied, wichtige Schnittstellen zu kappen. Seither ist es nicht mehr möglich, Routinen für die smarten Thermostate zu erstellen. Auch reagieren sie nicht mehr auf Sprachbefehle zur Temperatureinstellung.

Dem Hersteller Eurotronic sind dabei die Hände gebunden. Der volle Funktionsumfang ihrer Thermostate ist davon abhängig, dass Amazon die dafür nötigen Schnittstellen freigibt. Eurotronic versicherte uns auf Nachfrage bereits im November 2020, dass Amazon »mit höchster Priorität« an dem Problem arbeite und es in zwei Wochen gelöst haben will. Passiert ist bis zum Erscheinen dieses Ratgebers Ende März 2021 nichts. Die Spirit Zigbee fallen deswegen durch, empfehlen kann man sie trotz einer im Grunde guten Idee nicht mehr.

Preisvergleich Zigbee-Thermostate

Fazit

Seine Smarthome-Geräte über Zigbee mit einem Amazon Echo zu verbinden, kann eine gute Idee sein. So überzeugen uns etwa die günstigen Bewegungsmelder von Sonoff. Auch mit Lampen von Philips, Osram und Müller-Licht haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Der Fall der smarten Thermostate Spirit Zigbee zeigt jedoch, dass es durchaus gefährlich sein kann, bei der Smarthome-Installation auf die Verbindung mit dem Echo zu setzen. Es kann jederzeit vorkommen, dass Amazon etwas an der Software ändert und die Produkte von Drittherstellern damit unbrauchbar macht.

Das ist etwa bei den Geräten von Philips Hue weniger kritisch. Hier kauft man einfach die entsprechende Hue Bridge nach, die funktioniert garantiert. Schwierig wird es bei Komponenten, deren Hersteller keine eigenen Hubs anbieten, wie der Fall der Spirit Zigbee zeigt.

Deswegen kann man den in manche Echo-Modelle integrierten Zigbee-Hub als einfachen Einstieg in die Smarthome-Welt betrachten. So kann man mit ein paar Lampen und Steckdosen vergleichsweise günstig ausprobieren, ob diese Technik eigentlich etwas ist, woran man Gefallen findet. Wer danach mehr will, sollte dann die Hubs der jeweiligen Hersteller nachkaufen, um den vollen Funktionsumfang seiner Geräte ausschöpfen zu können.