Smarthome-Gadgets im Test "Hey Siri, ich mach Feierabend"

Wer sein Zuhause mit vernetzten Gadgets smart machen will, muss viel Platz am WLAN-Router haben und etliche Apps installieren. Apples Homekit soll das leichter machen. Der Praxistest.
Ohne Smartphone kein Smarthome: Apps sind der Schlüssel zum vernetzten Zuhause

Ohne Smartphone kein Smarthome: Apps sind der Schlüssel zum vernetzten Zuhause

Foto: Gerd Blank

Der Begriff "Intelligente Haustechnik" klingt in etwa so aufregend wie Stützstrümpfe oder Blasen-und-Nieren-Tee. Auch die englische Bezeichnung Smarthome sorgt nicht für entzücken: Was ist daran smart, wenn viele Hersteller immer noch auf Standards pfeifen, ihr eigenes Süppchen kochen und es dadurch unnötig erschweren, Geräte mehrerer Anbieter in einem Haushalt miteinander zu kombinieren? Ob Lampe oder Thermostat, Kamera oder Einbruchsensor: Viel zu oft muss man für jedes dieser Geräte eine eigene sogenannte Bridge an den WLAN-Router anschließen, damit es funktioniert.

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Damit nicht genug, hat jeder Hersteller seine eigene App. Die füllen nicht nur das Smartphone, sondern funktionieren auch unterschiedlich, sodass man für jede neu lernen muss. Mit Homekit bietet Apple seit Jahren ein System an, dass diesem Wildwuchs zumindest auf Apple-Geräten ein Ende setzen soll. War das System in den ersten Jahren noch weitgehend unbrauchbar, sind die meisten Probleme mittlerweile behoben worden. Wer Homekit-kompatible Gadgets benutzt, muss nur noch eine App, verwenden, um sein smartes Zuhause zu steuern, so die Theorie.

Wir haben exemplarisch fünf Smart-Geräte unter die Lupe genommen, bei denen das so funktionieren soll:

Die getesteten Produkte im Überblick

  • Tado Heizkörper-Thermostat - Starter Kit V3+ (129,99 Euro) Im Starter-Kit sind neben dem smarten Heizkörper-Thermostat auch Batterien, die Internet-Bridge, Verbindungskabel und Adapter-Ringe für unterschiedliche Heizkörper enthalten.

  • Philips Hue Starter-Kit, E27 White and Color Ambiance (149,99 Euro) Das Set enthält zwei Lampen für farbiges und weißes Licht, eine Hue-Bridge, eine Fernbedienung und Anschlusskabel.

  • Devolo Home Control Starter Paket 2.0 (219,90 Euro) Auch dieses Paket enthält eine Bridge und zudem einen Tür- und Fensterkontakt sowie eine Schalt- und Messsteckdose sowie alle benötigten Anschlusskabel. Der Bewegungsmelder (69,90 Euro) muss separat erworben werden.

  • Ring Stick Up Cam Elite (199 Euro) Neben der Kamera befinden sich im Paket eine Sockelauflage, Installationswerkzeug und -material sowie Netzteile und Kabel für den Innen- und Außenbereich.

  • Apple HomePod (329 Euro) Die smarten Lautsprecher verfügen über einen Tieftöner und sieben Hochtöner mit eigenen Verstärkern, sechs Mikrofone für Sprachbefehle und Telefonate. In der Box liegt neben dem etwa 2,5 Kilogramm schweren HomePod lediglich ein Stromkabel.

So haben wir getestet

Installation ­- Wie schnell gelingt der Einbau der Geräte und die Installation der Apps?

Nutzung - Wie einfach ist die Bedienung der Geräte und der Apps? Welche Möglichkeiten bieten sie?

Smarte Features ­- Was macht die Geräte smart? Wie können sie das Leben im Haus, der Wohnung oder dem Büro verbessern?

Orchestrierung - Wie fügen sich die smarten Gadgets in die vorhandene Infrastruktur ein? Wie lassen sich verschiedene Geräte miteinander kombinieren?

Tado Heizkörper-Thermostat

Foto: Gerd Blank

Wir haben an einen Heizkörper einen Thermostat von Tado angeschraubt. Das geht auch, wenn man keine Ausbildung zum Heizungstechniker hat, denn Tado hat den ganzen Installationsprozess so einfach wie möglich gemacht und entsprechende Anleitungen parat. Auch Passstücke für unterschiedliche Heizkörperventile sind im Paket enthalten. Bridge an den Router klemmen, App installieren, Batterien in den Thermostat einlegen, diesen anschrauben und sich kalibrieren lassen - und schon ist der alte Heizkörper modernisiert.

Sensoren im Thermostat messen die Raumtemperatur und prüfen die Luftqualität, die Außentemperatur wird via Internet abgerufen. In der App lassen sich verschiedene Szenarien festlegen und damit die Wunschtemperatur zu bestimmten Zeiten vorgeben. Die Fernsteuerung per App ist sehr praktisch: Wenn ich zum Beispiel am Wochenende ins Büro muss, kann ich schon beim Frühstück von Zuhause aus eine angenehme Raumtemperatur einstellen.

+ einfache Installation

- relativ hoher Preis

+ durchdachte App

- es werden Batterien benötigt

+ funktioniert mit den Smart-Home-Lösungen von Apple, Amazon und Google

- zusätzliche Online-Services sind kostenpflichtig

Philips Hue Starter-Kit

Foto: Gerd Blank

In Büro stecken die smarten Leuchtmittel des Hue-Systems von Philips in den Lampenfassungen. Auch hierfür muss eine Bridge an den Router und eine App aufs Smartphone. Im Starter Kit sind zwei Lampen, die Bridge und eine Fernbedienung enthalten, die auch als Dimmer genutzt werden kann. Die LED-Lampen können in beliebigen Farben leuchten - was in einem Büro eigentlich unnötig ist. Aber wenn nach Feierabend Gäste kommen, darf die Office-Beleuchtung ruhig zu einem schummrigen Leuchten werden.

Per App lassen sich Lichtszenen und Farbkombinationen einstellen, denn man kann jede Lampe einzeln oder mehrere gleichzeitig ansteuern. Recht unterhaltsam können die aus dem "Hue Lab" ladbaren Lichtszenen sein, die zum Beispiel ein Lagerfeuer oder einen Kampf mit Lichtschwertern simulieren. Einige, teilweise kostenpflichtige, Apps bieten zudem einen Partymodus, in dem das Licht via Smartphonemikrofon auf die im Raum abgespielte Musik reagiert wie eine Lichtorgel. Natürlich lässt sich das Hue-System per App fernsteuern und aktivieren, zum Beispiel damit es auch bei Abwesenheit so wirkt, als wäre jemand Zuhause.

+ einfache Installation

- relativ hoher Preis

+ App ist reich an Funktionen und Individualisierungsmöglichkeiten

- Zusatzfunktionen und Szenen sind kostenpflichtig

+ funktioniert mit den Smart-Home-Lösungen von Apple, Amazon und Google

Devolo Home Control Starter Paket 2.0

Foto: Gerd Blank

Wenn sich Eindringlinge nicht von dem Lichtschauspiel abschrecken lassen, soll wenigstens ein Alarm ausgelöst werden. Dafür lassen sich beispielsweise Bewegungsmelder von Devolo installieren. In deren Starter Kit sind ein Tür- und ein Fensterkontakt enthalten, die per App melden, wenn die Tür oder das Fenster geöffnet wird. Zur Nutzung als Alarmanlage lässt sich das System gegen Aufpreis um einen Bewegungsmelder und eine Sirene erweitern. Eine Bridge muss man leider auch hier installieren.

Per App lässt sich dann beispielsweise einstellen, was passieren soll, wenn der Bewegungsmelder eine Bewegung erkannt hat. Je nach Bedarf kann man beliebig viele Szenarien festlegen. Zum Beispiel soll die Alarmanlage während der Bürozeiten natürlich nicht anspringen. Wenn aber am Wochenende ein Fenster geöffnet wird, darf die laute Sirene ruhig anspringen und die Nachbarn wecken. Gleichzeitig erscheint auf dem Smartphone ein entsprechender Hinweis, egal, wo man sich gerade befindet.

+ relativ einfache Installation

- relativ hoher Preis

+ System lässt sich mit anderen Smart-Home-Produkten von Devolo erweitern

- App ist komplex und nicht selbsterklärend

+ viele Szenen und Automationen einstellbar

Ring Stick Up Cam Elite

Foto: Gerd Blank

Um die Sicherheit noch weiter zu erhöhen, kann eine Kamera genutzt werden. Wir haben uns für eine Variante der Amazon-Tochter Ring entschieden. Diese schaltet sich automatisch ein, wenn sich im Raum etwas bewegt und schickt eine entsprechende Meldung ans Smartphone. Die App ermöglicht nicht nur einen Liveblick in den Raum, sondern stellt auch einen Audiokanal wie bei einer Gegensprechanlage zur Verfügung. Wenn zum Beispiel ein Kollege am Samstag ungeplant für eine Nachtschicht ins Büro kommt, kann man so kurz mit ihm plaudern und ein schönes Wochenende wünschen. Für die Verbindung mit dem Internet ist auch hier eine Bridge zuständig, Nummer vier im Test. Die Anschlüsse an meinem Router sind damit allesamt belegt.

+ einfache Installation

- keine Verbindung zu den Smart-Home-Services anderer Anbieter

+ gute Bild- und Sprachqualität

+ durchdachte App

An diesem Punkt im Testablauf zeigt sich noch ein weiteres Smart-Home-Problem: Ich habe nun vier neue Apps auf dem Smartphone, die ich alle wechselweise aufrufen muss. Verlasse ich beispielsweise das Büro, muss ich mit einer App die Heizung, mit einer anderen das Licht ausschalten und mit einer dritten die Alarmanlage aktivieren. Für diesen Test haben wir ausprobiert, wie gut es gelingt, stattdessen alle getesteten mit Apple Homekit-App zu steuern. Ähnliche Möglichkeiten bieten auch Googles Home-App und Amazons Alexa-App, die wir uns ein andermal vornehmen werden.

Apple HomePod

Foto: Gerd Blank

Um Homekit nutzen zu können, braucht man ein Gerät, das quasi als Steuerzentrale fungiert. Das kann ein iPad, ein Apple TV oder ein HomePod sein. Wir haben uns bei diesem Test für Letzteren entschieden, weil auch im Büro mal Musik gespielt werden darf. Außerdem lassen sich HomePods bei Telefonkonferenzen per iPhone als Freisprechanlage nutzen.

Die Einrichtung ist simpel: Hängt der HomePod an der Steckdose, hält man einfach ein iPhone neben ihn, um die automatische Installation zu starten. In der HomeKit-App taucht der Lautsprecher dann unter den Gerätefavoriten auf - gleich neben den anderen installierten Gadgets. Unseren Test des Apple-Smartspeakers können Sie hier nachlesen.

+ guter Sound

- relativ teuer

+ einfache Installation und Bedienung

- volles Potenzial nur Verbindung mit Apple-Produkten

Während wir uns damals vor allem um die Audiofunktionen und den Klang gekümmert haben, lag unser Fokus diesmal auf den Möglichkeiten, das Smarthome per Siri zu steuern. Die Aufforderung "Hey Siri, mach die Heizung aus", quittiert Apples künstliche Intelligenz mit einem freundlichen "Schon erledigt". In der Homekit-App lassen sich zudem Automationen und Szenen anlegen, die die gemeinsame Steuerung von Gadgets mehrere Hersteller vereinfachen. So lässt sich festlegen, dass auf die Ansage "Hey Siri, ich mache Feierabend" beispielsweise sowohl die Heizung als auch die Lichter ausgestellt werden.

Mit Amazons Ring-Kamera und dem Home-Control-Set von Devolo klappt das freilich nicht, was ein neues Problem offenlegt: Zwar bieten Google, Apple und Amazon Lösungen wie Homekit an, mit denen sich auch ein aus vielen verschiedenen Komponenten zusammengekauftes Smarthome mit nur einer App steuern lässt. Die jedoch bringen nur dann etwas, wenn die Hersteller der Gadgets ihre Produkte auch daran anpassen. Und Devolo sowie Ring haben ihre Geräte eben nicht für Apples Standard tauglich gemacht. Wer sich auf ein System festlegt, egal, ob von Apple, Amazon oder Google, ist darauf festgelegt, nur zu diesem System kompatible Smarthome-Geräte zu kaufen. Zumindest, solange es noch keinen firmenübergreifenden Smarthome-Standard gibt.

Fazit

Das Ergebnis: Es kann sehr leicht sein, Geräte verschiedener Hersteller zu einem individuellen Smarthome zu verbinden. Die einheitliche Bedienung per Apple HomeKit ist einfach und intuitiv. Leider funktioniert das nicht mit jedem Gerät, weil jeder Hersteller entscheiden muss, wie viel Arbeit - und Geld - er investieren will, um seine Produkte zu den Standards der drei großen Firmen - Apple, Google, Amazon - kompatibel zu machen. Natürlich hätte statt der Apple-Lösung auch eine von Amazon oder Google zum Einsatz kommen können, das Ergebnis wäre ganz ähnlich ausgefallen.

Beim Zusammenstellen von Smarthome-Geräten sollte man deshalb stets darauf achten, ob die auch zum bevorzugten System passen. Auf den Packungen wird darauf durch kleine Symbole mit dem "Works with", gefolgt von "Apple Home Kit", "Alexa" oder "The Google Assistant", hingewiesen.