Lichtwecker im Test Wenn im Schlafzimmer eine künstliche Sonne aufgeht

Permanenter Schlafmangel stört Gesundheit und Wohlbefinden. Moderne Lichtwecker sollen uns das Einschlafen und Aufwachen so angenehm wie möglich machen. Ob sie das wirklich schaffen, zeigt der Test.
Der Bodyclock Glow 150 verspricht, Licht und Farbe eines Sonnenaufgangs zu imitieren

Der Bodyclock Glow 150 verspricht, Licht und Farbe eines Sonnenaufgangs zu imitieren

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Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schlafstörungen. Der Mangel an Regeneration gilt hierzulande längst als Volkskrankheit. Ursache sind oft Stress und psychische Belastungen.

Sogenannte Lichtwecker sollen das Einschlafen leichter und das Aufwachen angenehmer machen. Abends dimmen sie das Leselicht, spielen Geräusche ab, die beruhigend wirken sollen. Am Morgen versuchen sie mit langsam heller werdendem Licht einen Sonnenaufgang zu imitieren. Auf diese Weise würden die Nutzerinnen und Nutzer sanfter geweckt als von einem herkömmlichen Wecker, der klingelt oder piept.

Seit Jahren versuchen sich etliche Unternehmen auf diesem Gebiet, darunter Firmen wie Philips, Lumie, Beurer, Google und TFA Dostmann. Doch was unterscheidet die Geräte der verschiedenen Hersteller? Wir haben fünf Modelle auf ihre Alltagstauglichkeit getestet:

Philips Wake-Up Light (199,99 Euro)
Der Wake Up-Light ist das teuerste Produkt unserer Testreihe. Es ist Lichtwecker, Leselampe und Radio in einem. Lohnt sich der Aufpreis verglichen mit den Konkurrenzprodukten?

Lumie Bodyclock Glow 150 (139 Euro)
Die Bodyclock Glow 150 verspricht, Licht und Farbe eines Sonnenaufgangs zu imitieren.

Beurer Lichtwecker WL 75 (119,99 Euro)
Der WL 75 von Beurer lässt sich mithilfe der »beurer LightUp«-App bedienen. Ein klarer Vorteil. Ist der Rest ebenso gut?

TFA Dostmann Lichtwecker Soluna (38,99 Euro)
Das Schnäppchen in unserer Testreihe: Der Soluna von TFA Dostmann ähnelt einem klassischen Wecker, verzichtet aber auf unterschiedliche Wecktöne. Überzeugen die Lichteffekte?

Google Nest Hub 2 (99,99 Euro)
Der Alleskönner unserer Testreihe: Googles Nest Hub 2 bietet neben einem Schlafsensor auch einen Lichtwecker und etliche andere Funktionen. Mithilfe von Sprachbefehlen erfüllt das Gerät viele Wünsche berührungslos.

So haben wir getestet:

  • Bedienbarkeit – Erfolgt die Bedienung intuitiv? Oder stockt es an mancher Stelle? Ist es zwingend erforderlich, die Bedienungsanleitung zu lesen?

  • Qualität und Design – Wie ist die Verarbeitung? Wie gut sind Licht- und Soundqualität? Überzeugt das Produkt auch optisch?

  • Funktionen – Über welche Besonderheiten verfügt das Modell?

Philips HF3651/01 Wake-Up Light

Sonnenaufgangssimulation: von sanftem Morgenrot zu hellem Tageslicht

Sonnenaufgangssimulation: von sanftem Morgenrot zu hellem Tageslicht

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Mit 199,99 Euro ist das Wake-Up Light das teuerste Produkt im Test. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Rein optisch ist es das schönste Produkt, die Verarbeitung wirkt hochwertig. Auf der Rückseite befinden sich USB- und Aux-Anschlüsse. Die Einrichtung ist selbsterklärend und schnell erledigt.

Das Gerät von Philips bietet eine »Relax«-Funktion, die die Atmung beruhigen soll, sowie eine dimmbare Leselampe und ein UKW-Radio.

Eine Sonnenaufgangs-Simulation soll das Aufwachen erleichtern. Das Licht ist zunächst rot, wechselt anschließend schrittweise Wechsel zu einem natürlichen hellen Tageslicht. Abends können Sie eine Geräuschkulisse wählen: Wellenrauschen, prasselnder Regen, quakende Frösche oder Vogelgezwitscher. Wenn Ihnen keine der Optionen gefällt, können Sie auch gänzlich auf Geräusche verzichten.

Alle Funktionen können durch einfaches Tippen auf dem Touch-Display ausgewählt werden. Einziges Manko: Eine App, über die sich das Gerät steuern ließe, gibt es nicht. Allerdings gilt das nicht für alle Lichtwecker von Philips. Das Connected Sleep & Wake-Up Light  verfügt über eine optionale App zum Nachverfolgen und Optimieren des Schlafs.

Lumie Bodyclock Glow 150

Mit Digitalanzeige: Bodyclock Glow 150

Mit Digitalanzeige: Bodyclock Glow 150

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Etwas günstiger als der Wake-Up Light, ist die Bodyclock Glow 150. Das Lumie-Produkt ist sehr leicht, fühlt sich daher weniger wertig an als das Wake-Up Light von Philips. Bei der Bedienung braucht man Geduld, ohne einen Blick in die (sehr gute) Bedienungsanleitung, dürfte sich die Konfiguration etwas ziehen. Auch als Leselampe ist die Bodyclock Glow 150 gut geeignet, eine Radiofunktion gibt es hingegen nicht.

Doch bei den Kernfunktionen überzeugt der Lichtwecker: Man kann zwischen diversen Aufwach- und Einschlafgeräuschen wählen (klassisch, tropische Vögel, Amsel, Gewitter, Wellen und vieles mehr). Der morgendliche Wechsel zwischen einem angenehmen roten Farbton bis zu einem hellen Aufwecklicht erfolgt fließend. Die Dauer des Sonnenauf- und -untergangs können Sie selbst festlegen (20, 30 oder 45 Minuten).

Insgesamt fällt auf, dass die Bodyclock Glow 150 qualitativ weniger hochwertig als das Konkurrenz-Produkt von Philips ist. Auch fehlen manche Funktionen (Radio, Handyanschluss auf der Rückseite), dennoch erfüllt der Lichtwecker seinen Zweck. Licht- und Soundqualität sind vergleichbar, das Einschlafen respektive Aufwachen ist angenehm.

Beurer Lichtwecker WL 75

Mithilfe der Beurer-App kann man zwischen etlichen Farbtönen wählen

Mithilfe der Beurer-App kann man zwischen etlichen Farbtönen wählen

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Was hat Beurers Lichtwecker, was die anderen nicht haben? Ganz einfach: eine App. Und dazu noch eine, die leicht zu bedienen ist. In einer Übersicht kann der Nutzer zwischen »Alarm«, »Licht«, »Stimmungslicht« und »Schlaf« wählen. Bei Letzterem entscheidet der Nutzer, ob er mit einem simulierten Sonnenuntergang, einem rötlichen Entspannungslicht oder einem wechselnden Entspannungslicht einschlafen will. Bei »Alarm« kann zwischen verschiedenen Weckmelodien und einem sanften Sonnenaufgang wählen. Alle relevanten Dinge lassen sich binnen weniger Minuten einstellen.

Verschiedene Weckzeiten können den jeweiligen Tagen angepasst werden. Hinzu kommen zehn Radio-Speicherplätze sowie diverse Optionen für Lichtintensität und Aufwachmelodien. Tasten, um den Lichtwecker auf ohne App bedienen zu können, sowie USB- und Aux-Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Weckers. Allerdings ist es wesentlich einfacher, den WL 75 per App zu nutzen.

Das Beurer-Produkt kostet 119,99 Euro und verfügt über eine angenehme Einschlafhilfe. Beim WL 75 wird das Licht in einer selbst gewählten Dauer langsam dunkler. Zusätzlich lassen sich entspannende Klänge zuweisen. Der Lichtwecker eignet sich gut als Lese- und Entspannungslampe. Mithilfe der App kann man zwischen etlichen Farbtönen wählen, von rot über blau zu grün – vor allem in kalten und dunklen Wintermonaten dient das der Entspannung.

TFA Dostmann Lichtwecker Soluna

Der Soluna kann die Luftfeuchtigkeit visualisieren

Der Soluna kann die Luftfeuchtigkeit visualisieren

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Der Soluna der Firma TFA Dostmann ist mit 38,99 Euro der günstigste Lichtwecker in diesem Vergleich. Optisch erinnert er stark an einen klassischen Wecker. Angesichts des geringen Preises überrascht es nicht, dass das Modell weniger hochwertig daherkommt als die Testkonkurrenz. Die Bedienung ist jedoch schnell erlernt, nach wenigen Minuten alles eingerichtet. Auf dem Display werden neben der Uhrzeit und dem Datum auch die Raumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit angezeigt.

Der Weckvorgang funktioniert bei diesem Modell zwar, die Farb- und Helligkeitsübergänge sind aber etwas ruckelig. Das Licht ist zunächst relativ dunkel, wird dann schrittweise heller und ist mir persönlich am Ende der Weckphase etwas zu grell. Positiv sind die verschiedenen Lichtmodi. Man kann zwischen »Automatischer Farbwechsel«, »Sonnenuntergang/Einschlaf-Modus«, »Atemmodus«, »Individueller Farbmodus« und »Komfort-Farbmodus« wählen. Beim »Komfort-Farbmodus« passt sich das Licht der Luftfeuchtigkeit an, signalisiert auf diese Weise, wenn man lüften sollte. Nimmt die Luftfeuchtigkeit ab, färbt sich der Soluna zunehmend rot. Nimmt sie zu, wird der Wecker zunächst blau und im Extremfall sogar lila (zwischen 84 und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit).

Wie bei den getesteten Produkten von Philips und Beurer befindet sich auch beim Soluna auf der Rückseite ein USB-Anschluss. Das Gerät ist relativ einfach gehalten, bietet für seinen verhältnismäßig geringen Preis aber eine ganze Menge. Unterschiedliche Wecktöne zählen leider nicht dazu.

Google Nest Hub 2

Mit einfachen Befehlen ins Menü: »Hey Google, Lichtwecker«

Mit einfachen Befehlen ins Menü: »Hey Google, Lichtwecker«

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Googles Produkt ist strenggenommen kein reiner Lichtwecker, der Nest Hub 2 (Lesen Sie hier einen ausführlichen Testbericht) bietet viel mehr, kann auch mit Sprachbefehlen gesteuert werden. Sagt man: »Hey Google, Lichtwecker«, fragt er nach der gewünschten Weckzeit. Weitere Optionen, wie beispielsweise der gewünschte Weckton, lassen sich anschließend auf dem Touchscreen auswählen. Der versprochene Sonnenaufgang wirkt hier aber nicht so real wie beim Wake-Up Light von Philips und der Bodyclock Glow 150 von Lumie. Doch einacher als der Nest Hub 2 lässt sich keines der anderen Geräte bedienen.

Der versprochene Sonnenaufgang wirkt nicht so real wie beim Wake-Up Light vonPhilips

Der versprochene Sonnenaufgang wirkt nicht so real wie beim Wake-Up Light vonPhilips

Foto: Bastian Midasch / DER SPIEGEL

Auf Wunsch überwacht das Gerät mithilfe von Sensoren den Schlaf seiner Nutzerin oder seines Nutzers und erstellt daraus morgens eine Schlafanalyse. Doch der Nest Hub 2 beschränkt sich nicht nur auf den Schlaf. Nach dem Aufstehen können Sie per Befehl »Hey Google, Nachrichten« die Nachrichten hören. Sound- und Bildqualität sind ordentlich. Für 99 Euro ist Googles Universal-Gadget zu haben – und damit günstiger als so viele herkömmliche Lichtwecker.

Fazit

Das Wake-Up Light ist das beste Produkt dieser Testreihe. Der Lichtwecker von Philips überzeugt mit Design und Bedienbarkeit. Die verschiedenen Weck- und Einschlafgeräusche sowie die Lichtqualität sind sehr gut. Mit zusätzlichen Funktionen (Leselampe, Relaxmodus, Radio) setzt sich das Philips-Produkt von der Konkurrenz ab, ist aber auch am teuersten.

Lumies Bodyclock Glow 150 und Beurers WL 75 sind günstige Alternativen, die als Lichtwecker überzeugen können. Der WL 75 liegt in diesem Duo vorn, weil er sich per App gemütlich vom Bett aus fernbedienen lässt

Gleiches gilt für Googles Nest Hub 2. In diesem Fall können Sie dem Gerät sogar einfach sagen, was es tun soll. Allerdings: Wem die Weckfunktion per Licht besonders wichtig ist, sollte womöglich ein anderes Gerät vorziehen. Der Nest Hub 2 hat andere Stärken als seinen Einschlaf- und Weckmodus.

Für den Soluna von TFA Dostmann spricht nur der günstige Preis.

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