Gaming-Tastaturen im Test Lauter Drückeberger

Wer es mit dem Zocken ernst meint, kommt auf Dauer nicht an einer professionellen Gaming-Tastatur vorbei. Wir verraten, worauf man beim Kauf achten sollte und welche Modelle sich für unterschiedliche Ansprüche eignen.
Für jeden Anspruch gibt es die passende Gaming-Tastatur – man muss sie nur finden

Für jeden Anspruch gibt es die passende Gaming-Tastatur – man muss sie nur finden

Foto:

Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Natürlich tut es die Standardtastatur auch. Smartphones machen durchaus ordentliche Fotos und prinzipiell lässt es sich in jedem Schuh joggen. Doch wie in vielen anderen Bereichen lässt sich auch beim Computerspielen mit dem richtigen Equipment mehr herausholen. Wer in hektischen Online-Games schneller reagieren, sich das Leben mit praktischen Sondertasten erleichtern oder den geschundenen Handgelenken ein wenig mehr Komfort gönnen will, wird mit einer Gaming-Tastatur deutlich mehr Freude haben.

Die meisten dieser Tatstaturen eignen sich nicht nur zum Zocken, sondern machen auch die tägliche Arbeit vor dem Bildschirm angenehmer. Das fängt bei den Multimediatasten an und führt über den Tippkomfort bis zur ergonomischen Gestaltung. Um für Freizeit wie Arbeit gerüstet zu sein, stellen wir hier nur Tastaturen mit vollem Tastaturlayout inklusive Nummernblock vor.

Die Auswahl ist riesig. Es gibt Modelle in verschiedenen Preisklassen und für die unterschiedlichsten Ansprüche was Design, Funktionsumfang und Qualität angeht. Bevor wir zu unseren Empfehlungen kommen, wollen wir eine kurze Übersicht geben, in welchen Punkten sich die Tastaturen maßgeblich unterscheiden:

  • Tastaturtyp: Je günstiger das Keyboard, desto eher wird der Hersteller auf sogenannte Membrantastaturen setzen. Die sind zwar meist leiser, aber auch spürbar träger, weniger direkt im Anschlag und kurzlebiger als mechanische Tastaturen.

  • Anschlussart: Vorbei sind die Zeiten schlechter Übertragung und kurzer Batterielaufzeiten, kabellose Keyboards sind eine echte Alternative geworden. Sie bieten mehr Freiheit, mehr Ordnung auf dem Schreibtisch, haben aber ihren Preis.

  • Anschlüsse: An viele Tastaturen lässt sich ein weiteres Gerät anschließen. Das ist gerade bei wenigen USB-Anschlüssen am PC sinnvoll.

  • Sondertasten: Schon günstigere Tastaturen verfügen meist über einen Lautstärkeregler, hinzu kommen oft weitere Multimediatasten – die Palette an Sondertasten geht jedoch deutlich weiter. Die freie Konfiguration ist für viele Zocker ein unverzichtbares Extra.

  • N-Key-Rollover und Anti-Ghosting: In manchen Situationen muss man mehrere Tasten auf einmal drücken. Der Key-Rollover-Wert (N) gibt an, wie viel einzelne Signale von einer Tastatur gleichzeitig erfasst werden können. In der Regel sollte ein Rollover-Wert von 6KRO (sechs gleichzeitig erfasste Tasten) ausreichen. Anti-Ghosting verhindert, dass beim Drücken mehrerer Tasten unerwünschte Signale von Tasten gesendet werden, die nicht gedrückt wurden.

  • Beleuchtung: Hier geht es nicht nur um Optik, sondern auch um Orientierung. Einige Keyboards glimmen eher diffus, andere beleuchten einzelne Zonen, die teuren Modelle haben in der Regel eine Einzelbeleuchtung für jede Taste, die sich individuell anpassen lässt.

  • Ergonomie: Die tollste technische Ausstattung hilft wenig, wenn man beim Arbeiten oder Spielen Schmerzen bekommt. Ein wichtiges Feature ist es, die Neigung der Tastatur einstellen zu können. Die größten Unterschiede zwischen den Modellen gibt es jedoch bei der Ablage für die Handgelenke. Einige sind aus einfachem Plastik, andere gummiert oder sogar gepolstert. Manche sind fest verbaut, andere lassen sich abnehmen.

  • Software: Je teurer die Tastatur, desto mehr Funktionen lassen sich in der Regel per Software verändern. Das geht mit der individuellen Beleuchtung los und führt bis zur frei konfigurierbaren Anschlagssensibilität.

Es gibt nicht die eine optimale Gaming-Tastatur, dafür sind die Ansprüche zu unterschiedlich. Im Folgenden stellen wir Modelle aus verschiedenen Preisklassen vor, von ordentlichen Einsteigermodellen bis zur teuren Premiumklasse.

Steelseries Apex 3

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Die Apex 3 sticht in seiner Preisklasse durch Wertigkeit von Optik und Verarbeitung heraus. Sie ist trotz des eher geringen Gewichts bemerkenswert robust. Das beste Feature ist die Handballenauflage. Sie ist per Magnet solide an der Tastatur befestigt und mit der gummierten Oberfläche auch bei langer Benutzung ziemlich komfortabel.

Das Design ist sehr klar, die für den Preis recht opulente Zehn-Zonen-RGB-Beleuchtung kann individuell verändert und an einzelne Games angepasst werden. Optisch gleicht das Apex-Einsteigermodell den hochpreisigeren Geräten der Flagship-Reihe von Steelseries (weiter unten im Text).

Technisch muss man in der Einsteigerklasse Abstriche machen. Eine USB-Buchse fehlt, die Palette an Sonderfunktionen ist deutlich reduziert. Vor allem aber verfügt die Apex 3 im Vergleich zu den großen Schwestern über keine mechanische Tastatur. Dennoch haben wir die Apex 3 sowohl für Gaming-Sessions als auch für die tägliche Nutzung im Büro als sehr angenehm empfunden.

Preis laut Hersteller: 79,99 Euro

Logitech Prodigy G213

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Die Vorzüge der G213 liegen in der Ausstattung. Schon länger auf dem Markt bringt das Gerät einige hochwertige Features mit, für die man aber mittlerweile deutlich weniger zahlen muss. Gleich mehrere gut sortierte Schnelltasten erleichtern die Multimediasteuerung, auf Knopfdruck lässt sich ein Gamingmode einschalten. Auch dieses Modell arbeitet nicht mechanisch, überzeugt jedoch beim Spielen und Tippen durch ein gutes, direktes Tastengefühl.

Wie die Apex 3 von Steelseries setzt die G213 auf ein aufgeräumtes Design, hat aber eine deutlich weniger wertige Anmutung. Die Tastatur ist sehr groß und klobig, die sparsame Beleuchtung verstärkt den Eindruck noch. Ein großer Unterschied ist die Handballenablage. Sie ist unvorteilhaft geformt, fest verbaut und komplett aus Plastik.

Logitech-Fans, die bereit sind, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, werden an der G413 (99,99 Euro) mehr Spaß haben. Mit ihren mechanischen Tasten ist sie ein gelungenes Upgrade, egal ob man damit tippen oder zocken möchte.

Preis laut Hersteller: 79,99 Euro

Corsair K55 RGB Pro XT

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Das Corsair K55 RGB Pro XT ist ein rundherum gutes Keyboard fürs Gaming, bietet aber durch zahlreiche Sondertasten noch mehr Möglichkeiten. Wer sich auch für das Thema Streaming interessiert, findet hier ein spannendes Einsteigermodell. Das Keyboard ist kompatibel mit der Elgato-Streaming-Software, die sich über sechs frei belegbare Sondertasten leicht steuern lässt.

Ein weiteres Feature sind die Beleuchtungsoptionen der K55 RGB Pro XT mit verschiedenen Presets und individueller Tastenbeleuchtung. Wer darauf weniger wert legt und gern ein wenig sparen möchte, ist auch mit der 20 Euro günstigeren K55 RGB Pro gut bedient.

Das leichtere und etwas schwammigere Gefühl beim Tastendruck hat im Test weniger überzeugt. Die Auflage für die Handballen ist abnehmbar aber kein Vergleich zur Apex 3.

Preis laut Hersteller: 79,99 Euro

Roccat Vulcan 120 AIMO

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Optische Experimente gehen in der Welt der Gaming-Keyboards öfter mal schief, die Vulcan 120 ist ein positives Gegenbeispiel. Das Gehäuse ist aus Aluminium, das flache Profil der Tasten erlaubt einen Blick in das bunte Innenleben der Tastatur.

Das Design führt dazu, dass der Hersteller an Sondertasten gespart hat, was einige Gamer sicher bedauern werden. Zudem wird die Handballenablage der Qualität der Tastatur nicht ganz gerecht.

Technisch überzeugt die Vulcan 120 dann aber doch. Die Titan Switches erlauben einen sehr präzisen und schnellen Tastenanschlag. Das gibt beim normalen Tippen ein sehr angenehmes Gefühl, spielt seine Stärken aber erst beim Zocken so richtig aus.

Die Vulcan 120 AIMO ist eine Top-Tastatur zum gehobenen Mittelklasse-Preis. Für einen Aufpreis gibt es die Vulcan Pro (199,99 Euro) mit optischen Schaltern. Das verspricht noch ein wenig mehr Geschwindigkeit beim Spielen, für die meisten wird die Vulcan 120 AIMO jedoch vollkommen ausreichen.

Preis laut Hersteller: 159,99 Euro

Steelseries Apex Pro

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Die Apex-Reihe von Steelseries hat uns im Test überzeugt. Über alle Preisklassen hinweg sind die Modelle qualitativ hochwertig verarbeitet, sehr angenehm zu bedienen, optisch zurückhaltend und eignen sich sowohl fürs Gaming als auch für die tägliche Arbeit. Wer bereit ist, in das oberste Regal zu greifen, bekommt mit der Apex Pro eine sehr empfehlenswerte Tastatur für alle Anforderungen.

Die Multimedia-Steuerung ist genau wie die Beleuchtungssteuerung smart gelöst, Sonderfunktionen lassen sich über ein OLED-Display steuern, dass sich auch mit verschiedenen Anwendungen kombinieren lässt, etwa für die Steuerung von Programmen wie Spotify oderzur Anzeige von Statistiken bei Spielen wie »CS:GO«.

Die Apex Pro lässt sich sehr individuell an den User anpassen, was vor allem beim verstellbaren Druckpunkt der Tasten ein wirklich überzeugendes Feature ist. So kann man beim Spielen ein sensibles Auslösen festlegen, während beim normalen Tippen der Tastendruck wieder fester ist.

Einziges wirkliches Manko an diesem Gerät ist, dass die gummierte Oberfläche der Handballenablage ein Staubfänger ist. Dafür ist die Ablage bequem und optimal ausgerichtet, um auch bei längeren Sessions ausreichend Komfort zu bieten.

Preis laut Hersteller: 229,99 Euro

Razer Huntsman V2 Analog

Foto: Tim Pommerenke / DER SPIEGEL

Wer bereit ist, in die Premiumklasse der Gaming-Keyboards zu investieren, findet bei Razer eine Reihe spannender Modelle. Heraus ragt das Modell Huntsman Analog V2. Es bietet eine tolle Verarbeitung, ist geschmackvoll designt und überzeugt mit einem hochwertigen Beleuchtungskonzept.

Wie bei der Apex Pro lassen sich auch bei der Huntsman V2 Analog die Druckpunkte der optischen Switches an unterschiedliche Vorlieben und Anwendungswünsche anpassen. Die lederne Handballenablage ist weich gepolstert und leuchtet, wenn sie mit der Tastatur verbunden ist.

Auch die Huntsman V2 Analog überzeugt sowohl beim Zocken wie auch beim Tippen auf ganzer Linie. Beim normalen Schreiben hat uns die Apex Pro noch ein wenig besser gefallen, vor allem wegen der Lautstärke der Tasten.

Wer in dieser Preisklasse investieren will, bekommt mit der Huntsman V2 Analog ein absolutes Premiumprodukt. Wer diese Preisregionen nicht scheut, aber mehr Sondertasten für Streaming oder komplexere Spiele haben möchte, fährt mit der Corsair K100 RGB (249,99 Euro) gut. Wenn es eine kabellose Lösung sein soll, empfehlen wir die G915 von Logitech (249,99 Euro).

Preis laut Hersteller: 269,99 Euro

Mehr lesen über