UHD-Beamer im Test Total scharf

Beamer versprechen riesige Bilder und echtes Kino-Feeling zu Hause. Wir haben fünf Geräte mit UHD-Auflösung getestet.
Die getesteten Heimkinoprojektoren: So unterschiedlich, wie sie aussehen

Die getesteten Heimkinoprojektoren: So unterschiedlich, wie sie aussehen

Foto: Christian Neeb

Das Licht geht aus, Popcorn-Tüten rascheln. Aufgeregtes Kichern, dann geht es los. Zwei Stunden vor einer riesigen Leinwand, die gar nicht zulässt, nebenher auf dem Smartphone zu spielen oder noch kurz etwas in der Küche zu erledigen. Wenn Filme eine Religion sind, dann sind Kinos ihre Tempel. Weil die Größe des Bildes kaum eine Ablenkung ermöglicht.

Natürlich lässt sich das Kinogefühl nicht einfach zu Hause simulieren. Schließlich locken oder drohen dort immer noch genügend Ablenkungen. Trotzdem ist es möglich sich dem Gefühl anzunähern. Mit einer großen Leinwand statt eines Fernsehers. Und mit einem Beamer, der Filme und Serien gestochen scharf darauf projiziert.

Hinzu kommt, dass viele Filmstudios ihre Blockbuster auf Streaming-Diensten veröffentlichen, solange die Kinos wegen der Pandemie geschlossen bleiben müssen. Das könnte genau die richtige Gelegenheit sein, zu Hause ein Heimkino aufzubauen, natürlich nicht mit einem großen Fernseher, sondern wie im richtigen Filmsaal mit Leinwand und Beamer.

Diese Geräte habe ich getestet

  • BenQ W2700 für 1599 Euro

  • Epson EH-TW7100 für 2149 Euro

  • LG CineBeam 4K / HU70LS für 1699 Euro

  • Optoma UHD51 für 2149 Euro

  • Viewsonic X10-4K für 1539 Euro

So habe ich getestet

Ich bin ein Heimkinoanfänger. Der Test richtet sich nicht an Experten, die sich in Internetforen stundenlang in optimale Einstellungsmöglichkeiten einarbeiten wollen. Die Beamer sollen auf ihre Anfängertauglichkeit getestet werden: Wie einfach sind sie einzurichten? Wie zugänglich ist ihre Bedienung? Wie gut ist das Bild aus dem Stand heraus.

Für das Heimkino habe ich in unserem Arbeitszimmer eine günstige zwei Meter breite 16:9-Motorleinwand der Firma Celexon angebracht. Die Beamer wurden an einer Deckenbefestigung der Firma Mywall montiert. Angeschlossen waren sie über ein HDMI-Kabel an eine Xbox One X, die 4K-Blu-rays abspielen kann. Darüber hinaus habe ich die UHD-Blu-Ray von »Der Herr der Ringe« geschaut, die Serie »The Mandalorian« in UHD gestreamt und das Spiel »Diablo 3« gespielt.

BenQ W2700

Foto: Christian Neeb

Mit einem Surren nimmt der BenQ-Projektor den Betrieb auf, dann erklingt ein deutliches Lüftergeräusch. Die erste Einstellung muss ich kopfüber vornehmen, denn das Gerät erkennt nicht automatisch, dass es an der Decke montiert ist. Da das Menü sehr kleinteilig gehalten ist, ist das ein etwas umständlicher Akt.

Leider liegt dem BenQ-Beamer nur ein rudimentäres Handbuch bei, das auf Text verzichtet und nur mit Illustrationen arbeitet. Wie wenig gut das funktioniert, weiß jeder, der schon mal ein komplexeres Möbelstück von Ikea aufgebaut hat. Eine kurze Onlinesuche bringt das Benutzerhandbuch als PDF zutage. Mit den Informationen daraus ist der Beamer schnell eingerichtet.

Im voreingestellten Cinema-Modus bringt der Beamer aus dem Stand ein sehr gutes Bild auf die Leinwand. Wechselt man in den Modus »Hell« wird das Bild grünstichig. Also bleibt der Cinema-Modus eingeschaltet.

Das Gerät liefert brillante Farben bei großer Helligkeit. Bei der »Star Wars«-Serie »The Mandalorian« glänzt der BenQ mit seiner Bildqualität. Die knackigen Farben sind auch beim Gaming-Einsatz mit »Diablo 3« eine Wonne.

Der gute Sound der eingebauten Lautsprecher, die sogar räumlich wirkenden Klang erzeugen, rundet das Paket ab.

Pluspunkte: brillante Bildqualität ab Werk

Minuspunkte: lauter Lüfter

Anschlüsse: 2 x HDMI, 1 x RS-232, 1 x USB 3, 12-Volt-Leinwandanschluss, Audio analog und optisch-digital

Zubehör: Fernbedienung, Netzkabel, Anleitung analog und auf DVD, Kalibrierungstest

Geeignet für: UHD-Anfänger, die ohne Probleme ein starkes Komplettpaket wollen

UVP: 1599 Euro

Epson EH-TW 7100

Foto: Christian Neeb

Schon der Karton, in dem das Testgerät geliefert wird, ist riesig, der Beamer darin monströs groß und schwer. Der soll kopfüber an der Decke hängen? Ein etwas mulmiges Gefühl, aber unberechtigt. Der Epson ist das einzige Gerät im Test, das nicht mit der Deckenbefestigung kompatibel ist. Also stelle ich ihn auf den Boden.

Mit seinem Gehäuse aus abgerundetem weißem Plastik ähnelt der Beamer Entwürfen des Designers Colani. Dank der verstellbaren Füße und dem manuell einstellbaren Objektiv, ist schnell ein scharfes Bild an die Leinwand geworfen – das leider nicht die zwei Meter breite Leinwand ausfüllt. Der Abstand von rund 2,20 Meter der im Testraum möglich ist, ist dafür zu gering, der Beamer für deutlich größere Räume konzipiert.

Trotzdem liefert er eine sehr hohe Bildqualität. Die Fernbedienung erinnert an die unübersichtlich überfrachteten Geräte, die in den Neunzigerjahren auf den Wohnzimmertischen technikaffiner Großeltern lagen.

Die Leuchtkraft des Epson ist erstaunlich. Auch in den dunkleren Szenen von »The Mandalorian« sind feine Details zu erkennen. Auch die UHD-Blu-ray von »Der Herr der Ringe« zeigt sich auf dem Epson von ihrer besten Seite. Das Bild wirkt absolut natürlich, man meint das frische Gras des Auenlands riechen zu können.

Der Beamer ist zudem nicht so laut wie einige der anderen Testkandidaten. Dafür ist der Sound auch eher mit dem eines normalen Fernsehers zu vergleichen. Kein räumlicher Klang, wie die Soundmaschine von Viewsonic. Aber auch kein blecherner wie bei dem Mini-Gerät von LG. Ein Kompromiss, der bei Heimkinofans nach einer externen Soundanlage verlangen lässt.

Pluspunkte: hervorragende Bildqualität, einfache Bildeinstellung

Minuspunkte: Abmessungen, Deckeninstallation mit myWall-Halterung nicht möglich, Sound eher mäßig

Anschlüsse: 2 x HDMI, Trigger-Out (Steuerung externer Geräte), Audioausgang, USB-Anschluss, Strom für externe Geräte

Zubehör: Fernbedienung, Anleitung, Netzkabel

Geeignet für: Fans hervorragender Bildqualität mit großem Wohnzimmer.

UVP: 2149,00 Euro

LG CineBeam 4K

Foto: Christian Neeb

Im Pappkarton steckt ein nüchternes weißes Gehäuse, das an einen Router erinnert. Eine schwere Fernbedienung, eine kurze Anleitung, ein Magnetring und ein Netzkabel mit klobigem Trafo machen das Paket komplett.

Erste Erkenntnis: für eine Deckenmontage ist das mitgelieferte Netzkabel bei einer Deckenhöhe von zweieinhalb Metern viel zu kurz. Der Trafo hängt auf halber Höhe in der Luft und muss abgestützt werden, damit er das Kabel nicht auf Spannung zieht.

Nach dem Einschalten nimmt der Lüfter lautstark seinen Betrieb auf. Das Gerät erkennt seine Ausrichtung automatisch. Nach ein paar feinen Justierungen wird das Bild in 16:9 an die Leinwand gestrahlt. In einem Pop-up-Menü, das sich über projizierte Bild legt, können Einstellungen vorgenommen werden. Das Scharfstellen und die Ausrichtung des Bildes, sind nur digital möglich, nicht direkt am Objektiv.

Beim Start der Xbox ist der Sound der Lautsprecher blechern. Wer Kinofeeling will, braucht hier eine externe Soundanlage, auch um den lauten Lüfter zu übertönen. Positiv fällt die intelligente Steuerung des Geräts auf. Die Benutzeroberfläche der Xbox erscheint erst, wenn auch die Leinwand ausgefahren ist. Vorher prangt an der nackten Wand nur das grüne Logo. Dann ist mit der Fernbedienung des Beamers auch die Steuerung der Konsole möglich. Das ist deutlich bequemer als ständig zwischen Controller und Fernbedienung zu wechseln.

Die erste Folge der Serie »The Mandalorian« in 4K auf der großen Leinwand ordentlich was her. Aus der TV-Serie wird Serien-Kino. Im abgedunkelten Raum ist die Leuchtkraft des Projektors zufriedenstellend. Die UHD-Blu-ray von »Der Herr der Ringe« hat auf dem Projektor von LG ein brillantes Bild, die Schlachten zwischen Elben und Orks wirft das Gerät sehr scharf auf die Leinwand. Wenn er auch etwas leise ist, ist er der »smarteste« Beamer im Test.

Pluspunkte: Einfache Installation, gutes Bild, durchdachte Steuerung

Negativpunkte: Lauter Lüfter, kurzes Netzkabel, schwacher Sound

Anschlüsse: 2 x HDMI, 2 x USB, 1 x USB-C, Kopfhörer, LAN, optischer Audioeingang

Zubehör: Fernbedienung, Netzkabel, Magnetring

Geeignet für: Smart-Home-Tüftler und Surround-Anlagen-Besitzer

UVP: 1699 Euro

Optoma UHD51

Foto: Christian Neeb

Wo der LG-Beamer eine unscheinbare weiße Box ist, sieht Optomas Gerät nach Rennwagen aus. Das glänzend schwarze Gehäuse ist mit einem Kühlergrill eingefasst, inklusive silberner Zierleiste. Es ist sehr groß und schwer, in einem weißen Wohnzimmer nicht leicht zu verbergen. Dafür ist das Netzteil im Gerät verbaut und hängt nicht außen am Netzkabel. Bei der Deckeninstallation ist das definitiv ein Vorteil, wenngleich auch hier das mitgelieferte Netzkabel viel zu kurz ist. Dieses Manko lässt sich durch ein längeres Kaltgerätekabel beheben.

Eine ausführliche Anleitung liegt dem Gerät nicht bei, nur eine Kurzanleitung und ein Verweis auf die Internetseite des Herstellers. Die Fernbedienung des ist ein kleines rudimentäres Gerät, keine Smart-Remote.

Kaum angeschlossen nimmt der Optoma sofort den Betrieb auf, erkennt seine Ausrichtung aber nicht automatisch. Bei einer Montage an der Decke muss das also über Kopf lesend erledigt werden, was mit der Fernbedienung umständlich und wenig intuitiv ist. Das Einstellen von Bildgröße und Schärfe funktioniert beim Optoma hauptsächlich manuell über ein Drehrad am Objektiv und einen Schieberegler.

Einsteigerfreundlich wirft der Optoma schnell ein gutes Bild an die Leinwand. Eine angenehme Überraschung: Die Betriebsgeräusche halten sich in Grenzen, dafür klingt der eingebaute Lautsprecher deutlich voller als beispielsweise der des LG-Beamers. Mit der Xbox-Oberfläche verträgt sich der Beamer anstandslos.

Auch die Wiedergabe von »The Mandalorian« über die Disney+-App funktioniert einwandfrei. Insgesamt ist die Leuchtkraft des Optoma nicht so hoch wie beispielsweise beim LG oder BenQ. Auch »Der Herr der Ringe« auf UHD-Blu-ray wirkt in der Grundeinstellung etwas düsterer, als bei den anderen Kandidaten. Dafür sind die Farben wärmer.

Pluspunkte: Einsteigerfreundliche Bildeinstellung, guter Klang, geringe Lüftergeräusche

Minuspunkte: keine Smart-Remote, Bedienoberfläche etwas umständlich

Anschlüsse: 2 x HDMI, 1 x VGA, 1 x RS232, RJ-45, Audioeingang, Audioausgang analog und optisch, 12-Volt-Leinwandanschluss

Zubehör: Fernbedienung, Netzkabel

Geeignet für: Stilbewusste UHD-Fans, die gern an Objektiven drehen

UVP: 2149,00 Euro

Viewsonic X10-4K

Foto: Christian Neeb

Mit einem Wumms geht der Projektor an. Wortwörtlich. Das Soundsystem des Viewsonic kommt von der Harman Kardon. Druckvoller Bass füllt den Raum. Das ersetzt zwar kein richtiges Soundsystem, aber mit den vielen Soundbars kann der Viewsonic wohl mithalten.

Der Projektor hat eine Festbrennweite, der Bildschirmausschnitt kann also nicht angepasst werden. Aus der Position, an der ich die Deckenhalterung installiert habe, wirft er bereits ein rund drei Meter breites Bild auf die Leinwand. Also habe ich ihn wieder von der Decke genommen und mitten im Zimmer auf einen Stuhl gestellt, um den richtigen Abstand manuell einzustellen.

Der ist schnell gefunden, und zwar deutlich näher an der Leinwand – und leider direkt unter der Deckenlampe. Dort wird er nicht hängen können. Für mein kleines Heimkino im Kellerraum wäre er demnach nicht geeignet.

Das Gerät stellt sich selbstständig scharf, dann geht es los. Das Bild ist brillant, wirkt manchmal aber etwas matt. Der Videospielmodus lässt »Diablo 3« hingegen in knalligen Farben leuchten. Der Sound ist eine Wucht und simuliert Raumklang. Das Blaster-Feuer des »Mandalorian« donnert und faucht durch den Raum. Kein Vergleich mit dem blechernen Sound anderer Beamer, die nach PC-Boxen aus den Neunzigerjahren klingen. Immerhin: So kann man sich angesichts des hohen Preises für den Beamer vielleicht den Kauf eines Soundsystems sparen.

Ärgerlich ist die etwas hakelige Fernbedienung. Ein sehr sensibles Rad in der Mitte erinnert an die Steuerung der ersten iPods. Die Lautstärke lässt sich durch einen Schieberegler mehr schlecht als recht steuern.

Pluspunkte: guter Raumklang, sehr gute Bildqualität,

Minuspunkte: lauter Lüfter, keine manuelle Justierung der Brennweite, hakelige Fernbedienung

Anschlüsse: 2 x HDMI, microSD, LAN, 2 x USB, Audioeingang, Audioausgang

Zubehör: Fernbedienung, Anleitung, USB-C-Kabel, HDMI-Kabel, Netzkabel, WLAN-Dongle

Geeignet für: Filmfans, die Wert auf guten Klang legen, dafür aber keine Soundanlage anschaffen wollen.

UVP: 1539,90 Euro

Mein Fazit:

Mit gestochen scharfen Bildern aus den getesteten 4K-Projektoren wirken selbst auf Streaming ausgelegte Serien wie »The Mandalorian« oder »The Witcher« wie großes Kino. Auch Multiplayer-Videospiele wie »Diablo 3« machen auf der großen Leinwand mehr Spaß als am Fernseher, von Kinofilmen auf UHD-Blu-ray ganz zu schweigen. Alle getesteten Beamer liefern gute bis herausragende Bildqualität. Jeder Hersteller punktet bei der Ausstattung mit anderen Details.

Mir als Anfänger unter anderem die Bildqualität des Geräts von BenQ positiv aufgefallen. Ohne irgendwelche Anpassungen lieferte dieser Beamer sofort ein sehr gutes Bild – fast wie im Kino. Nur das Geraschel der Popcorntüten fehlt dann doch irgendwie.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.